(neu: Betriebsrat.)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Jetzt also auch BMW DE0005190003: Als letzter deutscher Autokonzern legen die Münchner ein großes Stellenabbauprogramm auf. Weltweit sollen rund 8.000 Jobs wegfallen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen erfuhr. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation sowie ein Abfindungsprogramm auf freiwilliger Basis in Deutschland erfolgen. Die im Dax DE0008469008 notierte Aktie reagierte nicht auf die Nachricht. Das BMW-Papier lag nach dem Mittag mit 0,2 Prozent im Plus. Über einen Stellenabbau bei den Bayern war bereits spekuliert worden.
Das Abfindungsprogramm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich an alle Mitarbeiter in Deutschland außerhalb der direkten Produktion wenden. Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland tätig ist - zum Halbjahr waren es gut 84.000 - und hier auch das Abfindungsprogramm aufgelegt wird, ist es wahrscheinlich, dass am Ende auch mehr als die Hälfte der betroffenen Jobs auf Deutschland entfällt.
"Viel abverlangt"
BMW äußerte sich zunächst nicht zu den Plänen und wollte auch die Zahl von 8.000 Jobs nicht bestätigen. Der Betriebsrat betonte zudem, dass die Gespräche zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretung mit den bisher erzielten Vereinbarungen nicht abgeschlossen seien. Es bestehe weiter Abstimmungs- und Verhandlungsbedarf.
Laut Teilnehmern an einer Betriebsversammlung, in der die Pläne vorgestellt wurden, sagte der seit Mitte Mai amtierende neue Konzernchef Milan Nedeljkovic: "Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit von uns allen viel abverlangen wird. Doch wir müssen sicherstellen, dass unser Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger wird."
BMW werde "auf allen Managementebenen Organisationseinheiten zusammenführen und mehr Verantwortung in die Hände der wertschöpfenden Bereiche geben", sagte Nedeljkovic. "Nur so kehren wir wieder zu dem zurück, was BMW immer ausgezeichnet hat: Unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung."
Dass BMW ein Stellenabbauprogramm bevorsteht, darüber wird seit Mitte Juni spekuliert. Damals hatte Nedeljkovic - nur einen Monat nach seinem Aufstieg vom Produktionsvorstand zum Konzernchef - eine deutliche Gewinnwarnung geben müssen.
Sechs Wochen relativ geräuschlose Gespräche
Der Gesamtbetriebsrat hatte daraufhin "unverzügliche und verbindliche" Gespräche gefordert. Diese sind nun binnen sechs Wochen offenbar abgeschlossen - BMW-typisch nach außen hin eher geräuschlos.
Auch jetzt heißt es vom Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Martin Kimmich: "Während andernorts über Personalabbau, Werksschließungen oder Einschnitte öffentlich diskutiert wird, haben wir uns darauf konzentriert, Sicherheit für die Beschäftigten zu schaffen und verbindliche Schutzmechanismen durchzusetzen."
Das Abfindungsprogramm in Deutschland soll dem Vernehmen nach nicht selektiv sein. Es steht also allen Mitarbeitern außerhalb der Produktion offen - insgesamt einigen zehntausend Menschen.
Wie viel BMW sich den Jobabbau kosten lässt, ist noch nicht ganz klar. Die Belastungen sollen früheren Aussagen zufolge erst im zweiten Halbjahr zu Buche schlagen. In einem Kapitalmarkt-Call im Juni hatte Finanzchef Walter Mertl klargemacht, dass es im Zuge der Restrukturierung Einmalbelastungen von rund einer Milliarde geben werde - es blieb aber offen, ob diese Summe komplett in den Personalabbau fließt. Auch zur Höhe der geplanten Einsparungen waren zunächst keine Zahlen zu erfahren.
