Ein glänzendes Rechenzentrumsgeschäft hat Intel nicht gerettet: Weil explodierende Speicherpreise den PC-Markt abwürgen, hat der Chipkonzern für das Schlussquartal einen Ausblick vorgelegt, der deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Im deutschen Handel verliert die Intel-Aktie gut 14 Prozent auf rund 58,80 Euro, das Tagestief lag bei 57,50 Euro. In New York war das Papier vorbörslich zeitweise sogar um ein Viertel abgerutscht. Unter Anlegern herrscht Ernüchterung – gepaart mit einem Streit darüber, wie viel Luft nach dem jüngsten Höhenflug noch im Kurs steckt.
Speicherpreise würgen das PC-Geschäft ab
Für das laufende Vierteljahr rechnet Intel mit einem Umsatz von 15 bis 16 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit rund 17 Milliarden gerechnet. Beim bereinigten Gewinn je Aktie stellt der Konzern etwa 25 Cent in Aussicht, erwartet worden waren 43 Cent. Den Grund liefert das Management gleich mit: Weil Arbeitsspeicher wegen des Ausbaus von KI-Rechenzentren knapp und teuer geworden ist, werden weniger Computer gekauft. Intel erwartet, dass der PC-Markt in diesem Jahr um zwölf Prozent und 2027 um weitere zehn Prozent schrumpft. Eine Besserung sei frühestens nach dem ersten Halbjahr 2027 zu erwarten, der Umsatz mit PC-Prozessoren dürfte im Schlussquartal um mehr als ein Fünftel gegenüber dem Vorquartal fallen.
Damit zeigt sich die Schattenseite des KI-Booms: Was Speicherherstellern Rekordpreise beschert, verteuert jeden neuen Laptop. Aus Anlegersicht ist die Schwäche im PC-Geschäft der Kern des Problems – mit dem schwächelnden PC-Markt brächen nun auch die Kursziele zusammen. Ganz so schwer wiegt das Segment allerdings nicht mehr, lautet ein Einwand: Der PC-Markt sei längst nicht mehr so maßgeblich für Intel wie früher. Die Grundstimmung bleibt dennoch gedrückt.
Rechenzentren wachsen so stark wie seit 15 Jahren nicht
Gerade dieser Einwand findet in den Quartalszahlen Nahrung. Im Geschäft mit Rechenzentren und KI legte der Umsatz um 78 Prozent auf 7,32 Milliarden Dollar zu – das stärkste Wachstum des Segments seit 15 Jahren. Insgesamt stieg der Konzernumsatz um 21 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar, unterm Strich sank der Gewinn jedoch um 18 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Konzerns hätte die Nachfrage mehr hergegeben: Intel kam mit der Produktion von Serverchips nicht hinterher, unter anderem wegen Engpässen bei Rohstoffen und der zeitweisen Schließung einer Fabrik in Israel.
Um die Kapazitäten auszubauen, will Intel die Investitionen von rund 20 Milliarden Dollar in diesem Jahr 2027 noch einmal deutlich erhöhen. Finanzchef David Zinsner nennt 2027 ein Investitionsjahr, in dem kein freier Barmittelzufluss zu erwarten sei. Auf Aktionärsseite stößt die Wucht des Abverkaufs deshalb teils auf Unverständnis: Intel produziere Ware, die gebraucht werde, der Markt reagiere über. Skeptiker halten dagegen, dass die Aussichten des Managements eben schwerer wögen als ein starkes Quartal.
Vom Höhenflug zurück auf April-Niveau
Die Fallhöhe ist beträchtlich. Ende Juni hatte die Aktie in den USA noch mehr als 140 Dollar gekostet, getragen von der Hoffnung, dass Intel mit neuen Fertigungsverfahren und als Auftragsfertiger vom Rechenzentrumsgeschäft profitieren würde. Hält der Rückschlag an, fällt das Papier auf den tiefsten Stand seit April – auf Sicht von zwölf Monaten bliebe allerdings immer noch ein deutliches Plus. Allein in den vergangenen sieben Tagen ist der Kurs hierzulande von gut 76 Euro auf unter 59 Euro gefallen.
Mehrere Aktionäre halten die Aktie trotz des Einbruchs weiterhin für zu hoch bewertet, verwiesen wird auf den steilen Anstieg der vergangenen Monate. Wie die Bewertungsfrage sich anders stellen lässt, formuliert ein Beitrag besonders klar:
Weil Intel halt keine Wachstumsaktie wie bspw. AMD ist, sondern eher ein Turnaround-Kandidat. Da gelten andere Bewertungsmaßstäbe.
Auch die Analysten ziehen Konsequenzen. Bernstein Research senkte das Kursziel von 110 auf 75 Dollar und beließ die Einstufung bei „Market-Perform“ – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung. Bei UBS hieß es, der Umsatzausblick liege sogar unter den pessimistischsten Schätzungen, Jefferies sprach von weitgehend erwartungsgemäßen Quartalszahlen, aber einem enttäuschenden Ausblick. Als Orientierung wird unter Anlegern der Bereich um 56 Euro genannt, an dem der jüngste Höhenflug begonnen habe.
Frankfurter Chipwerte geraten in den Sog
Der Intel-Schock bleibt nicht auf die USA beschränkt. Infineon verliert 3,8 Prozent auf rund 51,20 Euro, der Waferhersteller Siltronic sogar 6,5 Prozent. Selbst der Speicherspezialist SanDisk, eigentlich Profiteur der hohen Preise, gibt gut 5 Prozent nach. Verstärkt wird die Schwäche durch enttäuschende Zahlen weiterer US-Technologieriesen am Vorabend: Der Nasdaq 100 notiert 1,4 Prozent tiefer, der DAX gibt 0,7 Prozent auf rund 25.890 Punkte ab und droht damit seine erste Woche ohne Verlusttag seit Januar zu verpassen.
Wie es bei Intel weitergeht, wird unter Anlegern unterschiedlich gelesen. Wer auf den Kursverlauf schaut, sieht die Übertreibung nach dem Rekordlauf noch nicht abgebaut; der Markt sei enttäuscht und es dürfte noch weiter bergab gehen. Kurs-Optimisten setzen dagegen auf eine Gegenbewegung, sobald sich die Lage beruhigt, und verweisen auf die Erfahrung, dass US-Börsen nach den Zwischenwahlen in der Vergangenheit häufig zugelegt hätten. Bis Intel belegen kann, dass das Rechenzentrumsgeschäft die PC-Flaute ausgleicht, bleibt die Stimmung zwischen Ernüchterung und vorsichtiger Hoffnung gefangen.