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Mit Solarstrom raus aus der Zinsfalle? 21.04.2026, 13:19 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Strategiewechsel: Solarstrom als zweites Ertragsstandbein

Vonovia richtet seinen Blick zunehmend über das klassische Mietgeschäft hinaus und investiert gezielt in neue Einnahmequellen. Im Zentrum steht ein ambitioniertes Photovoltaik-Programm: Bis Ende 2026 sollen Anlagen mit einer Leistung von 300 Megawatt Peak installiert sein – vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Insgesamt fließen rund 400 Millionen Euro in den Ausbau.

Ein Schwerpunkt liegt auf urbanen Ballungsräumen. In Berlin entstehen Solaranlagen auf einer Fläche von 15 Fußballfeldern, die mehr als 8.000 Haushalte mit Energie versorgen können. Das zugrunde liegende Geschäftsmodell kombiniert günstigeren Strom für Mieter mit stabilen Einnahmen für den Konzern aus Stromverkauf und Mieterstrom-Konzepten. Im Unterschied zur klassischen Vermietung unterliegt dieses Segment geringeren regulatorischen Eingriffen, insbesondere bei Preisgestaltungen – ein Vorteil in einem politisch stark regulierten Umfeld.

Industrialisierung der Sanierung: Fassaden aus der Fabrik

Parallel treibt Vonovia die Effizienz im Bestandsgeschäft voran. Gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Nokera setzt der Konzern auf vorgefertigte Fassadenelemente, die industriell produziert und vor Ort montiert werden. Dieses Verfahren reduziert Bauzeiten, minimiert Belastungen für Mieter und verspricht sinkende Kosten pro Einheit durch Skaleneffekte.

Erste Projekte mit rund 1.000 Wohnungen befinden sich bereits in der Umsetzung, unter anderem in Heidenheim und Langenfeld. Auch wenn sich das Modell noch in einer frühen Phase befindet, deutet vieles darauf hin, dass dieser industrielle Ansatz die Geschwindigkeit energetischer Sanierungen deutlich erhöhen könnte – ein entscheidender Faktor angesichts steigender Anforderungen an Gebäudeeffizienz.

Solide Kennzahlen, hoher Refinanzierungsdruck

Operativ zeigt sich Vonovia stabil. Das bereinigte EBITDA erreichte 2025 insgesamt 2,801 Milliarden Euro, bei einer hohen Vermietungsquote von 97,9 Prozent. Für 2026 stellt das Management einen weiteren Anstieg auf 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro in Aussicht.

Gleichzeitig bleibt das Zinsumfeld eine zentrale Herausforderung. In den Jahren 2026 und 2027 werden Anleihen im Volumen von über fünf Milliarden Euro fällig. Refinanzierungen werden durch Bauzinsen von bis zu vier Prozent deutlich teurer. Vonovia hat darauf bereits mit der Emission von Eurobonds sowie einer Yen-Anleihe reagiert. Zudem soll die Loan-to-Value-Quote bis 2028 von aktuell 45,4 Prozent auf etwa 40 Prozent reduziert werden.

Neue Führung, wichtige Termine im Blick

Auch personell unterstreicht der Konzern seinen strategischen Kurs. Katja Wünschel übernimmt zum 1. Juni 2026 die Position der Chief Development Officer und folgt auf Daniel Riedl. Zuvor war sie seit 2022 als CEO bei RWE Renewables für das Geschäft mit Onshore-Wind- und Solarparks verantwortlich. Ihre Ernennung passt zur verstärkten Ausrichtung auf erneuerbare Energien.

Kurzfristig richten sich die Blicke auf zwei wichtige Termine: Am 7. Mai veröffentlicht Vonovia die Quartalszahlen für das erste Quartal 2026. Diese dürften Aufschluss darüber geben, ob der operative Cashflow die hohen Investitionen bei gleichzeitig gestiegenen Finanzierungskosten tragen kann. Bereits am 30. April steht zudem die nächste Zinsentscheidung der EZB an. Der Leitzins liegt seit Juni 2025 unverändert bei 2,0 Prozent. Eine anhaltende Zinspause könnte den Bewertungsdruck auf das Immobilienportfolio von 84,45 Milliarden Euro verlängern, während eine Zinssenkung neue Impulse für die Aktie liefern könnte, die seit ihrem Jahreshoch von 30,31 Euro deutlich nachgegeben hat.

Bn-Redaktion/aw
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