BMW i3

Milliardenumbau lässt Anleger kalt 06.08.2026, 19:35 Uhr Jetzt kommentieren: 0

BMW i3: Milliardenumbau lässt Anleger kalt
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BMW 58,84 EUR -1,09 % Lang & Schwarz

Warum der Milliardenumbau die Börse noch nicht überzeugt

BMW hat im Münchner Stammwerk die Serienproduktion des neuen i3 aufgenommen. Für den Autobauer ist der Produktionsstart ein wichtiger Meilenstein, denn das Modell gehört zur sogenannten „Neuen Klasse“, mit der BMW seine Elektrostrategie neu ausrichten will. An der Börse sorgte die Nachricht jedoch zunächst nicht für Aufbruchsstimmung: Die BMW-Aktie verlor am Donnerstag 1,44 Prozent und notierte bei 58,82 Euro.

Damit zeigt sich eine auffällige Diskrepanz. Während der Konzern operativ einen wichtigen Schritt in Richtung Elektromobilität macht, bleibt die Stimmung am Kapitalmarkt verhalten. Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Aktie rund 30,59 Prozent an Wert eingebüßt. Der Kurs liegt zudem nur 4,29 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro.

650 Millionen Euro für den Neustart im Stammwerk

Der neue i3 ist der erste in Deutschland produzierte Vertreter der „Neuen Klasse“. Rund fünf Jahre lang wurde das Münchner Werk auf die neue Fahrzeugarchitektur vorbereitet. BMW investierte nach eigenen Angaben etwa 650 Millionen Euro und gestaltete dafür rund ein Drittel des Werksgeländes um.

Der Produktionsstart ist zugleich ein Vorgriff auf einen noch umfassenderen Wandel. Ab 2027 sollen im Münchner Stammwerk ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge gefertigt werden. Für einen traditionsreichen Standort, der über Jahrzehnte eng mit Verbrennungsmotoren verbunden war, bedeutet das eine grundlegende Neuausrichtung.

Bestellbar ist der neue i3 bereits seit Mitte Juni. Vertriebsvorstand Jochen Goller sprach im Zusammenhang mit der bisherigen Nachfrage von einer „steilen Anlaufkurve“. Entscheidend für die wirtschaftliche Bedeutung des Modells wird jedoch sein, wie viele Bestellungen tatsächlich in Auslieferungen und profitables Produktionsvolumen überführt werden können.

BMW setzt auf Reichweite, Ladeleistung und niedrigere Kosten

Technisch soll der neue i3 Maßstäbe innerhalb des BMW-Portfolios setzen. Das Topmodell i3 50 xDrive erreicht laut WLTP eine Reichweite von bis zu 912 Kilometern. Auch beim Schnellladen stellt BMW hohe Werte in Aussicht: Innerhalb von zehn Minuten soll Energie für rund 400 Kilometer zusätzliche Reichweite aufgenommen werden können.

Neben der Technik steht vor allem die Kostenstruktur im Mittelpunkt. Werksleiter Peter Weber erklärte, dass die Fertigungskosten um rund 10 Prozent sinken sollen. Für BMW ist dieser Wert von hoher Bedeutung, da Elektrofahrzeuge bislang häufig geringere Margen als vergleichbare Verbrennermodelle erzielen.

Ob die angestrebten Einsparungen ausreichen, um die Profitabilität der Elektroflotte deutlich zu verbessern, dürfte sich erst mit steigenden Stückzahlen zeigen. Dabei spielen nicht nur effizientere Produktionsabläufe eine Rolle. BMW testet im Werk Leipzig außerdem humanoide Roboter des Unternehmens Hexagon Robotics. Langfristig soll eine stärkere Automatisierung dazu beitragen, Prozesse zu vereinfachen und Kosten weiter zu reduzieren.

Konkurrenz aus China verschärft den Druck auf BMW

Der Produktionsstart fällt in eine Phase, in der deutsche Autobauer zunehmend unter Wettbewerbsdruck geraten. Nach aktuellen Branchendaten liegt der Marktanteil deutscher Hersteller am Gesamtzulassungsmarkt bei rund 60,6 Prozent und stagniert damit weitgehend.

Chinesische Marken konnten ihren Anteil dagegen zuletzt auf 7,1 Prozent ausbauen. Viele Anbieter aus China treten mit aggressiven Preisen, kurzen Entwicklungszyklen und einer breiten Auswahl an Elektrofahrzeugen auf. Dadurch könnten mögliche Kostenvorteile der „Neuen Klasse“ teilweise wieder aufgezehrt werden.

Parallel zur Elektrifizierung steht BMW vor strukturellen Einschnitten. Konzernweit ist ein Abbau von rund 8.000 Stellen im Gespräch. Der Umbau des Geschäftsmodells bindet damit nicht nur hohe Investitionen, sondern könnte auch erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigung haben.

Für das weitere Geschäftsjahr 2026 werden vor allem die ersten Auslieferungszahlen der „Neuen Klasse“ relevant sein. Sie dürften zeigen, ob sich die von BMW beschriebene „steile Anlaufkurve“ in tatsächlichen Fahrzeugverkäufen widerspiegelt. Ebenso wichtig wird sein, ob die angekündigte Kostenreduktion von 10 Prozent in den Finanzkennzahlen sichtbar wird.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei dem Cashflow im vierten Quartal 2026 gelten. BMW muss gleichzeitig hohe Investitionen finanzieren, neue Produktionsprozesse hochfahren und sich gegen wachsende Konkurrenz behaupten. Der neue i3 ist damit weit mehr als ein weiteres Elektroauto: Er wird zu einem zentralen Test dafür, ob BMW den technologischen Wandel mit profitabler Großserienproduktion verbinden kann.

Bn-Redaktion/aw
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