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"Renditen fallen, Kurzläufer gefragt" 29.05.2026, 16:37 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Nach dem Hoch vor rund zwei Wochen geben die Anleiherenditen spürbar nach. Händler melden Käufe bei Kurzläufern guter Bonität. Am Primärmarkt bleibt das Tempo hoch: SAP platziert vier Euro-Anleihen und nimmt dabei 3,5 Milliarden Euro ein.

29. Mai 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der vor drei Monaten begonnene Anstieg der Anleiherenditen scheint sein Ende gefunden zu haben. Seit dem Hoch am 19. Mai sind die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen in Europa und den USA deutlich zurückgekommen. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries fiel auf Wochensicht von 4,57 Prozent auf 4,44 Prozent, nachdem sie im Hoch fast 4,70 Prozent erreicht hatte. Die zehnjährige Bundrendite fiel von 3,20 Prozent in der Spitze über 3,06 Prozent in der Vorwoche auf jetzt 2,95 Prozent.

"Die Mehrzahl der Finanzmarktakteure geht offenkundig davon aus, dass die Entspannungszeichen im Iran-Krieg dieses Mal tatsächlich zu einem Durchbruch führen", erläutert Elmar Völker von der LBBW. Nach Ansicht des Analysten scheinen zudem "die zwischenzeitlich spürbar höheren Langfristrenditen einige Anleger aus der Reserve gelockt zu haben, die die Kursverbilligung als attraktives Einstiegssignal gewertet haben". Steigende Renditen bedeuten bei Anleihen im Umkehrschluss sinkende Kurse.

Rendite-Rückgang könnte sich fortsetzen

Ilona Korsch von Hauck Aufhäuser Lampe spricht aktuell noch von einem "Hin und Her" an den Rentenmärkten. Bei einem "nachhaltigen Durchhandeln nach unten" könnte die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe (auf Wochensicht von 2,63 auf 2,56 Prozent gefallen) jedoch im nächsten Schritt die Marke von 2,50 Prozent anlaufen. Für die zehnjährige Bundesanleihe sieht sie als nächstes Ziel den Bereich um 2,90 Prozent.

Ralf Umlauf von der Helaba begründet den Rückwärtsgang der Renditen vor allem mit den gesunkenen Energiepreisen. Der Bund-Future als Kursbarometer deutscher Anleihen ist in diesem Umfeld von 123,80 Punkten im Tief bis auf aktuell 126,20 Punkte geklettert. Laut Umlauf nähert er sich damit seinem "unlängst erreichten Impulshoch bei 126,48 Punkten". Als charttechnische Unterstützung nennt der Analyst die 55- und 21-Tagelinien, die aktuell bei 125,44 bzw. 125,26 verlaufen.

Käufe bei kurzlaufenden Qualitätsschuldnern

Im Anleihehandel der Börse Frankfurt stehen aktuell vor allem kurzlaufende und qualitativ hochwertige Anleihen im Fokus, während lange Laufzeiten wegen des Zinsrisikos gemieden werden. Das berichtet Tim Oechsner von der Steubing AG. Als Beispiele nennt der Händler eine in gut drei Jahren fällige Anleihe der Mercedes-Benz Group (DE000A2GSCW3) mit einer Rendite von rund 3,0 Prozent.

Auf ähnlichem Niveau liegen die jeweils bis Anfang 2030 laufenden Bonds von Evonik Industries (DE000A4DFCB7) und erneut der Mercedes-Benz Group (DE000A2YNZX6), die ebenfalls gut nachgefragt werden. Auch der von Gregor Daniel, Rentenhändler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, aufgeführte Bond der Deutschen Telekom (XS3244707272) passt in dieses Raster.

Raffaele Antacido von der ICF Bank berichtet passend dazu von Käufen der Anleihen von Linde (XS3370296801) und der Deutschen Lufthansa (XS2815984732), die bei ähnlicher Laufzeit etwas höhere Renditen abwerfen. Verkäufe sieht der Händler hingegen in einer 2030 fälligen Schuldverschreibung der US-Bank Goldman Sachs (XS2107332640).

Wieder viele neue Anleihen an Markt

Auffällig ist unverändert die rege Emissionstätigkeit. Ilona Korsch berichtet mit Verweis auf die von Bloomberg zusammengestellten Daten, dass das Emissionsvolumen am europäischen Markt für öffentlich syndizierte Schuldtitel im Mai den höchsten Wert seit Januar erreicht hat. In dieser Woche war vor allem der Softwarekonzern SAP sehr aktiv. Das Unternehmen hat bei sehr starker Nachfrage vier Anleihen mit Laufzeiten von zwei, drei, fünf und sieben Jahren am Markt platziert und dabei insgesamt 3,5 Milliarden Euro eingenommen.

Von Thomas Koch, 29. Mai 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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