Porsche SE fordert Kahlschlag

Vier VW-Werke in Gefahr 09.08.2026, 12:56 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Porsche SE fordert Kahlschlag: Vier VW-Werke in Gefahr
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Porsche-SE-Chef warnt vor historischem Wendepunkt

Zusätzlichen Nachdruck verleiht Porsche-SE-Chef Hans Dieter Pötsch den Forderungen. Laut Manager-Magazin drängt er auf ein rasches Sparprogramm bei Volkswagen. Hintergrund sind auch die erheblichen Belastungen, die die Entwicklung der VW-Beteiligung bei der Holding hinterlassen hat.

Porsche SE meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Gewinnrückgang um 14,5 Prozent auf 949 Millionen Euro. Unter dem Strich stand zugleich ein Nettoverlust von 2,2 Milliarden Euro, nachdem im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 338 Millionen Euro ausgewiesen worden war. Abschreibungen auf die Volkswagen-Beteiligung belasteten das Ergebnis erheblich.

Pötsch bezeichnete die aktuelle Situation bei Volkswagen als kritischen, historischen Wendepunkt und forderte schnelle Entscheidungen. Die Dimension möglicher Einschnitte ist beträchtlich: Im Raum steht der Abbau von bis zu 100.000 Stellen sowie die Schließung von vier Werken in Deutschland. Nach den bisherigen Plänen von Konzernchef Oliver Blume sollen zunächst bis zu 50.000 Arbeitsplätze entfallen.

Damit würde der Sparkurs vor allem die ohnehin unter Ergebnisdruck stehende Kernmarke Volkswagen treffen. Gleichzeitig zeigt die Debatte, dass bisherige Grenzen beim Personalabbau und bei der deutschen Produktionsstruktur zunehmend infrage gestellt werden.

Führungsrochade bei Audi könnte gesamten VW-Konzern erfassen

Der Umbau beschränkt sich offenbar nicht auf Kosten und Produktionskapazitäten. Auch an der Spitze des Konzerns könnten Veränderungen bevorstehen. Ein Mitglied des Audi-Vorstands soll laut Manager-Magazin die Position des Nordamerikachefs im Volkswagen-Konzern übernehmen.

Ein solcher Wechsel könnte eine Kettenreaktion auslösen und weitere zentrale Führungspositionen betreffen. Damit würde der Transformationsdruck auch auf personeller Ebene sichtbar. Gerade angesichts der Herausforderungen in wichtigen Absatzmärkten wie Nordamerika und China gewinnen strategische Personalentscheidungen zusätzlich an Bedeutung.

Die operativen Kennzahlen erklären, warum der Handlungsdruck wächst. Volkswagen erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 158,1 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 158,4 Milliarden Euro. Während die Erlöse damit nahezu stabil blieben, sank das operative Ergebnis um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Die operative Marge verringerte sich auf 3,8 Prozent.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch die Handelspolitik. Nach Angaben des Konzerns kosten die US-Zölle Volkswagen rund 5 Milliarden Euro pro Jahr. Gleichzeitig ging der Absatz in China im ersten Halbjahr um ein Fünftel zurück. In den USA erreicht Volkswagen derzeit einen Marktanteil von etwa 4 Prozent. Als mögliche Antwort auf die dortigen Marktbedingungen wird unter anderem eine gemeinsame Pick-up-Strategie mit Ford diskutiert.

Elektro-Orderbuch wächst - VW-Aktie dennoch weit unter Jahreshoch

Trotz der Belastungen meldet Volkswagen Fortschritte bei der Elektromobilität. Die Elektro-Orderbank in Europa stieg um 50 Prozent. Für die neuen Modelle ID. Polo, ID. Cross, CUPRA Raval und Škoda Epiq gingen zusammen mehr als 70.000 Bestellungen ein.

Oliver Blume bezeichnete Volkswagen als handlungsfähig und erklärte, dass sich die Transformation auszahle. Gleichzeitig räumte der Konzernchef ein, dass die Kosten weiterhin zu hoch seien. Am Freitag präsentierte Volkswagen zudem mit dem ID. ERA 5X ein neues elektrisches SUV. Angaben zu Reichweite, Leistung und Preis veröffentlichte der Konzern zunächst nicht.

An der Börse spiegeln sich die unterschiedlichen Entwicklungen in einer weiterhin angespannten Kursbilanz wider. Die Volkswagen-Vorzugsaktie gewann zum Wochenschluss am Freitag 1,51 Prozent und schloss bei 76,42 Euro. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch 26,63 Prozent im Minus.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro, das die Aktie im Dezember erreicht hatte, beträgt der Abstand inzwischen fast 30 Prozent. Damit treffen bei Volkswagen derzeit mehrere Themen gleichzeitig aufeinander: der steigende Reformdruck durch Porsche SE, eine operative Marge von nur 3,8 Prozent, Milliardenbelastungen durch US-Zölle, rückläufige Verkäufe in China und mögliche tiefgreifende Einschnitte bei Standorten und Beschäftigung. Gleichzeitig wächst das Bestellvolumen für neue Elektrofahrzeuge in Europa deutlich, während sich der Konzern organisatorisch und personell auf die nächsten Schritte seines Umbaus vorbereitet.

Bn-Redaktion/aw
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