KI-Angst bei SAP

Warum Anleger plötzlich nervös werden 26.05.2026, 17:31 Uhr Jetzt kommentieren: 0

KI-Angst bei SAP: Warum Anleger plötzlich nervös werden
© SAP AG / Kay Herschelmann
Werte zum Artikel
Name Aktuell Diff. Börse
SAP 151,22 EUR -2,02 % Tradegate
DAX 25.203,70 PKT -0,76 % Ariva Indikation

Die Aktie des Softwarekonzerns SAP fiel zuletzt um 1,18 Prozent auf 152,66 Euro. Am vorherigen Handelstag hatte das Papier noch bei 154,48 Euro geschlossen. Damit gehört SAP aktuell zu den schwächeren Werten im DAX, obwohl auch der deutsche Leitindex insgesamt um 0,59 Prozent nachgab.

Das Handelsvolumen lag zuletzt bei 403.052 gehandelten Aktien. Am Vortag waren noch mehr als 1,2 Millionen Papiere umgesetzt worden. Vom 52-Wochen-Hoch bei 268,98 Euro ist die SAP-Aktie inzwischen rund 43,25 Prozent entfernt. Das Jahrestief lag bei 135,24 Euro.

Milliardenkonzern bleibt DAX-Schwergewicht

Mit einer Börsenbewertung von rund 180,36 Milliarden Euro zählt SAP weiterhin zu den wichtigsten Unternehmen im DAX. Das Gewicht im Index beträgt aktuell 8,44 Prozent. Nur Siemens bringt mit einer Marktkapitalisierung von rund 211,09 Milliarden Euro noch mehr Gewicht auf die Waage.

Auch bei der Mitarbeiterzahl spielt SAP ganz vorne mit. Rund 111.038 Beschäftigte arbeiten weltweit für den Konzern. Trotz dieser Größe bleibt die Aktie derzeit unter Druck, weil Anleger die Perspektiven für klassische Softwaremodelle zunehmend kritisch bewerten.

KI verändert die Spielregeln

Besonders stark belastet die Sorge, dass neue KI-Anwendungen bestehende Softwaremodelle verdrängen könnten. Systeme wie Claude oder andere KI-Agenten ermöglichen es Unternehmen inzwischen, Anwendungen selbst zu erstellen und Prozesse ohne klassische Standardsoftware abzubilden.

Damit gerät das bisherige Geschäftsmodell vieler Softwareanbieter unter Druck. Jahrelang galt die Formel mehr Mitarbeiter gleich mehr Softwarelizenzen gleich mehr Umsatz. Wenn KI künftig Aufgaben automatisiert übernimmt, könnte auch der Bedarf an zusätzlichen Softwarelizenzen sinken.

Microsoft, Oracle und Salesforce ebenfalls schwach

Nicht nur SAP kämpft mit dieser Entwicklung. Auch Microsoft, Salesforce, Oracle und Adobe liegen seit Jahresbeginn teilweise deutlich im Minus. Während Halbleiterkonzerne vom KI-Boom profitieren, geraten viele Software-as-a-Service-Unternehmen zunehmend unter Verkaufsdruck.

Analysten sehen allerdings auch Chancen. Die Bewertungen vieler Tech-Konzerne haben sich zuletzt deutlich reduziert. Für SAP, Microsoft oder Oracle werden inzwischen Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufgerufen, die eher an klassische Blue Chips erinnern als an hoch bewertete Wachstumswerte.

Experten sehen langfristig Potenzial

Mehrere Analystenhäuser sehen deshalb weiterhin Chancen bei großen Softwarewerten. Besonders Microsoft, Salesforce und Oracle gelten laut aktuellen Einschätzungen als interessante Favoriten für das Jahr 2026. Viele Risiken rund um KI und sinkende Softwareumsätze könnten bereits in den Kursen enthalten sein.

Für SAP bleibt entscheidend, wie schnell der Konzern seine eigenen KI-Angebote ausbauen und neue Umsatzquellen erschließen kann. Die kommenden Quartale dürften deshalb für Anleger besonders spannend werden.

Bn-Redaktion/ar
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