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Über der 100-Tage-Linie

DAX dreht nach zähem Start kräftig auf 21.10.2026, 16:13 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Über der 100-Tage-Linie: DAX dreht nach zähem Start kräftig auf
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Zum Handelsstart deutete am Mittwoch wenig auf einen starken Börsentag hin. Der DAX rutschte am Vormittag zeitweise bis auf knapp 25.260 Punkte ab, inzwischen notiert der Leitindex rund ein Prozent höher bei gut 25.650 Punkten. Rückenwind liefert der Milliardengewinn von SpaceX, der die zuletzt angeschlagenen KI-Werte wieder anschiebt. Unter Anlegern sorgt vor allem das Tempo der Wende für Staunen – an einen dauerhaften Befreiungsschlag glauben aber längst nicht alle.

SpaceX-Milliardengewinn weckt die Tech-Werte

Den Ton setzte ein Quartalsbericht von der anderen Seite des Atlantiks: SpaceX hat im dritten Quartal erstmals seit dem Börsengang einen Milliardengewinn ausgewiesen, getragen vom Satelliteninternet Starlink und dem Geschäft mit KI-Rechenzentren. Die Aktie legt hierzulande gut 7 Prozent auf rund 147 Euro zu. Zusätzlich bestätigte Konzernchef Elon Musk, dass SpaceX und Tesla einen Zusammenschluss prüfen. Im DAX profitierten Werte mit KI-Bezug: Infineon gewann am Nachmittag mehr als 3 Prozent, Siemens setzte mit rund 2 Prozent zur Erholung an.

Aus Anlegersicht ist der Tag damit noch nicht entschieden. Mehrfach wird darauf verwiesen, dass die eigentliche Bewährungsprobe erst nach Börsenschluss anstehe, wenn Tesla, Texas Instruments und SAP ihre Zahlen vorlegen – bis dahin sei eine typische Abwartehaltung zu spüren. Ein schwacher Bericht des Elektroautobauers könne auch den Softwarekonzern mit nach unten ziehen, lautet eine Befürchtung. Umgekehrt gelten gute SAP-Zahlen als möglicher Treiber für weitere Gewinne. Der Tenor: gespannt, aber ohne Vorschusslorbeeren.

Abstand zur 25.000er-Marke wächst wieder

Charttechnisch hat der Anstieg einiges Gewicht: Der DAX hat sich wieder über seine 100-Tage-Linie geschoben, die er erst am Montag unterschritten hatte und die als Indikator für den mittel- bis längerfristigen Trend gilt. Am Dienstag war der Index zeitweise bis auf 25.050 Punkte gefallen und der psychologisch wichtigen Marke von 25.000 Punkten nahegekommen. Dieser Abstand ist nun auf mehr als 600 Punkte angewachsen, das bisherige Tageshoch liegt bei gut 25.700 Punkten.

Die Wucht der Bewegung wird unter Anlegern vor allem mit der Positionierung erklärt. Zuvor sei verstärkt auf fallende Kurse gesetzt worden, nun würden reihenweise Short-Positionen aufgelöst – das Stichwort Short-Squeeze macht die Runde. Ob der Schwung trägt, wird unterschiedlich gelesen: Charttechnisch orientierte Anleger sehen den Index aktuell in bullischer Verfassung, weil eine wichtige Unterstützungszone am Vormittag gehalten habe. Skeptiker halten dagegen einen Rücksetzer bis in die Nähe der 200-Tage-Linie weiterhin für möglich. Die Reaktionen wirken damit eher verblüfft als euphorisch.

Iran-Krieg und Frankreich bremsen weiter

Die alten Belastungen sind derweil nicht verschwunden. Hohe Energiepreise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und steigende Anleiherenditen infolge der Unruhen in Frankreich hatten den Markt zuletzt in Schach gehalten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet knapp 109 Dollar, umgerechnet rund 97 Euro – am Morgen waren es noch etwa 110 Dollar. Zudem empfing Kremlchef Wladimir Putin am Mittwoch den US-Sondergesandten Steve Witkoff zu Gesprächen über den Ukraine-Krieg.

Auf Anlegerseite wird das Treffen als ein Grund für die Spekulation auf steigende Kurse gesehen, zugleich mischt sich die Sorge darunter, Washington könne in den Verhandlungen zu weich auftreten. Am Ölmarkt bleibe es ruppig, heißt es. Ein offizielles Abkommen mit dem Iran, eine Öffnung der Straße von Hormus oder ein Ende des Ukraine-Kriegs könnten das Bild dagegen rasch verändern, lautet eine Überlegung. Wie tief die Zweifel sitzen, zeigt diese Einschätzung:

Ich persönlich kann mir in diesem Jahr kein neues ATH vorstellen, da uns das Iranproblem wohl noch länger beschäftigen wird. Ich hoffe ich liege damit falsch.

Hinter den Protesten in Frankreich wird aus Anlegersicht vor allem Zorn über Inflation und hohe Lebenshaltungskosten ausgemacht – quer durch das politische Spektrum. Die Anleger-Stimmung schwankt damit zwischen Erleichterung über den Kurssprung und der Skepsis, ob er die geopolitischen Risiken überdauert.

Bn-Redaktion/sb
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