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77 Milliarden für KI

Amazon halbiert den Kursrutsch 30.10.2026, 15:28 Uhr Jetzt kommentieren: 0

77 Milliarden für KI: Amazon halbiert den Kursrutsch
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Vorbörslich stand bei Amazon noch ein Minus von gut 7 Prozent auf der Tafel, im regulären US-Handel ist davon nicht einmal die Hälfte übrig. Zuletzt kostete die Aktie rund 236 US-Dollar und damit gut 3 Prozent weniger als zum Donnerstagsschluss bei 243,79 Dollar – das Tagestief hatte bei rund 224,50 Dollar gelegen. Ausgelöst hatte den Abverkauf die Sorge um die gewaltigen KI-Investitionen des Konzerns, die am Vortag bereits Alphabet belastet hatte. Unter Aktionären überwiegt dennoch die Gelassenheit.

Investitionen 20 Milliarden Dollar über Plan

Im dritten Quartal hat Amazon 77,3 Milliarden Dollar investiert, vor allem in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Das sind rund 20 Milliarden Dollar mehr, als der Markt erwartet hatte, wie bei Jefferies hervorgehoben wurde. Der Abfluss freier Finanzmittel hat sich auf Sicht von zwölf Monaten auf mehr als 42 Milliarden Dollar ausgeweitet. Für das Gesamtjahr veranschlagt der Konzern Kapitalinvestitionen von rund 220 Milliarden Dollar, für 2027 sollen sie noch einmal deutlich steigen. Zusätzlichen Druck brachte die Prognose für das Weihnachtsquartal: Mit 240 bis 247 Milliarden Dollar Umsatz und einem operativen Ergebnis von 28,5 bis 33,5 Milliarden Dollar liegt die Spanne in der Mitte unter den Markterwartungen.

Aus Anlegersicht ist die Rechnung allerdings weniger eindeutig, als es der Kursrutsch nahelegt. Mehrere Aktionäre werten die Ausgaben als bewusste Weichenstellung: Wer im KI-Wettlauf nicht investiere, werde langfristig nicht bestehen, und gerade die Milliarden für Rechenleistung seien der Grund, warum Amazon seine Margen künftig ausbauen könne. Auf der Gegenseite steht die Frage, ob sich die Summen schnell genug auszahlen. Nicht alle großen Anbieter könnten das Rennen gewinnen, lautet der Einwand – der Ehrgeiz, überall Platzhirsch zu sein, treibe die Investitionen nach oben.

Die sinkenden Cashflows sind das direkte Resultat einer bewussten Entscheidung, im globalen KI-Wettlauf die Marktführerschaft zu sichern. Kurzfristig sorgt das an der Börse für Volatilität, langfristig bildet es die Basis für künftige Erträge.

Die Stimmung zu den Investitionen ist damit gespalten, mit leichtem Übergewicht der Zuversicht: Die Kosten werden gesehen, als Warnsignal gelten sie den meisten aber nicht.

AWS wächst um 39 Prozent

Wofür das Geld fließt, zeigt die Cloudsparte. Amazon Web Services beschleunigte das Wachstum im dritten Quartal auf 39 Prozent und setzte 46 Milliarden Dollar um, das operative Ergebnis der Sparte stieg um 55 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar. Bei Goldman Sachs und Jefferies wird darauf verwiesen, dass AWS 2027 und 2028 jeweils um mehr als 40 Prozent wachsen solle. Goldman Sachs senkte das Kursziel nur leicht von 375 auf 370 Dollar und beließ die Einstufung auf „Buy“ – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung.

Auf Aktionärsseite findet vor allem diese Entwicklung Zustimmung. Die Cloudzahlen gelten als außergewöhnlich stark, Amazon sei im Onlinehandel, in der Cloud und im Werbegeschäft gleichermaßen dominant, heißt es wiederholt. Solange AWS zweistellig wachse und das Kerngeschäft Gewinne abwerfe, sei die Lage operativ nicht besorgniserregend. Auch der Gewinnrückgang wird relativiert: Unter dem Strich sank der Überschuss um gut 2 Prozent auf 20,7 Milliarden Dollar, weil im Vorjahresquartal Bewertungsgewinne aus der Beteiligung an der KI-Firma Anthropic von 9,5 Milliarden Dollar vor Steuern enthalten waren. Wer nur auf das kleine Minus schaue, übersehe diesen Sondereffekt, lautet das Argument.

Vom Tagestief um gut 5 Prozent erholt

Dass sich der Kurs im Handelsverlauf deutlich vom Tief gelöst hat, passt aus Anlegersicht zu einem Muster, das von Amazon nach früheren Zahlen bekannt sei. Als Erklärung für den ersten Ausschlag werden computergesteuerte Handelsprogramme genannt, die zunächst nur die verfehlten Schätzungen auslesen würden. Hebelprodukte und der schnelle Handel per Smartphone verstärkten die Schwankungen zusätzlich, auch bei Microsoft sei nach den Zahlen eine hohe Volatilität zu sehen gewesen. Skeptisch fällt dagegen der Blick auf die Nachhaltigkeit der Gegenbewegung aus: Dass am Tag nach den Zahlen alles wieder auf Anfang stehe, sei eher die Ausnahme.

Der Rahmen bleibt ohnehin rau. Der Nasdaq 100 fiel im frühen Handel auf den tiefsten Stand seit Anfang August und notiert zuletzt rund 2 Prozent im Minus, im Oktober summiert sich sein Verlust auf fast 6 Prozent. Neben Amazon belastet vor allem Intel, dessen Aktie nach einer enttäuschenden Prognose um fast 14 Prozent einbricht. Auf Wochensicht hat Amazon trotz der Erholung rund 5 Prozent abgegeben. Die Anleger-Stimmung schwankt damit zwischen Unbehagen über die Kosten der KI-Offensive und Vertrauen in das Wachstum dahinter – kurzfristige Rückschläge gelten vielen als aushaltbar, solange der Anlagehorizont lang genug ist.

Bn-Redaktion/sb
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