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Bau von immer mehr Rechenzentren stößt an Grenzen 27.05.2026, 15:21 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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Ob Streamingdienst, Online-Bestellung oder das Sichern von Daten in der Cloud - ohne leistungsfähige Rechenzentren geht im digitalen Leben so gut wie nichts. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet, wo in Frankfurt einer der weltweit größten Internetknotenpunkte DE-CIX den Takt vorgibt, ist der Markt rasant gewachsen. Doch allmählich zeichnen sich die Grenzen dessen ab, was möglich oder gewollt ist.

Im Kern steht dabei die Frage, wo denn der ganze Strom herkommen soll, um die energiehungrigen Serverfarmen zu versorgen. In Frankfurt sind die Probleme mit der Stromkapazität bereits sichtbar geworden. Große, leistungsstarke Neuanschlüsse können dort erst ab Mitte der 2030er-Jahre wieder bereitgestellt werden, ließ Energieversorger Mainova kürzlich wissen. Damit rückt das Umland stärker in den Blick.

Maintal, die größte Stadt im Main-Kinzig-Kreis, liegt direkt vor den Toren Frankfurts. Dort will der Cloud-Anbieter Amazon US0231351067 Web Services (AWS) ein Rechenzentrum errichten. Erstmals in Deutschland hat die Tochter des US-Internetriesen Amazon jetzt versucht, mit einer öffentlichen Veranstaltung auf Bedenken der Bevölkerung einzugehen. Trotz Sommerhitze besuchten am Dienstagabend Dutzende Interessierte den von AWS veranstalteten "Infomarkt" im Bürgerhaus der Stadt.

Proteste gegen anderes Rechenzentrum in Maintal

Rechenzentren sind in der rund 40.000 Einwohner zählenden Stadt ein umstrittenes Thema. Proteste der Bürger hatten vor kurzem dazu geführt, dass der Konzern Edgeconnex seinen Plan, an einem anderen Standort in Maintal ebenfalls ein Rechenzentrum zu errichten, erst einmal wieder einkassiert hat und nun überprüfen will. Im Mittelpunkt der Kritik einer Maintaler Bürgerinitiative stand das Vorhaben, ein großes Gaskraftwerk zu errichten, das den Strom für das Rechenzentrum erzeugen sollte.

AWS versucht, derartige Bedenken im Vorfeld auszuräumen. "Wir werden versuchen, die Fragen so zu beantworten, dass die Bürger und Bürgerinnen damit zufrieden sind und sehen, dass es wirklich eine gute Investition in die Gemeinde ist", sagt Thomas Blood von AWS.

Kein neues Kraftwerk geplant

Wichtiger Unterschied: Anders als bei den Edgeconnex-Plänen braucht die Amazon-Tochter für ihr Vorhaben kein neues Kraftwerk auf dem Gelände, sondern einen noch zu bauenden Anschluss an die Hochspannungsleitung sowie ein Umspannwerk. Es gebe bereits einen Vertrag mit den Übertragungsnetz-Betreibern, sonst würde AWS nicht in den Standort investieren, teilt das Unternehmen mit.

AWS peile an, seinen Strombedarf weltweit bis 2040 ohne CO2-Emission zu decken, betont Blood. "Ziel ist, mit erneuerbaren Energien das Zentrum zu steuern und zu unterstützten." Er verweist auf Solar- und Windenergieprojekte etwa in der Nordsee, in die das Unternehmen investiert habe.

Kühlwasser soll aus Regenwasser gewonnen werden

Die von AWS angepeilte Fläche ist rund zehn Hektar groß und liegt in einem bestehenden Gewerbegebiet nahe der Autobahn 66. Voraussichtlich 93 Prozent des benötigten Kühlwassers des Rechenzentrums will AWS aus Regenwasser gewinnen und bis zu dreimal wiederverwenden. Der Rest soll aus Brauchwasser stammen. "Wenn es möglich ist, ist auch die Nutzung von Abwärme eine Option", betont Blood.

Bürgermeister Monika Böttcher (parteilos) erwartet nicht, dass es bei dem Projekt der Amazon-Tochter zu ähnlichen Protesten der Bürger kommt wie bei den Plänen von Edgeconnex. Wegen der Nähe zum Internetknotenpunkt DE-CIX in Frankfurt sei Maintal ein attraktiver Standort für die Ansiedlung von Rechenzentren. "Wir gehen davon aus, dass es sich in beiden Fällen um eine Milliardeninvestition handeln würde", sagt sie.

Die Stadt erhofft sich davon unter anderem Gewerbesteuereinnahmen, eine Stärkung als Wirtschaftsstandort und die mögliche Ansiedlung weiterer Betriebe. Zudem sei der Betrieb eines Rechenzentrums im Vergleich beispielsweise zu Logistik-Unternehmen mit einer deutlich geringen Verkehrsbelastung verbunden.

Bürgermeisterin: Kommunen müssen stärker profitieren

Wichtig wäre nach Meinung der Bürgermeisterin eine Reform der Gewerbesteuer für Rechenzentren. "Denn es braucht eine gerechtere Gewerbesteuer für Rechenzentren, die sich an der technischen Leistung und dem Energiebedarf der Rechenzentren orientiert - die bisherige Zerlegung der Gewerbesteueranteile von Rechenzentren nach Anzahl der Beschäftigten ist nicht mehr zeitgemäß." Würden die Kommunen stärker von diesem Vorteil profitieren, würde sich auch die Akzeptanz gegenüber solchen Großprojekten erhöhen.

Auch wenn AWS bei dem Infomarkt sichtlich darum bemüht war, in der Bevölkerung für Akzeptanz zu werben, blieb das Unternehmen konkrete Kennziffern des geplanten Rechenzentrums schuldig - etwa zur Investitionssumme, der Mitarbeiterzahl oder zum Strombedarf. Das kritisiert auch die Bürgerinitiative, die sich gegen das Vorhaben von Edgeconnex gebildet hatte.

Bürgerinitiative vermisst belastbare Informationen

Es sei zwar im Sinne der Transparenz zu begrüßen, dass AWS vorab die Bürgerschaft von dem Vorhaben unterrichte, wenngleich die Einladung etwas kurzfristig erfolgt sei, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative, Thomas Schadt. "Es gibt aber keine belastbare Information zu wichtigen Kennzahlen wie Gesamtstrom- und Wasserverbrauch, zu Effizienz und zur Lagerung des Notstromdiesels", kritisiert er. Das wäre aber wichtig, um das Projekt als Ganzes einordnen zu können.

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