KI-Ausgaben explodieren
Mehr als 20 Jahre nach dem Börsengang hat Alphabet erstmals in einem Quartal mehr Geld ausgegeben, als im operativen Geschäft frei verfügbar hereinkam. Der freie Cashflow der Google-Mutter sank im zweiten Quartal, das Ende Juni auslief, auf minus 5,9 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Mittelabfluss gerechnet.
Verantwortlich dafür sind vor allem die massiv steigenden Investitionen in Rechenzentren, Chips und weitere Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Alphabet baut seine Kapazitäten mit hohem Tempo aus, kann die Nachfrage nach Rechenleistung aber weiterhin nicht vollständig bedienen.
„Wir haben unsere Rechenkapazitäten in den vergangenen drei Jahren sehr deutlich erweitert. Dennoch übersteigt die Nachfrage das Angebot“, sagte Finanzchefin Anat Ashkenazi am Mittwoch während einer Telefonkonferenz.
Alphabet hebt Investitionsziel erneut deutlich an
Für das laufende Jahr plant Alphabet nun Investitionen von 195 bis 205 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Bislang hatte das Management mit 180 bis 190 Milliarden US-Dollar gerechnet. Die neue Prognose bedeutet damit eine zusätzliche Ausweitung um bis zu 15 Milliarden US-Dollar.
Die Größenordnung zeigt, wie kapitalintensiv der Wettbewerb um Künstliche Intelligenz inzwischen geworden ist. Alphabet benötigt immer leistungsfähigere Rechenzentren, um eigene KI-Modelle zu trainieren, Suchfunktionen weiterzuentwickeln und Cloud-Kunden ausreichend Kapazitäten bereitzustellen.

Die höheren Ausgaben belasteten die Stimmung an der Börse. Die Alphabet-Aktie verlor am Mittwoch im nachbörslichen Handel an der Wall Street mehr als drei Prozent. Neben dem negativen freien Cashflow rückte dabei auch die Frage in den Mittelpunkt, wie schnell sich die hohen Investitionen künftig in zusätzlichen Umsätzen und Erträgen niederschlagen.
EU bestraft Google wegen Bevorzugung eigener Dienste
Zusätzlich zum hohen Kapitalbedarf muss sich Alphabet mit neuen Sanktionen aus Brüssel auseinandersetzen. Die Europäische Union verhängte gegen Google Strafen von insgesamt 890 Millionen Euro. Nach Einschätzung der EU-Kommission hat der Konzern in mehreren Fällen gegen europäische Digitalregeln verstoßen.
Davon entfallen 460 Millionen Euro auf die Bevorzugung eigener Dienste in der Google-Suche. Als marktbeherrschende Online-Plattform ist Google nach dem Digital Markets Act verpflichtet, eigene Angebote nicht gegenüber Diensten von Drittanbietern zu bevorzugen.
Die EU-Kommission wirft Google jedoch vor, genau dies weiterhin zu tun. So würden bei Suchanfragen zu Sportveranstaltungen häufig zuerst von Google lizenzierte Informationsboxen angezeigt, bevor unabhängige Internetseiten erscheinen. Auch in den Bereichen Übersetzungssoftware sowie bei der Suche nach Hotels, Restaurants, Flügen oder Bahnverbindungen sollen eigene Angebote prominenter dargestellt werden.
Die Bevorzugung erfolgt laut Kommission unter anderem durch auffälligere Darstellungen, zusätzliche Filter und eine Platzierung am oberen Rand der Suchergebnisse. Nach den Vorgaben des DMA müssen Rankings jedoch transparent, fair und diskriminierungsfrei gestaltet sein.
Streit um den Play Store und mögliche weitere Strafzahlungen
Weitere 430 Millionen Euro Strafe entfallen auf Googles Geschäftspraktiken im Google Play Store. Die EU-Kommission kritisiert, dass europäische Verbraucher nicht ausreichend darüber informiert würden, dass bestimmte digitale Inhalte oder Zusatzfunktionen außerhalb des Play Stores teilweise günstiger verfügbar sind.
Nach europäischem Recht müssen Entwickler ihre Kunden kostenlos auf alternative Angebote hinweisen und sie zu externen Websites oder anderen App-Stores weiterleiten dürfen. Dort sollen Nutzer Käufe auch außerhalb des Google-Ökosystems abschließen können.
Nach Auffassung der EU-Kommission schränkt Google diese Möglichkeiten jedoch ein. App-Anbieter könnten nicht frei über alternative Vertriebswege kommunizieren oder Verträge über die von ihnen bevorzugten Kanäle abschließen. Teilweise verlange Google dafür zudem Gebühren, die nach Ansicht der Kommission über das hinausgehen, was der Digital Markets Act erlaubt.
Google weist die Vorwürfe zurück. Kent Walker, Präsident für globale Angelegenheiten und Chief Legal Officer bei Google und Alphabet, erklärte: „Diese Umsetzung des DMA macht zum wiederholten Mal täglich genutzte Dienste kaputt. Um die Vorgaben zu erfüllen, müssen wir Echtzeit-Suchfunktionen entfernen, die die Europäer schätzen, wie sofortige Preisangebote und direkte Verfügbarkeit von Hotels, Flügen und Restaurants.“
Auch die geforderten Änderungen im Play Store kritisierte der Konzern deutlich. Sie bedeuteten, „wir müssen Sicherheitsfunktionen bei Google Play abbauen. Das ist kein fairer Wettbewerb. Regulierung sollte Produkte verbessern und sie nicht schlechter machen.“ Die EU-Kommission verlangt von Google, die Bevorzugung eigener Dienste innerhalb von 60 Tagen zu beenden. Sollte der Konzern die Anforderungen nicht erfüllen, könnten regelmäßige Strafzahlungen in Höhe von bis zu fünf Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes folgen.