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Vergesellschaftung

Vonovia hinkt der Branchenerholung hinterher 21.10.2026, 15:52 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Vergesellschaftung: Vonovia hinkt der Branchenerholung hinterher
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Ein überraschender Großeinstieg hat am Mittwoch Deutschlands Wohnungskonzerne angeschoben. Grand City Properties hat sich mit gut 20 Prozent bei LEG Immobilien eingekauft – Grand City selbst legt rund 4,8 Prozent auf 7,20 Euro zu, Großaktionär Aroundtown sogar knapp 5,4 Prozent. Vonovia läuft dagegen nur im Windschatten mit: Die Aktie gewinnt gut 1 Prozent auf 16,75 Euro, denn beim DAX-Konzern bestimmt weiter Berlin das Bild, wo SPD, Grüne und Linke über die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände verhandeln wollen.

Grand City greift bei LEG zu

Grand City betrachtet die Beteiligung nach eigenen Angaben als Finanzinvestition. Denkbar sei eine Aufstockung auf bis zu 29,9 Prozent, aber ebenso eine Reduzierung oder ein Verkauf. Bei Berenberg wurde der Schritt als überraschend gewertet; die Investition dürfte wegen anstehenden Refinanzierungsbedarfs aber nicht von Dauer sein – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung.

LEG selbst hat einen Teil des Schwungs schon wieder abgegeben: Am Vormittag stand die Aktie noch knapp 3 Prozent im Plus, inzwischen sind es nur noch rund 0,9 Prozent bei 48,52 Euro. Aus Sicht von Vonovia-Aktionären ist die Erholung klar von der Transaktion getrieben, nicht von einer besseren Lage des eigenen Konzerns. Zumal LEG keine Wohnungen in Berlin besitze, lautet der Einwand – das Risiko, das Vonovia belastet, berühre der Deal gar nicht. Entsprechend nüchtern fällt die Stimmung zu diesem Punkt aus.

160.000 Wohnungen stehen zur Debatte

In Berlin haben die Gremien von SPD und Grünen für Koalitionsverhandlungen mit der Linken gestimmt. Die Wahlsiegerin will am 31. Oktober auf einem Parteitag endgültig entscheiden. Nach den Plänen der Linken sollen private Konzerne mit mehr als 10.000 Berliner Wohnungen gegen Entschädigung vergesellschaftet werden, insgesamt rund 160.000 Wohnungen. Für Entschädigungen ist eine Obergrenze von 16 Milliarden Euro vorgesehen. Vonovia hält das Vorhaben für verfassungswidrig und rechnet damit, dass es vor Gericht scheitert.

Auf Anlegerseite wird die Vergesellschaftung ebenfalls für kaum durchsetzbar gehalten. Statt auf einen Rechtsstreit zu warten, wird ein Kompromiss skizziert, der Mietern und Konzern zugleich nützen soll:

Würde den Mietern in Berlin Ihr Wohnungen für 10 % unter Marktwert anbieten zum kaufen … wäre eine Win-Win für beide Seiten … denke auch sehr viele Mieter sind stark verunsichert wenn das Land Berlin hier übernehmen sollte und damit 0 Investitionen in die Sanierung und Pflege der Wohnungen fließen sollte

Finanzieren ließe sich ein solcher Kauf, so der Gedanke weiter, über günstige Kredite des Landes, die über die Miete getilgt würden. Damit trifft das Argument einen Punkt, den auch Vonovia betont: Ohne private Investitionen und verlässliche Regeln werde die Wohnungsknappheit kaum kleiner. Der Ton zum Berliner Thema bleibt dennoch angespannt.

Rund 40 Prozent Minus binnen eines Jahres

Wie tief die Verunsicherung sitzt, zeigt der Kursverlauf: Vor einem Jahr kostete die Vonovia-Aktie noch knapp 28 Euro, seither hat sie rund 40 Prozent verloren. Neben Berlin hatten zuletzt steigende Anleiherenditen die Branche belastet. Im Wochenverlauf rutschte die Aktie zeitweise unter 16 Euro, aktuell notiert sie rund 0,7 Prozent über dem Stand von vor einer Woche.

Unter Aktionären keimt zwar die Hoffnung, das Schlimmste könnte überstanden sein. Neue Belastungen seien kaum noch zu erwarten, allenfalls eine schneller als erwartet anziehende Inflation könne noch einmal Druck machen. Zudem wird darauf verwiesen, dass um die Marke von 16 Euro das Interesse von Leerverkäufern nachgelassen habe – eine Einschätzung aus Anlegersicht, kein Signal. Skeptischer fällt der Blick auf den Handelsverlauf aus: Die Abwärtsbewegung am Mittag sei mit wenig Volumen gelaufen, die Aktie habe sich klar schwächer als der Immobiliensektor entwickelt. Die Anleger-Stimmung pendelt damit zwischen vorsichtiger Zuversicht und dem Gefühl, dass Vonovia ohne Klarheit aus Berlin kaum aus dem Schatten der Branche treten dürfte.

Bn-Redaktion/sb
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