Drohnen am Golf

DAX rutscht nach KI-Zweifeln ins Minus 22.10.2026, 10:43 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Drohnen am Golf: DAX rutscht nach KI-Zweifeln ins Minus
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Die Luftabwehr holte über dem saudischen Ölfeld Schaiba eine Drohne vom Himmel – und prompt kehrte die Nervosität an die Börsen zurück. Der DAX notiert am Vormittag rund 0,9 Prozent tiefer bei 25.398 Punkten und hat einen Großteil seines Vortagesgewinns von 1,4 Prozent wieder abgegeben. Zum steigenden Ölpreis kommen neue Zweifel an den KI-Geschäften der großen US-Konzerne – unter Anlegern ist die Zuversicht vom Mittwoch schnell verflogen.

Brent klettert über 112 Dollar

Hinter dem Angriff steht die jemenitische Huthi-Miliz, die seit Juli immer wieder saudische Energieanlagen und Tanker im Roten Meer ins Visier nimmt. Herabfallende Trümmerteile töteten zwei Menschen, der Betrieb des Feldes mit einer Förderkapazität von einer Million Barrel pro Tag soll nicht beeinträchtigt sein. Bei einem weiteren Angriff auf den Flughafen Dammam kam ein Mensch ums Leben, die USA ziehen einen Teil ihres Botschaftspersonals aus Saudi-Arabien ab.

Am Ölmarkt reichte das für einen kräftigen Aufschlag: Ein Barrel Brent kostet mit gut 112 Dollar rund 2,3 Prozent mehr als am Vortag, umgerechnet knapp 100 Euro – der höchste Stand seit Anfang Mai. Die US-Sorte WTI kratzt an der Marke von 100 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sich Brent wegen der gestörten Ölströme aus dem Persischen Golf im Zuge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran um mehr als 80 Prozent verteuert.

Aus Anlegersicht ist der Zusammenhang eindeutig: Mehrere Anleger sehen im teuren Öl die eigentliche Bremse für steigende Kurse, die Angst vor einer neuen Eskalation mit dem Iran überlagere derzeit alles andere. Etwas Entlastung wird allenfalls davon erwartet, dass der Ölpreis in einem Bereich angekommen sei, in dem er zuletzt gern wieder nachgegeben habe. Der Grundton bleibt nervös.

Eskalation nach den Midterms im Blick

Am Ölmarkt wird neben den anhaltenden Militäraktionen am Golf auch das Risiko einer neuen Eskalation nach den US-Zwischenwahlen am 3. November eingepreist. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang Oktober geplante Angriffe auf den Iran vor den Wahlen dementiert und von konstruktiven Gesprächen mit Teheran gesprochen, der Iran prüft nach eigenen Angaben eine Antwort aus Washington.

Unter Aktionären stößt die Sorge vor einem unmittelbaren Kriegsausbruch auf Zweifel. Ein Angriff sei ohnehin erst für die Zeit nach den Midterms im Gespräch, das sei nichts Neues, lautet ein Einwand. Ebenso gut könne es sich um das typische Verhandlungsgebaren handeln, an dessen Ende kurzfristig eine Einigung verkündet werde.

Ich kann mir irgendwie nur schwer vorstellen, dass Trump vor den Midterms den Krieg wieder startet. Das ist doch ungemein unpopulär

Die Gegenposition fällt deutlich drastischer aus: Gerade weil der Präsident nach einer verlorenen Wahl stärker vom Kongress abhängig wäre, müsse er vor dem Termin handeln. Dem wird entgegengehalten, dass bestimmte Militärschläge auch ohne Zustimmung des Parlaments möglich seien. Die Einschätzungen bleiben damit gespalten.

SAP prallt an 210 Euro ab

Für den zweiten Belastungsfaktor sorgt die Technologiebranche. Die Quartalsberichte von Tesla, Meta und IBM konnten das Vertrauen in die KI-Erholung nicht festigen. Vor allem die Investitionsbremse bei Tesla belastet, Meta wächst zwar kräftig, hat aber klargemacht, dass der nächste Schub viel Geld kosten werde. In Asien gaben der Nikkei 225 knapp 3 Prozent und der koreanische Leitindex mehr als 3 Prozent nach, der Nasdaq 100 wird außerbörslich rund 1,8 Prozent tiefer gehandelt.

Selbst starke Zahlen von SAP halfen nicht. Der Softwarekonzern wird zuversichtlicher für die Cloud-Erlöse im Gesamtjahr, die Analysten von Jefferies sehen darin eine Entkräftung der Sorgen vor einer KI-Disruption – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung. Die Aktie stieg zunächst auf den höchsten Stand seit Januar, traf über 210 Euro aber auf Widerstand. Inzwischen liegt sie 3,5 Prozent im Minus bei rund 207 Euro. Infineon, Siemens Energy und Siemens verloren in der ersten Handelsstunde bis zu 3,5 Prozent.

Auf Anlegerseite wird das nüchtern registriert: Die Unternehmen lieferten zwar, doch das reiche im aktuellen Umfeld nicht aus. Dass sich der deutsche Markt im Vergleich zu Asien bislang noch vergleichsweise gut halte, wird zumindest als kleiner Trost gesehen.

Vortagesgewinn großteils aufgezehrt

Am Mittwoch war der DAX mit 25.706 Punkten zeitweise auf das höchste Niveau seit vier Wochen geklettert, blieb aber wie schon in der Vorwoche unter seiner 50-Tage-Linie, die den mittelfristigen Trend abbildet. Nun rutschte er wieder unter die 100-Tage-Linie, das Tagestief lag bei 25.335 Punkten. Der MDAX verliert rund 1,1 Prozent auf gut 30.250 Zähler.

Kurzfristig überwiegt unter Anlegern die Skepsis: Der Gewinn vom Vortag sei praktisch dahin, und ohne entlastende Nachrichten könne der Handelstag noch deutlich schwächer ausfallen. Charttechnisch orientierte Anleger sehen den Index dagegen weiter in einer Seitwärtsspanne gefangen, in der solche Rücksetzer zum Normalfall gehören. Neue Impulse könnten am Abend die Quartalszahlen von Intel liefern.

Bn-Redaktion/sb
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