BASF vor Wende

Warum Anleger jetzt zittern 16.06.2026, 13:59 Uhr Jetzt kommentieren: 0

BASF
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Der 1,5-Milliarden-Euro-Puffer läuft aus

Bei BASF rückt Ende Juni ein wichtiger Kurstreiber in den Hintergrund: Die erste Tranche des Aktienrückkaufprogramms läuft aus. Gestartet wurde das Programm im November 2025 mit einem Volumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Es ist Teil einer deutlich größeren Ausschüttungsstrategie. Zwischen 2025 und 2028 will BASF mindestens 12 Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückgeben.

Bislang konnte der laufende Rückkauf dem Aktienkurs eine gewisse Stabilisierung bieten. Mit dem Ende der ersten Tranche stellt sich nun die Frage, welche Faktoren diese Rolle künftig übernehmen können. Denn operativ bleibt das Umfeld für den Chemiekonzern anspruchsvoll.

Im ersten Quartal 2026 erzielte BASF einen Umsatz von 16,0 Milliarden Euro. Das waren rund drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auch beim Ergebnis zeigte sich Druck: Das EBITDA vor Sondereinflüssen sank von 2,495 Milliarden Euro im Q1 2025 auf 2,356 Milliarden Euro. Damit wird deutlich, dass die schwächere Nachfrage in der Chemiebranche auch an BASF nicht spurlos vorbeigeht.

Goldman bleibt optimistisch, aber nicht ohne Warnsignal

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt eine neue Einschätzung von Goldman Sachs. Analystin Georgina Fraser hat das Kursziel für BASF von 65 auf 63 Euro gesenkt. Die Einstufung bleibt dennoch bei „Buy“. Diese Kombination ist bemerkenswert: Goldman reduziert die Erwartungen, hält BASF aber weiterhin für aussichtsreicher als viele andere europäische Chemiewerte.

Fraser begründet ihre vorsichtigere Haltung mit einem erneuten Abschwung in der europäischen Chemiebranche. Der Nachfragerückgang sei schneller und stärker eingetreten als erwartet. Hinzu kommt wachsender Exportdruck aus China, der einen großen Teil der vermeintlichen Marktchancen europäischer Anbieter aufzehrt.

Die Analystin reagierte nicht nur bei BASF, sondern nahm insgesamt sieben Umstufungen im Sektor vor. Wettbewerber wie Evonik, Symrise und Lanxess wurden herabgestuft. BASF sieht Fraser dagegen als vergleichsweise widerstandsfähiger. Ein Grund dafür: Ihr operativer Ergebniskonsens für 2027 liegt deutlich über dem Marktdurchschnitt. Das signalisiert, dass Goldman dem Konzern trotz schwächerer Branchenlage eine bessere Ergebnisqualität zutraut als vielen Konkurrenten.

Zwischen 40 und 63 Euro: Die BASF-Frage spaltet die Analysten

Auch im breiteren Analystenfeld zeigt sich kein einheitliches Bild. Die Deutsche Bank bleibt positiv und empfiehlt die BASF-Aktie mit einem Kursziel von 60 Euro zum Kauf. Als Argumente nennt sie unter anderem die attraktive Bewertung und den Aktienrückkauf als möglichen Kursunterboden.

Deutlich skeptischer zeigt sich JP-Morgan-Analyst Chetan Udeshi. Er bewertet BASF weiterhin mit „Underweight“ und sieht den fairen Wert bei 40 Euro. Zwar wurde dieses Kursziel zuletzt von 36 Euro angehoben, es bleibt aber das pessimistischste Urteil im aktiven Broker-Panel. Der Analystenkonsens liegt laut MarketScreener bei einem durchschnittlichen 12-Monats-Kursziel von 52,98 Euro.

Neben der schwachen Chemiekonjunktur gibt es auch strukturelle Bewegung im Konzern. Die EU-Kommission hat den Verkauf der Lacke-Sparte an den Finanzinvestor Carlyle unter Auflagen genehmigt. BASF bleibt mit 40 Prozent beteiligt. Der Unternehmenswert des Coatings-Geschäfts liegt bei 8,7 Milliarden Euro. Damit setzt der Konzern seine Portfoliobereinigung fort, ohne sich vollständig aus dem Bereich zurückzuziehen.

Aktuell notiert die BASF-Aktie bei 49,41 Euro. Damit liegt sie rund zehn Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von gut zehn Prozent. Mit dem Auslaufen der ersten Rückkauftranche Ende Juni verschiebt sich der Fokus nun stärker auf das operative Geschäft. Das Q2-Ergebnis dürfte daher besonders genau gelesen werden: Es wird zeigen, ob BASF die Schwäche der europäischen Chemiebranche tatsächlich besser abfedern kann als die Konkurrenz.

Bn-Redaktion/aw
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