Mit Exportrekorden, Modellfeuerwerk und neuer Batterietechnik zur Weltspitze?
BYD-Gründer Wang Chuanfu hat die Messlatte für den chinesischen Autobauer deutlich höher gelegt. Auf der Jahreshauptversammlung formulierte er das Ziel, Toyota innerhalb der kommenden fünf Jahre beim weltweiten Absatz zu überholen und BYD damit zur größten Automarke der Welt zu machen. Dafür müsste der Konzern seine derzeitigen Jahresauslieferungen von rund 4,8 Millionen Fahrzeugen mehr als verdoppeln.
Der dafür notwendige Wachstumskurs stützt sich auf mehrere Säulen. Neben einer breit angelegten Produktoffensive setzt BYD verstärkt auf internationale Märkte, zusätzliche Produktionskapazitäten und neue Batterietechnologien. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung der Absatzzahlen differenziert: Während die Exporte stark zulegen, liegt das kumulierte Verkaufsvolumen im laufenden Jahr weiterhin unter dem entsprechenden Vorjahresniveau.
Neue Modelle sollen BYDs Wachstumstempo erhöhen
In China erweitert BYD sein Angebot derzeit in schneller Folge. Bei der chinesischen Industrie- und Informationstechnologiebehörde MIIT wurde der Fangchengbao Ti9 angemeldet. Das große Plug-in-Hybrid-SUV verfügt über drei Sitzreihen und kombiniert einen 1,5-Liter-Turbomotor mit zwei Elektromotoren, die jeweils eine Leistung von 200 kW liefern.
Parallel kündigte BYD den Marktstart des Qin Max an. Das neue Flaggschiff der Qin-Baureihe im B-Segment soll bereits morgen auf den Markt kommen. Erst gestern hatte der Hersteller zudem den 2027 Seal 06 in China eingeführt. Das Modell erreicht eine angegebene Reichweite von 630 Kilometern und nutzt die zweite Generation der Blade-Battery-Technologie.
Auch auf dem japanischen Markt meldet BYD erste Erfolge mit einem speziell auf lokale Anforderungen zugeschnittenen Fahrzeug. Der elektrische Kei-Car Racco kam Ende Juli in den Verkauf und erhielt innerhalb der ersten zwei Wochen mehr als 1.000 Bestellungen. Besonders auffällig ist die Verteilung der Ausstattungsvarianten: Vier von fünf Käufern entschieden sich für die Premiumversion.
Exportrekord: Auslandsgeschäft erreicht bereits 43 Prozent
Die Entwicklung im Juli zeigt, welche Bedeutung internationale Märkte inzwischen für BYD haben. Insgesamt verkaufte der Konzern im vergangenen Monat 419.211 New-Energy-Fahrzeuge. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht das einem Zuwachs von 21,8 Prozent. Damit verzeichnete BYD bereits den dritten Wachstumsmonat in Folge.
Deutlich dynamischer entwickelte sich das Exportgeschäft. Mit 179.841 ausgeführten Fahrzeugen erreichte BYD im Juli einen neuen Rekord. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Anstieg um 124,3 Prozent. Rund 43 Prozent des monatlichen Gesamtvolumens entfielen damit inzwischen auf Kunden außerhalb Chinas.
Das starke Auslandsgeschäft kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der kumulierte Absatz auf Jahressicht noch unter dem Vorjahresniveau liegt. Bislang wurden 2.227.722 Fahrzeuge verkauft.

Um die wachsenden Exportmengen logistisch bewältigen zu können, investiert BYD zudem in die Infrastruktur. Am Shanwei New Port entsteht derzeit ein neuer Tiefwasserhafen. Das Projekt hat ein Volumen von 3,3 Milliarden Yuan und befindet sich in der finalen Bauphase. Künftig soll der Hafen als zentraler Exportkanal für BYDs Fertigungsstandort im Honghai Bay Green Manufacturing Industrial Park dienen.
Auch in Europa werden die Strukturen ausgebaut. Ab dem vierten Quartal 2026 plant BYD, im ungarischen Szeged erstmals Fahrzeuge auf europäischem Boden zu montieren. Ursprünglich geplante Expansionsschritte in der Türkei wurden zugunsten des Standorts in Ungarn zurückgestellt.
Dass BYDs Expansion auch bei etablierten Wettbewerbern wahrgenommen wird, zeigt eine Personalentscheidung bei Ford. Der US-Autobauer verpflichtete den ehemaligen Europachef von BYD, um seine Position im europäischen Elektroautomarkt zu stärken.
Feststoffbatterien und Quartalszahlen rücken in den Fokus
Neben neuen Fahrzeugen und zusätzlichen Märkten investiert BYD weiter in die Batterietechnologie. Anfang August meldete der Konzern sechs neue Patente für eine Dual-Elektrolyt-Kathodenarchitektur für Feststoffbatterien an. Angestrebt wird eine Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm. Die Kleinserienproduktion soll nach den bisherigen Planungen im Jahr 2027 beginnen.
An der Börse fällt die Entwicklung derzeit deutlich zurückhaltender aus als das operative Expansionstempo. Die BYD-Aktie notiert bei 9,88 Euro und damit leicht unter dem vorherigen Schlusskurs von 9,93 Euro. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf 7,70 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 13,23 Euro, das Ende August vergangenen Jahres erreicht wurde, hat sich der Kurs inzwischen um mehr als ein Viertel entfernt.
Der nächste wichtige Termin für den Kapitalmarkt ist der Quartalsbericht am 29. August. Analysten rechnen im Konsens mit einem Gewinn je Aktie von 0,10 US-Dollar. Die Zahlen dürften insbesondere Aufschluss darüber geben, in welchem Umfang sich die hohen Investitionen in neue Modelle, internationale Produktionsstrukturen und das stark wachsende Exportgeschäft bereits in der Ergebnisentwicklung widerspiegeln.