Amazon erhöht Gebühren

Händler unter Druck 03.04.2026, 11:24 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Amazon
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Amazon 213,38 EUR -2,32 % Lang & Schwarz

Steigende Logistikkosten treffen Drittanbieter direkt

Amazon verschärft den Kostendruck für Händler auf seiner Plattform und führt ab dem 17. April einen Kraftstoff- und Logistikzuschlag in Höhe von 3,5 Prozent auf Fulfillment-Gebühren in den USA und Kanada ein. Für viele Drittanbieter kommt diese Maßnahme zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da Margen bereits angespannt sind. Im Durchschnitt bedeutet der Zuschlag zusätzliche Kosten von rund 17 Cent pro versandter Einheit über den Dienst Fulfillment by Amazon.

Die Ausweitung der Gebühren ist bereits geplant: Ab dem 2. Mai sollen auch weitere Services wie „Buy with Prime“ sowie Multi-Channel-Fulfillment in den USA und Kanada einbezogen werden. Amazon verweist zur Rechtfertigung auf steigende Betriebskosten und zieht Parallelen zu Wettbewerbern wie UPS und FedEx. Auch der US-Postdienst USPS kündigte einen Kraftstoffzuschlag von 8 Prozent ab dem 26. April an. Amazon hebt hervor, dass der eigene Zuschlag niedriger ausfalle und lediglich temporär sei.

Zweifel an der „temporären“ Natur der Gebühren

Ob es sich tatsächlich um eine vorübergehende Maßnahme handelt, bleibt fraglich. Noah Wickham, VP der Seller-Agentur My Amazon Guy, äußerte in einem LinkedIn-Beitrag die Erwartung, dass Amazon den Zuschlag unabhängig von der weiteren Entwicklung der Kraftstoffpreise beibehalten könnte. Historische Parallelen stützen diese Einschätzung: Bereits 2022 führte Amazon einen ähnlichen Zuschlag ein, als der Ölpreis über 100 Dollar je Barrel lag.

Zusätzlich hatte der Konzern erst im Januar die FBA-Gebühren um durchschnittlich 8 Cent pro Einheit erhöht. Die wiederholten Anpassungen deuten darauf hin, dass Amazon seine Logistikstruktur zunehmend als stabilen Margenhebel nutzt, während Händler einen wachsenden Teil der Kosten tragen.

Schwache Signale von Aktie und Management

Parallel zur operativen Entwicklung zeigt die Amazon-Aktie Anzeichen technischer Schwäche. Im März 2026 bildete sich ein sogenanntes „Death Cross“, bei dem der 50-Tage-Durchschnitt unter den 200-Tage-Durchschnitt fiel. Dieses Signal wird von Marktteilnehmern häufig als Hinweis auf eine negative Trenddynamik interpretiert.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugten Insiderverkäufe im Volumen von mehr als 14,69 Millionen Dollar, darunter Transaktionen von AWS-Chef Matthew Garman. Die Verkäufe erfolgten im Rahmen von Rule 10b5-1-Plänen, die regulatorisch vorgesehen sind, dennoch fällt die Häufung zeitlich auf. Gleichzeitig lieferten die Zahlen für das vierte Quartal 2025 ein gemischtes Bild: Während der Umsatz überzeugte, blieb der Gewinn je Aktie hinter den Erwartungen zurück.

Quartalszahlen und Investitionen im Fokus

Am 29. April richtet sich der Blick auf die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Investoren werden insbesondere darauf achten, ob die Schwäche beim Gewinn je Aktie aus dem Vorquartal eine Ausnahme darstellt oder sich fortsetzt.

Parallel dazu treibt Amazon seine Investitionen massiv voran. Für das Jahr 2026 sind Ausgaben von 200 Milliarden Dollar geplant, nach 132 Milliarden im Vorjahr. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau von KI-Rechenzentren, Robotiklösungen sowie dem Satellitenprojekt Kuiper. Diese strategischen Initiativen unterstreichen die langfristige Wachstumsagenda, erhöhen jedoch kurzfristig den Kapitalbedarf und damit die Anforderungen an die operative Profitabilität.

Bn-Redaktion/aw
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