Covestro-Deal sorgt für Ärger

Abfindung sinkt 01.04.2026, 16:58 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Firmensitz Leverkusen
© Symbolbild von Covestro
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Covestro 59,30 EUR +0,08 % Lang & Schwarz

Zwangsabfindung unter Übernahmepreis: Minderheitsaktionäre im Nachteil

Der Squeeze-out bei Covestro tritt in die entscheidende Phase ein. Am 20. März 2026 stellte Großaktionär XRG P.J.S.C. das formale Verlangen nach § 327a AktG und leitete damit den letzten Schritt zur vollständigen Übernahme ein. Die festgelegte Barabfindung beträgt 59,46 Euro je Aktie und wurde durch ein Gutachten von PricewaterhouseCoopers bestimmt. Auffällig ist die Differenz zum ursprünglichen Übernahmeangebot von 62 Euro: Der Abschlag von rund 2,54 Euro je Aktie bedeutet für verbliebene Minderheitsaktionäre eine spürbare Einbuße gegenüber früheren Andienern.

Der Kapitalmarkt hat diese Entwicklung bereits weitgehend eingepreist. Die Aktie bewegt sich kaum noch und pendelt mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von unter 4 Prozent stabil im Bereich zwischen 59 und 60 Euro. Fundamentale Unternehmensdaten spielen damit kurzfristig kaum noch eine Rolle – entscheidend ist ausschließlich die Erwartung an die finale Abfindung.

Eng getakteter Fahrplan: Delisting und Hauptversammlung im Mai

Der Zeitplan für den Rückzug von der Börse ist klar definiert. Bereits am 5. Mai 2026 wird Covestro den regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse verlassen, nachdem zuvor der Wechsel vom Prime Standard in den General Standard beantragt wurde. Die entscheidende Weichenstellung erfolgt auf der ordentlichen Hauptversammlung am 19. Mai 2026, auf der der Übertragungsbeschluss gefasst werden soll.

Rechtswirksam wird der Squeeze-out allerdings erst mit der Eintragung ins Handelsregister. Erst danach erfolgt die automatische Auszahlung der Barabfindung an die verbliebenen Aktionäre. Mit diesem Schritt endet die Börsennotierung der ehemaligen Bayer-Tochter endgültig.

Schwaches Zahlenwerk und strategische Maßnahmen im Hintergrund

Die Höhe der Abfindung reflektiert auch die operative Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2025 verzeichnete Covestro deutliche Rückgänge: Das EBITDA sank um knapp 31 Prozent auf 740 Millionen Euro, während der Umsatz um 8,7 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro zurückging. Belastungsfaktoren waren insbesondere sinkende Verkaufspreise, negative Währungseffekte sowie strukturelle Überkapazitäten in der globalen Chemieindustrie. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 644 Millionen Euro.

Parallel treibt das Unternehmen jedoch strategische Initiativen voran. So wurde eine Vereinbarung zur Übernahme zweier Produktionsgesellschaften für HDI-Derivate von Vencorex Holding SAS geschlossen, mit Standorten in Thailand und den USA. Der Abschluss der Transaktion ist für die erste Jahreshälfte 2026 vorgesehen. Zudem zeigt das Effizienzprogramm STRONG Fortschritte: Bis Ende 2025 wurden bereits 275 Millionen Euro eingespart, bei einem Ziel von 400 Millionen Euro bis 2028.

Mit dem Vollzug des Squeeze-out wird Covestro vollständig in die Strukturen von XRG integriert. Hinter der Investmentgesellschaft steht ein staatlicher Ölkonzern aus Abu Dhabi, der XRG im November 2024 gegründet hat. Künftig werden rund 17.600 Mitarbeiter an 46 Standorten weltweit außerhalb des Börsenumfelds agieren.

Bn-Redaktion/aw
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