Apple unter Druck

Chipkrise trifft iPhone-Start 31.07.2026, 13:17 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Apple unter Druck: Chipkrise trifft iPhone-Start
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Knappes Chipangebot trifft Apple zur heiklen Phase

Kurz vor dem erwarteten Start der nächsten iPhone-Generation kämpft Apple mit Engpässen bei zentralen Bauteilen. Besonders knapp seien derzeit Produktionskapazitäten für kombinierte Chipsysteme, die als technisches Herzstück von Geräten wie iPhones und Mac-Computern dienen, erklärte Konzernchef Tim Cook in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Apple habe die Nachfrage nach iPhones und Macs in den vergangenen Monaten unterschätzt, obwohl die eigenen Absatzprognosen bereits hoch angesetzt gewesen seien. In normalen Jahren könnte der Konzern seine enorme Einkaufsmacht nutzen, um zusätzliche Kapazitäten bei Zulieferern zu sichern. Aktuell gebe es jedoch "weniger Flexibilität" als üblich, sagte Cook. Die Engpässe seien deshalb gravierend, während Apple nur begrenzte Möglichkeiten habe, kurzfristig gegenzusteuern.

Auslöser ist vor allem der weltweite Ausbau von Rechenzentren für Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz. Die hohe Nachfrage nach leistungsfähigen Halbleitern bindet große Teile der verfügbaren Produktionskapazitäten. Für Apple kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da der Konzern traditionell im Sommer die Fertigung neuer iPhone-Modelle hochfährt, um die Geräte im Herbst auf den Markt zu bringen.

Offiziell äußerte sich Apple nicht dazu, ob die nächste iPhone-Generation erneut im September vorgestellt wird. In der Branche gilt dieser Zeitplan jedoch als wahrscheinlich. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte in diesem Jahr zudem erstmals ein aufklappbares iPhone-Modell erscheinen.

iPhone-Geschäft wächst um fast 22 Prozent

Trotz der angespannten Lieferlage legte Apple im vergangenen Quartal kräftig zu. Der Umsatz mit dem iPhone stieg im Jahresvergleich um nahezu 22 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 47 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten.

Marktforscher gehen davon aus, dass Apple sowohl mehr iPhones verkauft als auch einen höheren durchschnittlichen Verkaufspreis erzielt hat. Konkrete Stückzahlen veröffentlicht das Unternehmen bereits seit längerer Zeit nicht mehr.

Das iPhone bleibt damit das mit Abstand wichtigste Produkt des Konzerns und steht weiterhin für etwa die Hälfte des Gesamtgeschäfts. Der gesamte Apple-Umsatz erhöhte sich um 16 Prozent auf gut 109,4 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn kletterte zugleich um 27 Prozent auf knapp 29,8 Milliarden Dollar.

Unterstützt wurde das Ergebnis nach Angaben des Unternehmens auch durch bereits verbuchte Rückzahlungen von US-Importzöllen. Apple stehen diese Erstattungen zu, nachdem das Oberste Gericht der USA mehrere Maßnahmen von Präsident Donald Trump aufgehoben hatte.

Nicht in allen Bereichen konnte der Konzern jedoch überzeugen. Sowohl das Dienstleistungsgeschäft als auch die Entwicklung in der Region China blieben trotz Zuwächsen hinter den höheren Erwartungen der Analysten zurück. Im vorbörslichen US-Handel verlor die Apple-Aktie daraufhin mehr als sieben Prozent.

Speicherpreise und Wechselkurse belasten den Ausblick

Samik Chatterjee von der US-Bank JPMorgan sieht die grundsätzlich positiven Signale bei der Nachfrage durch mehrere Belastungsfaktoren eingeschränkt. Neben den branchenweiten Lieferengpässen verwies der Analyst auf steigende Kosten für Speicherchips und negative Wechselkurseffekte.

Vor allem der starke Preisanstieg bei DRAM-Speicher belastet Apple ebenso wie andere Computerhersteller. Der Konzern hatte deshalb bereits vor wenigen Wochen die Preise für mehrere Gerätekategorien angehoben. Die iPhones waren von diesen Preissteigerungen bislang ausgenommen.

Cook kritisierte zugleich die geringe Zahl großer Anbieter auf dem DRAM-Markt. Dort dominieren derzeit lediglich drei Konzerne. "Es wäre gut, wenn es mehr Lieferanten gäbe", sagte der Apple-Chef. In der Branche wird diese Aussage als indirekter Appell verstanden, Apple und anderen US-Unternehmen den Einkauf chinesischer Speicherchips zu ermöglichen. Aufgrund des anhaltenden Handelskonflikts zwischen Washington und Peking stößt dies innerhalb der US-Regierung jedoch auf Widerstand.

Das Ende Juni abgeschlossene Vierteljahr war zugleich das letzte vollständige Quartal unter der Führung von Tim Cook. Nach 15 Jahren an der Konzernspitze wird er seinen Posten im September abgeben. Die Leitung von Apple soll anschließend der bisherige Hardware-Chef John Ternus übernehmen.

Bn-Redaktion/aw
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