Lange ohne Abbauprogramme
Lange war BMW der letzte große deutsche Autohersteller, der ohne großes Stellenabbauprogramm auskam. Volkswagen DE0007664039, Mercedes DE0007100000, Audi, Porsche - alle hatten schon im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt - teilweise in weit höherem Umfang. Und im VW DE0007664039-Konzern wird bereits um die zweite Runde der Streichungen gerungen - mit Zahlen, die in die Zehntausende gehen. Erst diese Woche hat die Tochter Porsche mit dem Wegfall weiterer 5.000 Jobs den Anfang gemacht. Und auch die großen Zulieferer bauen ab.
Die gesamte deutsche Autoindustrie leidet derzeit unter dem Einbruch des chinesischen Marktes und dem sich dort stark erhöhenden Konkurrenz- und Preisdruck. Hinzu kommen die US-Zölle, die immer stärker werdende chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt und zuletzt die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die weltweite Konjunktur.
Dem kann sich auch BMW nicht entziehen, auch wenn die Münchner zuletzt meist etwas glimpflicher davonkamen als die deutsche Konkurrenz. Auch Nedeljkovic betonte nun, dass man "von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln unserer Industrie und damit der Grundlage unseres Geschäftsmodells" spreche. Er kritisierte zudem: "Das ist auch eine Folge marktferner politischer Zielvorgaben. Und weder der Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen werden wieder verschwinden. Daher müssen wir jetzt - schnell und konsequent - unsere Strukturen und Prozesse verschlanken und unsere Kostenposition deutlich verbessern."
Für das Abfindungsprogramm nennt man in Unternehmenskreisen neben der allgemeinen Lage einen weiteren Grund: Für die Entwicklung der Neuen Klasse hatte BMW viel Geld in die Hand genommen, um einen technologischen Sprung zu schaffen. Dass die Entwicklungskosten danach wieder sinken sollten, hatte der Konzern schon im vergangenen Jahr betont. Und das umfasst offenbar auch Personal.
Die IG Metall Bayern reagiert relativ zurückhaltend auf den Stellenabbau: "BMW reagiert jetzt auf den wegbrechenden Markt in China und arbeitet parallel daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken", sagt Bezirksleiter Horst Ott. Zudem betont er, dass der Abbau "mit den Instrumenten der Betriebsparteien" geschehe und tarifvertragliche Regelungen nicht zur Disposition stünden.
Die Belegschaft schrumpfte schon vor dem Abbauprogramm
Ein Rückgang der Belegschaft hat schon vor dem jetzt angekündigten Abbau eingesetzt: Von Mitte 2025 bis Mitte 2026 sank die Zahl der Mitarbeiter bereits um rund 2.000. Und auch die Jahresprognose für 2026 hatte einen leichten Rückgang vorgesehen.
Beispiellos ist der Jobabbau bei BMW nicht. Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen Abbau in ähnlicher Dimension angekündigt. Bis Ende 2010 schrumpfte die Belegschaft dann sogar um mehr als 10.000 - auf damals 95.000.
Danach ging es allerdings wieder steil nach oben. Dass das wieder gelingen wird, ist angesichts der aktuellen Prognosen für die deutsche Autoindustrie eher unwahrscheinlich.
Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer betont: "Der Arbeitsplatzabbau ist ein erster Schritt, um sich Luft zu verschaffen. Aber es ist noch keine Lösung. Es ist nur eine kurzfristige Atempause. Die deutschen Hersteller haben nach wie vor keine Antwort auf die Probleme in China und mit der Konkurrenz aus China."
Halbjahreszahlen am Donnerstag
Wie es finanziell um BMW steht, muss der Konzern am Donnerstag erklären. Dann legt der Konzern seine Halbjahreszahlen vor - die ersten, an denen Nedeljkovic zumindest einen kleinen Anteil als Konzernchef hat. Die Gewinnwarnung im Juni, die zuletzt sinkenden Absatzzahlen und die bereits vorliegenden Zahlen der deutschen Konkurrenten machen dabei wenig Hoffnung auf gute Nachrichten.