Druck der Aktionäre

SK hynix dreht nach IPO-Absage ins Plus 23.10.2026, 09:43 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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SK hynix zieht die Reißleine. Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller hat vor Handelsbeginn in Seoul bekanntgegeben, die Prüfung eines US-Börsengangs seiner Tochter Solidigm samt vorgelagerter Finanzierungsrunde einzustellen. Die Aktie drehte in Seoul nach anfänglichen Verlusten ins Plus, im deutschen Handel legt das Papier rund 7 Prozent auf 856 Euro zu. Unter Aktionären überwiegt die Erleichterung.

Aktionäre wehren Verwässerung durch Doppel-Listing ab

Als Begründung nennt SK hynix die veränderten Bedingungen an den Kapitalmärkten und die schwache Kursentwicklung im Halbleitersektor. Ein Börsengang sei zum jetzigen Zeitpunkt womöglich nicht die vorteilhafteste Option für das Unternehmen und seine bestehenden Aktionäre. Der Plan war in Südkorea auf Kritik gestoßen: Kleinaktionäre fürchteten, dass neue Solidigm-Aktien ihren indirekten Anteil an künftigen Gewinnen verwässern und eine weitere Doppelnotierung den Abschlag auf koreanische Konzerne vergrößern könnte. Abgeordnete beider großen Parteien begrüßten den Rückzug.

Aus Anlegersicht liegt der Zusammenhang zwischen Absage und Kurssprung auf der Hand. Der Kurs stehe zudem deutlich höher als zum Handelsschluss in den USA, wird mit Anerkennung für die asiatischen Börsen festgehalten. Dass ein Teil der Sorgen nun vom Tisch ist, sehen auch kritischere Stimmen – mit einer Einschränkung:

Positiv ist, dass die sorgen der Anleger entfallen. Negativ: Die Finanzierung einer neuen US-Speicherchipfabrik muss anders organisiert werden.

Genau diese Lücke bleibt offen. Solidigm produziert bislang nur im chinesischen Dalian und plant ein erstes Werk an der US-Ostküste, eine einzelne Fabrik schlägt mit Kosten in zweistelliger Billionen-Won-Höhe zu Buche, umgerechnet mehrere Milliarden Euro. SK hynix betont, Wachstumspotenzial und Investitionsbedarf der Tochter seien unverändert, geprüft würden nun direkte Investitionen und andere Wege. Das Wertpapierhaus iM Securities wies darauf hin, dass der eingeschränkte Zugang zu externem Kapital die Finanzierung künftiger Investitionen erschweren könnte – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Bewertung.

Chipwerte stürzen nach Metas Investitionsplänen

Die Absage fällt mitten in einen Ausverkauf bei Halbleiterwerten. Der US-Technologieindex Nasdaq 100 hatte am Donnerstag 2,9 Prozent verloren, der Philadelphia-Halbleiterindex brach um rund 6,7 Prozent ein, Speicherchip-Konkurrent Micron um 6,3 Prozent. Auslöser waren die höheren KI-Investitionspläne von Meta, die Zweifel an der raschen Rentabilität der Milliardenausgaben nährten, sowie ein Ölpreis, der nach einem Drohnenangriff auf ein saudisches Ölfeld auf rund 114 Dollar je Barrel Brent stieg. In Seoul startete der Kospi deshalb mit einem Minus von gut 2 Prozent, bevor institutionelle Käufer einstiegen; der KR 200 notiert aktuell noch 0,8 Prozent tiefer.

Auf Aktionärsseite war die Nacht von Sorge geprägt. Befürchtet wurde ein weiteres Minus von bis zu 10 Prozent in Asien, eine neue Rally setze erst sinkende Inflation und Zinsen voraus. Umso größer fiel die Überraschung aus, als die Verluste in Korea früh schmolzen. Die Stimmung kippte binnen weniger Stunden von Anspannung zu Erleichterung.

Bis zum Jahreshoch fehlt fast die Hälfte

Mit 856 Euro hat das Papier den Großteil der Wochenverluste wieder aufgeholt; zu Wochenbeginn notierte es bei rund 882 Euro, das Tief lag bei 797 Euro. Vom Jahreshoch um 1.600 Euro ist es dagegen weit entfernt. Auch Branchenwert SanDisk erholt sich im deutschen Handel um gut 3 Prozent auf 1.160 Euro.

Mehrere Anleger loten bereits aus, ob damit ein Boden erreicht sein könnte. Aus optimistischer Sicht sei der Boden gebildet und der Weg nach oben wieder frei. Charttechnisch wird die Messlatte höher gelegt: Von einer Bodenbildung sei erst bei einem stabilen Kurs oberhalb von 900 Euro zu sprechen. Dem steht die Mahnung zur Geduld gegenüber, bis Handelsschluss könne sich das Bild noch einmal wenden – man solle den Tag nicht vor dem Abend loben. Der Ton bleibt damit vorsichtig zuversichtlich.

Bn-Redaktion/sb
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