Nestlé fällt

Gewinn bricht massiv ein 23.07.2026, 16:35 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Halbjahreszahlen und Milliardenumbau erschrecken den Markt

Die Nestlé-Aktie ist am Donnerstag deutlich unter Druck geraten. Im frühen Handel fiel der Kurs zeitweise um 6,4 Prozent. Damit erlebte der sonst vergleichsweise ruhige Titel den stärksten Rückgang seit Monaten. Zuvor hatte die Aktie noch neue Jahreshochs erreicht, doch der Halbjahresbericht sorgte für einen abrupten Stimmungswechsel.

Die Geschäftszahlen lieferten ein gemischtes Bild. Organisch wuchs Nestlé im ersten Halbjahr um 3,6 Prozent. Rückenwind kam vor allem aus den Schwellenländern sowie aus einer stärkeren Nachfrage nach Kaffee und Heimtiernahrung. Nominal sank der Umsatz allerdings um 2,5 Prozent auf 43,1 Milliarden Franken. Belastend wirkten vor allem Wechselkurseffekte.

Für das Gesamtjahr zeigt sich das Management etwas konkreter als zuvor. Nestlé erwartet nun ein organisches Wachstum von „sicher“ 3 bis 4 Prozent. Zuvor hatte der Konzern lediglich von „rund 3 bis 4 Prozent“ gesprochen. Diese leichte Präzisierung konnte die Sorgen der Investoren jedoch nicht ausräumen.

Die Marge wirkt stabiler, als sie tatsächlich ist

Die operative Marge sank im ersten Halbjahr leicht auf 16,4 Prozent. Auf den ersten Blick erscheint der Rückgang überschaubar. Analysten der UBS verwiesen jedoch auf einen positiven Sondereffekt aus einer Änderung des Pensionsplans. Dieser trug 30 Basispunkte zur Marge bei.

Ohne diesen Effekt wäre die operative Marge um 40 Basispunkte gefallen. Das zeigt, dass der Druck auf die Profitabilität größer ist, als es die ausgewiesene Kennzahl zunächst vermuten lässt. Hohe Preise für Kaffee und Kakao, US-Zölle sowie gestiegene Werbeausgaben belasteten das Ergebnis zusätzlich.

Auch der Ausblick auf die zweite Jahreshälfte fiel vorsichtiger aus. Die Zürcher Kantonalbank verwies darauf, dass Nestlé für das zweite Halbjahr nur noch eine Marge auf dem Niveau der ersten sechs Monate erwartet. Zuvor war der Konzern noch davon ausgegangen, die Profitabilität im weiteren Jahresverlauf steigern zu können.

Gewinn bricht ein, Wertberichtigungen belasten massiv

Beim operativen Ergebnis fiel der Rückgang deutlicher aus als beim Umsatz. Das operative Ergebnis sank um fast 3 Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Franken. Noch stärker traf es den Reingewinn, der um fast ein Drittel auf knapp 3,5 Milliarden Franken zurückging.

Ein wesentlicher Grund dafür waren Wertberichtigungen in Höhe von rund 1,4 Milliarden Franken. Sie entfielen auf Vermögenswerte, die zum Verkauf stehen. Dazu zählen Teile des Eiscremegeschäfts sowie Bereiche aus dem Segment Vitamine und Nahrungsergänzung.

Die Belastungen zeigen, wie tiefgreifend der Konzernumbau ausfällt. Nestlé trennt sich von Geschäftsfeldern, die nicht mehr zum strategischen Kern gezählt werden oder deren Entwicklung hinter den Erwartungen zurückbleibt. Gleichzeitig fallen dabei hohe Abschreibungen an, die das ausgewiesene Ergebnis deutlich drücken.

Wassergeschäft wandert in neues Gemeinschaftsunternehmen

Parallel zu den Halbjahreszahlen verkündete Nestlé eine lang erwartete Lösung für sein Wassergeschäft. Marken wie Perrier und San Pellegrino sollen in ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Peranel eingebracht werden.

Nestlé wird Peranel gemeinsam mit der US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity betreiben. Beide Partner sollen jeweils 50 Prozent halten. Der Deal bewertet die Wassersparte mit 4,9 Milliarden Euro. Nestlé selbst erzielt daraus einen Erlös von 2,8 Milliarden Franken. Gleichzeitig fallen Abschreibungen von 1,3 Milliarden Franken an.

Das Wassergeschäft steuerte zuletzt gut 3,5 Milliarden Franken beziehungsweise knapp 4 Prozent zum Konzernumsatz bei. Die Sparte galt jedoch bereits seit Längerem als Problemfeld. Zusätzliche Belastungen entstanden durch den Skandal um unzulässige Aufbereitungsmethoden bei französischem Mineralwasser. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt von Mitarbeiterkonsultationen und regulatorischen Genehmigungen. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.

Für Konzernchef Philipp Navratil ist die Neuordnung des Wassergeschäfts ein weiterer Baustein im laufenden Umbau. Nestlé will sich künftig auf weniger Geschäftsfelder konzentrieren und seine Strukturen vereinfachen. Parallel dazu sucht der Konzern einen Käufer für Teile des Vitamin- und Nahrungsergänzungsgeschäfts.

Bn-Redaktion/aw
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