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Lohnstreit in Taiwan

Micron-Aktie rutscht weiter ab 05.11.2026, 14:08 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Lohnstreit in Taiwan: Micron-Aktie rutscht weiter ab
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Der Lohnkonflikt in Taiwan bringt Microns Ausbaupläne ins Stocken. Berichten zufolge hat der US-Speicherchiphersteller die Bauarbeiten an einem geplanten Werk auf der Insel nahezu vollständig eingestellt – ein Projekt mit einem Volumen von bis zu 4,5 Milliarden US-Dollar, das auch für den weiteren KI-Boom eine wichtige Rolle spielt. Die Aktie verliert am Nachmittag rund 5 Prozent auf knapp 674 Euro und setzt damit eine Talfahrt fort, die sie binnen einer Woche gut ein Fünftel ihres Werts gekostet hat.

Belegschaft fordert 15 Prozent vom Gewinn

Hintergrund ist ein seit Wochen schwelender Streit mit den Beschäftigten in Taiwan über die Bezahlung. Die Gewerkschaft verlangt eine dauerhafte Beteiligung von 15 Prozent an den Gewinnen, die der Konzern im Zuge des KI-Booms erzielt; bereits im September hatte sie mit Streiks gedroht. Micron soll die taiwanischen Behörden und einen Zulieferer über den Baustopp informiert haben. Bestätigt hat das Unternehmen den Bericht bislang nicht.

Auf Aktionärsseite stößt der Schritt dennoch auf Verständnis. Eine derart hohe Gewinnbeteiligung zu verlangen, während an dem Werk gerade erst der Rohbau entstehe, sei kaum nachvollziehbar, heißt es. Die Konsequenz liegt aus dieser Sicht auf der Hand: Dann profitiere eben ein anderer Standort von den Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen.

Die Mitarbeiter wollen 15% vom Gewinn, dabei wird gerade erstmal der Rohbau erstellt. Wie frech kann man sein? Absolut richtig, hier die Reißleine zu ziehen.

Am Kursverlauf ändert der Zuspruch allerdings wenig: Im Handelsverlauf rutschte die Aktie bis auf gut 669 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 712,90 Euro geschlossen hatte. Die Stimmung bleibt entsprechend gedrückt.

Weniger Kapazität für den KI-Boom

Das Werk sollte zusätzliche Speicherkapazitäten schaffen, wie sie der Ausbau der KI-Infrastruktur verlangt. Unter Anlegern wird der Baustopp deshalb auch gegen den Strich gelesen: Fehle die neue Fabrik, werde Speicher noch knapper als kalkuliert – was die Margen stützen könnte. Dem steht eine deutlich nüchternere Rechnung gegenüber: Entstünden künftig weniger Rechenzentren, würden auch weniger Chips gebraucht, und neue Kapazitäten liefen Gefahr, auf Halde zu produzieren.

Genau diese Sorge um das Tempo beim Bau von Rechenzentren verstärkt den Druck auf die Aktie. Seit die Demokraten bei den US-Zwischenwahlen die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses errungen haben, fürchten Investoren eine strengere Regulierung von KI und einen langsameren Ausbau der Infrastruktur – vor allem in Bundesstaaten wie Texas und Georgia, wo der Widerstand gegen neue Rechenzentren wächst. Der Philadelphia-Halbleiterindex war am Mittwoch um 3,1 Prozent auf ein Sechsmonatstief gefallen. Auch heute geben Branchenwerte nach: Nvidia verliert 2,3 Prozent auf 175,23 Euro, ASML 2,5 Prozent auf 1.300,60 Euro.

Mehrere Aktionäre halten die Reaktion für überzogen: An der Nachfrage nach KI-Chips und Speicher habe sich fundamental nichts geändert, der Wahlausgang sei vor allem ein Schock aus Unsicherheit. Auch die Furcht vor chinesischer Konkurrenz wird als übertrieben abgetan. Dass die Kurse der Chiphersteller trotz glänzender Geschäfte nicht vom Fleck kommen, sorgt allerdings für spürbaren Frust.

Gut ein Fünftel Minus binnen einer Woche

Der Baustopp trifft die Aktie in einer ohnehin angeschlagenen Verfassung. Vor einer Woche kostete das Papier noch rund 856 Euro, vom Jahreshoch bei 1.073 Euro ist es inzwischen rund 37 Prozent entfernt. Zugleich zeigt der längere Vergleich, wie weit der Kurs zuvor gelaufen war: Vor einem Jahr notierte Micron noch bei rund 212 Euro.

Charttechnisch orientierte Anleger richten den Blick auf die 200-Tage-Linie, die als mögliche Auffangzone gilt – sofern auch der Halbleitersektor insgesamt wieder Tritt fasst. Dem wird entgegengehalten, dass bei einem derart steilen Abwärtstrend niemand gern ins fallende Messer greife. Die Stimmung unter Aktionären schwankt damit zwischen der Hoffnung auf eine Gegenbewegung und wachsender Ermüdung nach Wochen mit fast täglichen Verlusten.

Bn-Redaktion/sb
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