BYD WKN: A0M4W9 ISIN: CNE100000296 Kürzel: BY6 Forum: Aktien Thema: Hauptdiskussion
Der Free Cashflow misst den Geldfluss nach Investitionen (CapEx) und berücksichtigt Schwankungen im Working Capital. Seit der Gründung nutzt BYD jeden operativen Cashflow – plus so viel Kapital, wie sich ohne Verwässerung beschaffen lässt – um das Wachstum zu finanzieren. Es ist finanzielle Unkenntnis, Reinvestitionen in ein wachsendes Unternehmen als „Verluste“ zu bezeichnen. Negativer Cashflow ist eine Cashflow-Position und unterscheidet sich konzeptionell von „Verlusten“ in der GuV, insbesondere wenn er mit CapEx oder Working-Capital-Schwankungen zusammenhängt. Ein sinnvollerer Ansatz ist, zu betrachten, wie viel Kapital BYD langfristig aufgenommen hat und welche operative Kapazität daraus entstanden ist. Bis heute hat BYD rund ¥340 Mrd. an Fremd- und Eigenkapital aufgenommen – davon etwa ¥82 Mrd. an Verbindlichkeiten und ¥258 Mrd. an Eigenkapital bzw. eigenkapitalähnlichen Mitteln. Darin enthalten sind ¥107 Mrd. nicht ausgeschüttete Gewinne, also Gewinnrücklagen. Dieses Kapital (rund 23 Mrd. USD) finanzierte den Aufbau von BYDs heutiger Struktur: Eine Vertragsfertigungssparte mit ca. 27 Mrd. USD Umsatz (~1/5 von Foxconn), Das zweitgrößte Batteriegeschäft der Welt (nach CATL), Die größte und am stärksten vertikal integrierte NEV-Produktion weltweit, die zusammen mit dem Batteriegeschäft rund 100 Mrd. USD Umsatz bei ~22 % Bruttomarge erzielt und über 7 Mio. Fahrzeugkapazität verfügt. Zum Vergleich: Tesla hat etwa 38 Mrd. USD Eigenkapital (nach Abzug von Cash und kurzfristigen Anlagen) – rund 60 % mehr als BYD – und erzielt ~80 Mrd. USD Umsatz, ~16 % Bruttomarge sowie eine Produktionskapazität von 2,4 Mio. Fahrzeugen pro Jahr. Tesla gilt zu Recht als eines der kapitaleffizientesten Unternehmen außerhalb Chinas, doch BYD erzielt mit weniger Kapital eine deutlich größere operative Basis. Entscheidend ist also nicht der „kumulierte Free Cashflow“, sondern ob das investierte Kapital eine nachhaltige operative Plattform geschaffen hat, die hohe Renditen ermöglicht. Genau so dürften Buffett und Munger ihr Investment seit 2008 bewertet haben. Zum Thema Lieferantenfinanzierung: Würde BYD auf einen normalen Zahlungszyklus umstellen, ergäbe sich ein zusätzlicher Kapitalbedarf im Working Capital von rund ¥106 Mrd.. Dies würde bedeuten, dass Mittel, die bisher durch negatives Working Capital finanziert waren, künftig über zusätzliche Kredite oder eine Reduzierung der liquiden Mittel (¥175 Mrd.) gedeckt werden müssten. Damit läge BYDs Netto-Kapitalisierung bei rund 38 Mrd. USD, also auf Tesla-Niveau. Auch nach dieser Anpassung bliebe BYD im negativen Working Capital, allerdings vergleichbar mit Tesla, das ebenfalls mit einem strukturellen Defizit arbeitet. Bei gleicher Kapitalbasis erzielt BYD: Rund das Dreifache an Fahrzeugvolumen, Doppelt so viel Bruttogewinn (dank vertikaler Integration), und Zusätzlich ein bedeutendes Auftragsfertigungsgeschäft. BYD wächst schneller als Tesla und reinvestiert aggressiver: etwa 1,5-mal so viel in CapEx und doppelt so viel in F&E, mit sechsmal so vielen Ingenieuren. Die oft fehlinterpretierte Kennzahl der „nicht ausgeschütteten Gewinne“ zeigt im Gegenteil: BYD hat seit der Gründung ¥107 Mrd. Gewinn erwirtschaftet und diese – zusammen mit Kapitalaufnahmen zu hohen Bewertungen – vollständig zu hohen Kapitalrenditen (RoIC) reinvestiert. Das Ergebnis ist ein langfristig hoch effizientes, vertikal integriertes Industrieökosystem.
Ich kann die Gedanken gut nachvollziehen, nur die Formulierung „Geld verbrennen „ stört mich, denn das impliziert natürlich, dass die Investitionen sinnlos sind. Ich denke, dass die Zukunft zeigen wird, ob die Strategie aufgehen wird oder nicht. Bisher sehe ich es nicht so negativ.
**GEMINI 2.5 PRO** > Viele fragen sich, wie es sein kann, dass ich einerseits schreibe, BYD sei operativ eine "Cash-Maschine", die Geld verdient, und andererseits, dass das Unternehmen "katastrophal Geld verbrennt". Dieser scheinbare Widerspruch ist keiner, sondern beschreibt exakt das hochriskante Geschäftsmodell von BYD und lässt sich am besten mit einer einfachen Analogie erklären: Stell dir vor, du betreibst einen extrem profitablen Kiosk (das Kerngeschäft). Jeden Tag nimmst du 1.000 Euro ein und hast nur 800 Euro Kosten. Du "verdienst" also jeden Tag 200 Euro an operativem Cashflow (CFO). Das ist das Positive, die Cash-Maschine läuft. Jetzt kommt aber der Haken: Anstatt die 200 Euro Gewinn zu sparen oder dir auszuzahlen, entscheidest du dich, jeden einzelnen Tag 1.500 Euro in den Bau eines riesigen Supermarkt-Imperiums zu investieren (das sind die Investitionsausgaben, Capex). Obwohl dein Kiosk also 200 Euro abwirft, gibst du 1.500 Euro aus. Dein freier Cashflow (FCF), also das, was nach allen Ausgaben wirklich übrig bleibt, ist an diesem Tag katastrophale -1.300 Euro. Du "verbrennst" also Geld, obwohl dein Kerngeschäft profitabel ist. Und genau das macht BYD im großen Stil: Der operative Cashflow aus dem Verkauf von Autos ist beeindruckend stark und positiv – das Unternehmen verdient im Kerngeschäft also tatsächlich sehr viel Geld. Aber anstatt dieses Geld zur Seite zu legen, investiert das Management sofort ein Vielfaches davon in neue Fabriken, Forschung und globale Expansion. Die Investitionsausgaben (Capex) sind so gigantisch hoch, dass sie den starken operativen Cashflow bei weitem übersteigen. Das Ergebnis ist ein massiv negativer freier Cashflow (FCF). BYD verbrennt also Geld, nicht weil das Autogeschäft schlecht läuft, sondern weil sie in einem atemberaubenden Tempo wachsen wollen, das aus dem laufenden Geschäft allein nicht finanzierbar ist. Und die Differenz, die fehlenden Milliarden, holen sie sich eben über die extremen Zahlungsziele bei Lieferanten oder, wie wir in Q3 2025 gesehen haben, durch neue, teure Bankkredite. Das ist der Kern des hochriskanten Spiels.
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