Erstmals 10 Milliarden

SAP stemmt sich gegen die Tech-Flaute 22.10.2026, 09:55 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Erstmals 10 Milliarden: SAP stemmt sich gegen die Tech-Flaute
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Ein Drohnenangriff auf ein saudisches Ölfeld treibt den Ölpreis über 110 Dollar, Technologiewerte geraten weltweit unter Druck – und SAP hält dagegen. Nach überraschend starken Quartalszahlen kletterte die Aktie des Walldorfer Softwarekonzerns am Morgen zeitweise auf fast 212 Euro und damit auf den höchsten Stand seit Januar. Inzwischen hat sie den Großteil davon wieder abgegeben, liegt mit 207,30 Euro aber noch knapp 0,2 Prozent im Plus, während der DAX rund 1 Prozent auf 25.365 Punkte verliert. Unter Aktionären sorgt gerade der Rückzug von den Tageshochs für gemischte Gefühle.

Cloudbestand wächst um 28 Prozent

Im Zentrum steht der Vertragsbestand: Die Erlöse, die SAP aus bestehenden Cloud-Abos in den kommenden zwölf Monaten erwartet, stiegen im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent – mehr als erwartet. Der Umsatz legte um 13 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro zu, das bereinigte operative Ergebnis um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro – erstmals lagen beide Werte in einem Quartal über 10 beziehungsweise 3 Milliarden Euro. Beim Cloudumsatz peilt SAP nun das obere Ende der Jahresprognose an.

Aus Aktionärssicht ist das ein klarer Beleg dafür, dass der Umbau zum Cloudanbieter trägt. Gerade in einem so schwierigen Marktumfeld seien die Zahlen herausragend, das Management wisse, was es tue. Wer vor allem auf die Kursreaktion blickt, ist ernüchtert: Unterm Strich seien die Quartalszahlen ein Non-Event gewesen, der Kursverlauf am Morgen enttäuschend. Anerkennung für das Zahlenwerk trifft damit auf Ungeduld mit der Aktie.

Finanzchef dämpft die Erwartungen ans Schlussquartal

Finanzchef Dominik Asam bremste die Euphorie: Im mauen Umfeld verwies er auf Risiken im vierten Quartal, in dem üblicherweise rund die Hälfte der Jahresbuchungen eingeht. Eine schlechte Stimmung bei den Kunden könne die Zahlen belasten und einen niedrigeren Pfad für das kommende Jahr bedeuten – derzeit rechne SAP aber weiter mit einem beschleunigten Umsatzwachstum. Zudem halfen im dritten Quartal nachgeholte Umsätze von Kunden, die finanzielle Schwierigkeiten überwunden hatten, sowie Zukäufe.

Jefferies beließ die Einstufung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 220 Euro und sieht die Sorgen vor einer KI-Disruption des Kerngeschäfts entkräftet, Oddo BHF hob das Ziel auf 242 Euro an. Dies stellt keine redaktionelle Empfehlung dar. Auf Anlegerseite fällt der Blick nüchterner aus. Nach der rasanten Erholung der vergangenen Monate stehe SAP aus Sicht der Analysten womöglich bereits auf dem Höhepunkt, lautet ein Einwand; auch die Frage nach einem klassischen „Sell the News“ steht im Raum. Der Ton bleibt vorsichtig.

Huthi-Angriff hebt Brent über 110 Dollar

Den Rahmen für den Handelstag setzt der Krieg zwischen den USA und dem Iran. Die jemenitische Huthi-Miliz griff das Ölfeld Schaiba des Staatskonzerns Saudi Aramco an, zwei Menschen kamen ums Leben. Die USA ziehen einen Teil ihres Botschaftspersonals aus Saudi-Arabien ab. Die Nordseesorte Brent verteuert sich um gut 2 Prozent auf rund 112 Dollar je Barrel, umgerechnet knapp 100 Euro – seit Jahresbeginn ein Plus von mehr als 80 Prozent. Auch die Technologiebörsen sind angeschlagen: Der Nasdaq 100 verliert außerbörslich 1,8 Prozent. Dass vor allem KI-Werte unter Druck stehen, kommt Softwarepapieren wie SAP allerdings eher zugute.

Unter Anlegern wird die Kursentwicklung deshalb im Licht des Gesamtmarkts gelesen. Mehrere verweisen darauf, wie breit die Schwäche bei den großen Technologiewerten ausfällt:

Ihr schaut euch schon auch den Markt an, oder? Dann würdet ihr erkennen, dass nahezu alle Tech-Werte gerade im Minus sind. Also ist es vielleicht nicht SAP-spezifisch.

Charttechnisch orientierte Anleger rücken zudem den Dreimonatsverlauf in den Blick: Von einem Einbruch könne keine Rede sein, nachdem sich das Papier seit dem Juli-Tief um 130 Euro um mehr als die Hälfte erholt hat. Als nächste Bewährungsprobe wird die Marke von 200 Euro gesehen. Die Anleger-Stimmung schwankt damit zwischen Nervosität über das Umfeld und Vertrauen in das Geschäftsmodell.

Bn-Redaktion/sb
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