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Sparzwang

VW legt den Elektro-Golf auf Eis 30.10.2026, 16:22 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Sparzwang: VW legt den Elektro-Golf auf Eis
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In Wolfsburg stehen die Arbeiten am Hoffnungsträger still. Volkswagen setzt die Entwicklung des künftigen vollelektrischen Golf vorübergehend aus – so lange, bis die nötigen Investitionen sicher finanziert werden können. An der Börse löst der Schritt kaum Unruhe aus: Die Vorzugsaktie notiert am Nachmittag rund 0,4 Prozent im Plus bei gut 70 Euro.

Stammwerk verfehlt Kostenziel um 300 Millionen

Der elektrische Golf soll Anfang der 2030er-Jahre auf der neuen konzernweiten Elektroplattform SSP starten, mit der Volkswagen Komplexität und Kosten senken will. Ausgerechnet dieses Projekt trifft nun der Sparkurs. Markenchef Thomas Schäfer räumte ein, dass sich das Unternehmen die Arbeiten derzeit schlicht nicht leisten könne. Finanzvorstand David Powels verweist auf das schwierige Marktumfeld und das belastete Ergebnis, die Prioritäten müssten weiter geschärft werden. Besonders das Stammwerk Wolfsburg hinkt hinterher: Es liegt in diesem Jahr rund 300 Millionen Euro hinter seinem Kostenziel, während Emden und Zwickau im Plan sind.

Aus Anlegersicht ist die Botschaft unmissverständlich: Wenn selbst beim Nachfolger des wichtigsten Modells der Marke der Rotstift angesetzt werde, sei die Lage ernst. Die Pause wird als Eingeständnis gelesen, dass die Kostenbasis noch längst nicht dort ist, wo sie sein müsste.

Nach einem deftigen Q3-Finanz-Desaster in der Kernmarke zieht VW beim geplanten Elektro-Golf kurzerhand die Reißleine und schickt den Stromer erst mal in die unendliche Tiefgarage.

Der Betriebsrat versucht zu beruhigen: Das Projekt sei nicht gestrichen, verlorene Zeit lasse sich aufholen. Zugleich wertet die Arbeitnehmerseite den vorläufigen Ausgabenstopp als weiteres Zeichen der angespannten Finanzlage. Ob sich der geplante Marktstart verschiebt, hat Volkswagen bislang offengelassen.

Milliardenverlust lässt kaum Spielraum

Die Entscheidung fällt nur einen Tag nach einem Quartalsbericht, der den Druck offenlegte: Nach Steuern stand im dritten Quartal ein Minus von rund 5,8 Milliarden Euro, vor allem wegen einer Abschreibung von etwa 6,4 Milliarden Euro auf Porsche. Hinzu kamen das schwache China-Geschäft – dort brachen die Auslieferungen in den ersten neun Monaten um rund 30 Prozent ein – und Kosten für den Konzernumbau. Bei der Kernmarke Volkswagen schrumpfte das operative Ergebnis nach neun Monaten von 1,48 Milliarden auf 813 Millionen Euro, die Rendite liegt bei 1,3 Prozent.

Unter Aktionären wird der Zusammenhang direkt gezogen: Erst das tiefrote Quartal, dann die Vollbremsung beim Zukunftsprojekt – die Sparvorgaben von Finanzchef Powels zu Kostenbasis, Working Capital und Investitionsdisziplin werden als klares Signal verstanden, dass jeder Euro auf den Prüfstand kommt. Verschärft wird das Bild durch die Tochter Audi, die im dritten Quartal mit 95 Millionen Euro Nettogewinn nur knapp an den roten Zahlen vorbeischrammte – ein Rückgang um 87 Prozent – und ihre Jahresprognose senkte.

Aktie trotzt den schlechten Nachrichten

Dass die Vorzugsaktie den Tag trotzdem im Plus verbringt, während der DAX knapp 1 Prozent nachgibt, sorgt auf Anlegerseite für Verwunderung. Wie das Papier nach einem Gewinneinbruch dieser Größenordnung grün notieren könne, lautet der Einwand; die Kursreaktion wird schlicht als überraschend empfunden. Ein Blick auf den längeren Verlauf relativiert das Plus allerdings: Binnen eines Jahres hat die Aktie mehr als ein Fünftel ihres Werts verloren, in den vergangenen Tagen rutschte sie zeitweise bis auf gut 67 Euro.

Wie viel der Konzernumbau tatsächlich bringt, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Volkswagen will rund 31 Milliarden Euro einsparen, weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen, viele Maßnahmen sollen erst 2027 oder 2028 voll greifen. Die Stimmung unter Anlegern pendelt damit zwischen Ernüchterung über die Zahlen und Erstaunen über die robuste Aktie.

Bn-Redaktion/sb
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