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Abfuhr

Evonik verweigert BASF Verhandlungen 30.10.2026, 16:40 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Abfuhr: Evonik verweigert BASF Verhandlungen
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Evonik Industries 20,89 EUR -0,67 % Lang & Schwarz
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Evonik lässt BASF vorerst abblitzen. Der Vorstand des Essener Spezialchemiekonzerns hat entschieden, nicht in Verhandlungen über das Übernahmeinteresse des Ludwigshafener Wettbewerbers einzutreten, bietet aber einen rein informativen und vertraulichen Austausch an. Die Evonik-Aktie rutschte zwischenzeitlich bis auf 20,06 Euro und notiert am Nachmittag rund 1 Prozent tiefer bei 20,82 Euro – gut 15 Prozent unter den zuletzt gebotenen 24 Euro je Aktie.

Gut 15 Prozent Abstand zum Gebot

BASF hatte Ende September zunächst 22,15 Euro je Aktie geboten, was Evonik und die RAG-Stiftung zurückwiesen. Die nachgebesserte Offerte liegt gut 8 Prozent darüber und bewertet Evonik mit rund 11,2 Milliarden Euro. Dass der Kurs trotzdem so deutlich unter dem Gebot bleibt, deutet auf erhebliche Zweifel am Zustandekommen des Deals hin. Der Poker gilt als Prüfstein für die Konsolidierung, die Europas kriselnde Chemiebranche nach Darstellung von BASF bereits erfasst hat. Am Vormittag hatte das Papier zeitweise sogar leicht im Plus gelegen, ehe die Verluste am Nachmittag zunahmen.

Die beiden Aktionärslager lesen die Absage dabei unterschiedlich. Auf Evonik-Seite gehen die Deutungen auseinander: Teils wird die Erklärung als klares Ende der Übernahmepläne verstanden, dem steht die Lesart gegenüber, das Management teste lediglich aus, wie weit der Käufer noch gehe. Auf BASF-Seite richtet sich der Blick dagegen auf die Grenze des Machbaren – der Konzern müsse darauf achten, dass die Kosten den erhofften Nutzen nicht übersteigen.

Ludwigshafen pocht auf Preisdisziplin

BASF reagierte mit Unverständnis. Die gebotenen 24 Euro entsprächen einer Prämie von fast 40 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs, hinzu kämen umfangreiche Zusagen an Beschäftigte und Standorte. Die Gesprächsbereitschaft der Essener nehme man zur Kenntnis. Konzernchef Markus Kamieth hatte bereits bei den Quartalszahlen am Mittwoch betont, einen überhöhten Preis werde BASF nicht zahlen. Die BASF-Aktie zeigt sich davon unbeeindruckt und notiert nahezu unverändert bei 53,30 Euro, auf Wochensicht steht ein Plus von knapp 2 Prozent.

Unter BASF-Aktionären passt diese Linie ins Bild. Viel mehr dürfte kaum noch hinzukommen, schließlich habe der Vorstand ein Geschäft „nicht um jeden Preis“ angekündigt. Der Ton ist abwägend, von Übernahmeeuphorie keine Spur.

RAG-Stiftung hält den Schlüssel

Entscheidend dürfte ohnehin eine dritte Partei sein. Die RAG-Stiftung hält rund 43 Prozent an Evonik und finanziert mit ihren Erträgen die Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus. In ihrem Kuratorium sitzen vor allem Politiker, darunter die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und dem Saarland sowie der Chef der Gewerkschaft IG BCE. Neben dem Preis spielen damit auch Arbeitsplätze in der kriselnden deutschen Chemieindustrie eine Rolle. BASF hat deshalb den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2032 zugesagt.

Aufmerksam registriert wird auf Anlegerseite, dass sich die Stiftung zur Absage bislang nicht geäußert hat.

Kein Interesse würde ich nicht sagen… […] die RAG hat sich in der Richtung auch noch nicht richtig geäußert. […] Eine Absage hört sich für mich anders an (egal ob CEO oder RAG)

Tatsächlich hat Evonik die Tür nicht ganz zugeschlagen: Der angebotene Austausch soll BASF Gelegenheit geben, Motive und Erwägungen darzulegen. Ob daraus Verhandlungen werden könnten, hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Großaktionär positioniert.

Quartalszahlen am 3. November rücken in den Fokus

Bis dahin setzt der Evonik-Vorstand auf die Eigenständigkeit. Eine erste Bewährungsprobe dafür sind die Zahlen zum dritten Quartal, die am kommenden Dienstag anstehen. Aus Aktionärssicht könnte der Bericht zeigen, ob die Essener aus eigener Kraft genug Geld verdienen, um einen Verkauf an den Konkurrenten unnötig erscheinen zu lassen – eine Hoffnung, hinter der sich aber auch spürbare Zurückhaltung mischt. Die Aktie hat binnen eines Jahres gut 40 Prozent zugelegt, ein guter Teil davon seit Bekanntwerden des Übernahmeinteresses. Die Stimmung bleibt abwartend: Solange die RAG-Stiftung schweigt, gilt der Übernahmepoker als offen.

Bn-Redaktion/sb
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