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Spritzen-Schub

Gerresheimer dreht ins Plus 30.10.2026, 15:35 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Spritzen-Schub: Gerresheimer dreht ins Plus
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Nach drei schwächeren Handelstagen hat Gerresheimer am Freitag die Richtung gewechselt: Weil Pharmakunden mehr Spritzen und andere Systeme zur Medikamentengabe ordern, wuchs der Umsatz des Düsseldorfer Verpackungsspezialisten im dritten Quartal um 8 Prozent auf 605 Millionen Euro. Die Aktie kletterte im Tagesverlauf bis auf 33,94 Euro, zuletzt hielt sie ein Plus von rund 2 Prozent bei 32,59 Euro – und das, während der Gesamtmarkt nachgab. Unter Aktionären überwiegt die Erleichterung, offen bleibt allerdings die Frage nach der Marge.

Drug-Delivery-Sparte hebt die Marge auf 24,5 Prozent

Den Schub liefert der Bereich Containment & Delivery Systems. Dort stieg der Umsatz im Quartal auf rund 313 Millionen Euro nach 286 Millionen im Vorjahr, das bereinigte EBITDA legte von 64 auf 77 Millionen Euro zu. Die Marge kletterte auf 24,5 Prozent. Der Ausbau der Kapazitäten für Drug-Delivery-Devices zahlt sich nun aus. Konzernweit blieb das bereinigte EBITDA mit 103 Millionen Euro auf Vorjahresniveau.

Bei JPMorgan hieß es, der Umsatz habe die Markterwartungen um 6 Prozent übertroffen und das operative Ergebnis sie weitgehend erfüllt; die Bank bestätigte ihr Kursziel von 46 Euro. UBS sieht das operative Ergebnis etwas schwächer und bleibt bei 28,50 Euro – beides stellt keine redaktionelle Empfehlung dar. Aus Anlegersicht zählt vor allem das Wachstum im Kerngeschäft: Der Pharmasektor laufe gut, und Gerresheimer wachse mit, was für stabile Kundenbeziehungen spreche. Mehrere Aktionäre beschreiben die Zahlen als solide statt spektakulär.

Solides Zahlenwerk. Weder eine Hiobsbotschaft noch eine Raketenentwicklung. Einfach solide und man sieht, dass das zarte Pflänzlein allmählich und behutsam wächst.

Wie weit der Weg zurück ist, zeigt die Vorgeschichte: Im April flog die Aktie aus dem SDax, weil der Geschäftsbericht 2024/25 zu spät kam, der später einen Konzernverlust von fast 319 Millionen Euro auswies. Seit dem Jahrestief von 15,84 Euro hat sich der Kurs inzwischen mehr als verdoppelt.

Schlussquartal muss die Marge retten

Hinter dem Umsatzplus bleibt die Ertragskraft zurück. Die bereinigte EBITDA-Marge sank im dritten Quartal auf 17,1 Prozent nach 19,0 Prozent im Vorjahr, nach neun Monaten steht sie bei 15,9 Prozent. Belastet haben der Abbau von Lagerbeständen und die schwächeren Bereiche Tubular Glass Europa und Moulded Glass, wo die Marge auf 10,2 Prozent fiel. Das Management erwartet im Rahmen der Prognose ein stärkeres vierte Quartal mit weiterer Ergebnisverbesserung.

Genau daran entzündet sich die Skepsis der Anteilseigner. Der Umsatz passe, die Marge nicht, lautet ein wiederkehrender Einwand – damit die Jahresziele erreicht würden, müsse die Marge im Schlussquartal deutlich über dem Niveau des dritten Quartals liegen. Noch kritischer wird der Free Cashflow gesehen: Was nütze ein stabiles EBITDA, wenn kein Geld hängen bleibe. Dagegen halten Optimisten, im dritten Quartal könnten noch Aufwendungen verbucht sein, die im vierten entfallen. Der Ton bleibt abwartend.

Verkauf des Kunststoffgeschäfts rückt näher

Rückenwind kommt vom Umbau des Konzerns. Nach dem im Oktober abgeschlossenen Verkauf von Centor treibt Gerresheimer die Veräußerung des Geschäfts mit Kunststoff-Primärverpackungen voran. Der Vollzug wird nun bereits im ersten Quartal 2027 erwartet.

Auf Aktionärsseite gilt der frühere Zeitplan als beste Nachricht des Tages, dazu kommt spürbare Erleichterung, dass die Verkäufe die Finanzlage stabilisiert haben. Wichtig sei nun, dass die Aktie wieder stärker wahrgenommen werde – etwa über Analystenstudien oder eine Rückkehr in einen Auswahlindex. Angesichts der Kurserholung werden Gerresheimer tatsächlich wieder Chancen auf eine baldige Rückkehr in den SDax eingeräumt. Charttechnisch wird darauf verwiesen, dass die Aktie bereits am Montag und Dienstag bei rund 33,90 Euro wieder abgedreht habe. Ein Anstieg über 34,20 Euro würde den höchsten Stand seit Oktober 2025 markieren. Die Stimmung schwankt damit zwischen neuem Vertrauen in den Umbau und Sorge, ob das vierte Quartal hält, was das Management verspricht.

Bn-Redaktion/sb
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