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Gleitlager an Miba

Prognose bremst Renk trotz Rüstungsumbau 22.10.2026, 10:48 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Gleitlager an Miba: Prognose bremst Renk trotz Rüstungsumbau
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RENK Group 37,00 EUR -1,46 % Lang & Schwarz
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Ausgerechnet an dem Tag, an dem Renk seinen Umbau zum reinen Rüstungskonzern ein gutes Stück vorantreibt, gerät die Aktie erneut unter Druck. Der Augsburger Getriebehersteller verkauft sein Gleitlagergeschäft an den österreichischen Industriekonzern Miba – und legt zugleich eine neue Jahresprognose vor, die an der Börse als leichte Senkung gelesen wird. Am Morgen lag das Papier auf Tradegate noch rund 3,5 Prozent unter dem Xetra-Schluss, inzwischen hat es das Minus auf knapp 1,4 Prozent bei rund 37 Euro eingegrenzt. Unter Aktionären sorgt die Reaktion für Kopfschütteln – zumal der gesamte Sektor ohnehin unter dem stockenden Hochlauf der deutschen Rüstungsprogramme leidet.

Miba zahlt dreistelligen Millionenbetrag

Die Sparte aus Hannover fertigt Gleitlager für Elektromotoren, Generatoren und Pumpen, vor allem für zivile Industriekunden. Der vereinbarte Kaufpreis bewegt sich nach Unternehmensangaben im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich. Renk will den Anteil des Verteidigungsgeschäfts am Umsatz bis 2030 auf rund 90 Prozent steigern.

Aus Aktionärssicht ist der Schritt im Kern eine gute Nachricht: Renk setze schlicht die lange angekündigte Strategie um, mehr Fokus dürfte auch höhere Margen bringen. Hinzu kommt die Überlegung, dass der Erlös direkt in die im Sommer vereinbarte Übernahme von David Brown Defence fließen könnte, deren Abschluss für das vierte Quartal geplant ist. Umso größer ist das Unverständnis über den Kursrückgang.

Wofür wird Renk hier gerade wieder abgestraft? Dafür dass sie ihre lange angekündigte Strategie umsetzen?

Zur Beruhigung wird darauf verwiesen, dass am Gesamtmarkt heute ohnehin die roten Vorzeichen überwiegen.

Umsatzziel schrumpft auf 1,4 Milliarden Euro

Weil das Gleitlagergeschäft ab dem vierten Quartal als nicht fortgeführter Bereich bilanziert wird, bezieht Renk seine Prognose nur noch auf die Divisionen Vehicle Mobility Solutions und Marine & Industry. Für 2026 erwartet der Konzern nun rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes Ebit von 240 bis 255 Millionen Euro. Bisher hatte Renk mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht gestellt und beim bereinigten operativen Ergebnis das obere Ende einer Spanne von 255 bis 285 Millionen Euro angepeilt.

Genau dieser Punkt trübt bei mehreren Anlegern die Freude über den Verkauf. Dass kurzfristig weniger Umsatz und Ergebnis anfallen, wird kaum bestritten – kritisiert wird vielmehr, dass die Prognosesenkung im Schatten des Spartenverkaufs daherkomme. Prognosesenkungen führten eben selten zu steigenden Kursen, heißt es dazu spitz. Die Stimmung zu diesem Punkt ist enttäuscht.

Bei den Banken fallen die Urteile unterschiedlich aus. JPMorgan senkte das Kursziel von 62 auf 50 Euro und verweist auf einen langsameren Hochlauf deutscher Panzerfahrzeugprogramme sowie trübere Aussichten im Industriegeschäft, bleibt aber bei der Einstufung „Overweight“. Barclays hält die etwas niedrigeren Schätzungen für vernachlässigbar und lobt das künftig klarere Portfolio. Beides sind externe Einschätzungen und keine redaktionelle Empfehlung. Auf Aktionärsseite wird der Rücksetzer am Morgen eher der skeptischen Analystensicht zugeschrieben als dem Deal selbst.

Stockende Beschaffung lastet auf dem Sektor

Große Beschaffungsprogramme der Bundeswehr kommen langsamer voran als erhofft, Berichte über Verzögerungen bei Großprojekten hatten den Sektor zuletzt wiederholt belastet. Die Renk-Aktie hat auf Jahressicht rund 44 Prozent verloren. Von rund 34,50 Euro vor einer Woche hatte sie sich um gut 7 Prozent erholt. Branchenprimus Rheinmetall liegt dagegen gut 1 Prozent im Plus bei rund 1.029 Euro.

Aus Anlegersicht wiegt dieses Umfeld schwerer als der Deal selbst. Für Projekte, die verschoben, gekürzt oder gestrichen würden, könne das Management wenig – an dessen Glaubwürdigkeit wird dennoch gezweifelt, dem Unternehmen fehle schlicht das Vertrauen des Marktes. Als zusätzliche Belastung gelten Leerverkäufer, Energiepreise und Zinsen sowie die Sorge, dass ein Teil der Aktionäre beim Erreichen des Einstandskurses aussteigen könnte. Dagegen steht die Haltung, mit Geduld auf die Wirkung der Zukäufe zu setzen. Gespannt wird auf die Quartalszahlen Anfang November geschaut – der Ton schwankt zwischen Frust und trotziger Zuversicht.

Bn-Redaktion/sb
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