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Gewinnplus verpufft

Netflix stutzt Werbeziel um 300 Millionen 21.10.2026, 11:04 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Gewinnplus verpufft: Netflix stutzt Werbeziel um 300 Millionen
AI MODIFIED Inhalte teilweise mit KI erstellt.
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Netflix senkt seine Werbeprognose kräftig. Statt rund drei Milliarden Dollar erwartet der Streaming-Marktführer für 2026 nur noch etwa 2,7 Milliarden Dollar Werbeumsatz – obwohl der Gewinn im dritten Quartal um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar kletterte und die Erwartungen übertraf. In New York verlor die Aktie am Dienstagabend nachbörslich rund sechs Prozent. Hierzulande fällt das Minus am Mittwochvormittag moderater aus: Das Papier kostet 57,47 Euro, gut ein Prozent weniger als zum Vortagesschluss.

Werbefunktionen kommen später als geplant

Begründet wird die Kappung mit einer langsameren Einführung neuer Werbefunktionen und Verzögerungen bei der Anbindung von Partnern. Auch der Ausblick auf das Schlussquartal blieb hinter den Markterwartungen zurück: Netflix stellt einen Umsatz von rund 13,44 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 0,67 Dollar in Aussicht, Analysten hatten im Schnitt mit etwa 13,53 Milliarden Dollar und 0,73 Dollar gerechnet.

Der Markt selbst wächst: In Deutschland dürften die Werbeerlöse im Videostreaming in diesem Jahr einer Branchenprognose zufolge um 15 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro steigen – fast drei Viertel davon entfallen allerdings auf Alphabet, Amazon, ByteDance und Meta.

Aus Anlegersicht wiegt genau diese Lücke schwer: Dass die Aktie nach dem Kursrutsch günstig aussehe, reiche nicht aus, solange ein Katalysator fehle. Dem wird entgegengehalten, die Gewinnentwicklung sei stark gewesen und der eingeleitete Strategiewechsel könne sich in den kommenden Quartalen auszahlen. Beim Thema Werbung bleibt das Bild damit gespalten.

Schwächstes Umsatzplus seit drei Jahren

Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Das entsprach den Erwartungen, war aber der geringste Zuwachs seit drei Jahren. Im Aktionärsbrief räumt der Konzern selbst Sorgen von Investoren über das Wachstum der Sehstunden ein. Vergangene Woche strich Netflix rund 1.000 Stellen, etwa sechs Prozent der Belegschaft; Programmchefin Bela Bajaria und Filmchef Dan Lin mussten gehen. Bajarias Aufgaben übernimmt Peter Rice, der lange bei klassischen Studios wie Walt Disney Karriere gemacht hat.

Auf Aktionärsseite stößt vor allem die Abhängigkeit vom Kerngeschäft auf Skepsis – bis hin zum Vergleich mit einem anderen gefallenen Börsenliebling:

Mich erinnert die Netflix-Entwicklung an Novo Nordisk. Auch dort fing es mit unbefriedigendem Wachstum an. Beide Unternehmen sind One-Trick-Ponies. Netflix bietet Streaming, Novo GLP-1. Beide agieren in einem sehr umkämpften Markt. Beide müssten ihr Portfolio diversifizieren. Das wird Jahrzehnte dauern.

Das Management setzt dem neue Standbeine entgegen: Einzelne Filme wie Greta Gerwigs „Narnia“ sollen zunächst 45 Tage exklusiv im Kino laufen, das in Frankreich erprobte Modell mit dem Programm von TF1 auf der Plattform könnte auf weitere Partner ausgeweitet werden. Ob das schnell genug greift, wird unter Aktionären bezweifelt – die Stimmung zu diesem Punkt ist eher skeptisch.

Mehr als 40 Prozent unter Vorjahresniveau

Die Zahlen treffen eine ohnehin angeschlagene Aktie. Im Bieterwettstreit um Warner Bros. hatte Netflix im vergangenen Jahr gegen Paramount den Kürzeren gezogen, das Papier notiert inzwischen mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von vor einem Jahr. Allein im Wochenverlauf summiert sich das Minus auf rund 8,5 Prozent. Zugleich richtet sich der Blick auf weitere Tech-Zahlen: Noch am Mittwoch folgen Tesla und SAP.

Mehrere Anleger ziehen Parallelen zu früheren Kursstürzen – mit unterschiedlichen Schlüssen. Erinnert wird an Microsoft, das zu Jahresbeginn ebenfalls abgeschrieben worden sei, weil Software angeblich keine Zukunft habe; drehe der Wind, laufe die Masse ebenso schnell in die Gegenrichtung. Korrekturen gehörten schlicht dazu, ebenso wie der Reflex, dabei gleich den Weltuntergang auszurufen. Skeptiker halten mit The Trade Desk und dem Kurseinbruch von 2022 dagegen. Charttechnisch orientierte Anleger sehen die Marke um 65 Dollar bereits unterschritten und den Kurs weit unter der 200-Tage-Linie, an der sich institutionelle Investoren häufig orientierten. Die Anleger-Stimmung pendelt damit zwischen Erholungshoffnung und der Sorge vor einem länger anhaltenden Abwärtstrend.

Bn-Redaktion/sb
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