Danke, Merkel!

Rheinmetall-Chef warnt vor gefährlicher Lücke 04.07.2026, 14:17 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Danke, Merkel! Rheinmetall-Chef warnt vor gefährlicher Lücke
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Merkel Satz sorgt für Aufsehen

Rheinmetall-CEO Armin Papperger hat die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich kritisiert. „Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu uns: Wir brauchen Euch eigentlich nicht – wenn es ein Problem gibt, rufen wir die Amerikaner an“, sagte Papperger auf dem WELT-Sicherheitsgipfel am 2. Juli. Die Abhängigkeit von Amerika sei aus seiner Sicht gewollt gewesen.

Vor dem Ukrainekrieg 2022 habe es in Deutschland keinen „großen Bedarf an Waffensystemen in Deutschland selbst“ gegeben. Rheinmetall und andere deutsche Rüstungsunternehmen seien in „die Schmuddelecke gestellt“ worden, weil „wir als Industrie exportiert haben“. Pappergers Fazit fällt entsprechend hart aus: „Man wollte uns hier in Deutschland eigentlich gar nicht haben“.

Zeitenwende verändert Rheinmetall

Mit der russischen Vollinvasion der Ukraine änderte sich die politische Lage grundlegend. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz rief die Zeitenwende aus. Danach kündigte die Ampel-Regierung ein Schuldenpaket in Höhe von 100 Milliarden Euro an, das sogenannte Sondervermögen.

Nach der vergangenen Bundestagswahl folgte unter der Initiative von Bundeskanzler Friedrich Merz ein weiteres Schuldenpaket in Höhe von 500 Milliarden Euro. Es sieht zusätzliche Ausgaben für Rüstung vor. Rheinmetall profitierte deutlich von dieser Entwicklung. Der Aktienkurs stieg seit 2022 um mehr als 1000 Prozent. Auch der Umsatz legte von 6,41 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 9,94 Milliarden Euro zu.

Papperger fordert mehr Tempo

Trotz des Booms sieht Papperger erhebliche Probleme. „Geschwindigkeit ist der entscheidende Punkt“, sagte der Rheinmetall-Chef. Deutschland brauche „zu lange von der Entwicklung bis zur Gefechtsreife“, während die Ukraine schnell sei und „schnell alle möglichen Effektoren“ benutze.

Papperger verweist auf hohe Vorleistungen der Industrie. „Wir haben für eine halbe Milliarde ein Artilleriewerk hingestellt und von Deutschland zurzeit leider nur einen Auftrag über 200.000 Schuss.“ Das funktioniere so nicht, weil sich ein Investment „ja irgendwann mal rechnen“ müsse. Er fordert deshalb mehr Führung und klare Entscheidungen. „Wir brauchen dringend mehr Planungssicherheit. Viele Verträge sind Rahmenverträge, keine festen Zusagen. Das muss sich ändern.“

Europa bleibt ein Problem

Auch die europäische Rüstungsstruktur sieht Papperger kritisch. „Die Konsolidierung in Europa funktioniert nicht. Jeder will seine eigene Fabrik haben. Das macht Konsolidierung schwer.“ Aus seiner Sicht darf Produktion nicht vollständig in Deutschland gebündelt werden.

Stattdessen müsse auch in anderen Ländern produziert werden. Papperger nannte dabei Osteuropa, unter anderem Rumänien, Bulgarien und Ungarn. Nur durch verteilte Produktion entstehe maximale Sicherheit. Gleichzeitig sieht er Fortschritte. „Wir haben die Amerikaner bei der konventionellen Munition überholt und sind inzwischen besser aufgestellt als sie.“ Die Kapazitäten seien von „jährlich 70.000 auf eine Million Schuss Artilleriemunition erhöht“ worden.

Analysten senken Erwartungen

Neben den politischen Aussagen rückt ein möglicher Umsatzausfall bei Rheinmetall in den Fokus. Hintergrund sind mögliche Auswirkungen des Baustopps von sechs F126-Fregatten. Der erwartete Umsatzausfall von 300 Millionen Euro entspricht nach Einschätzung von Citi etwa zwei Prozent des Umsatzes für 2026.

Bei angenommenen Margen von zehn bis 15 Prozent entspräche das rund einem Prozent des operativen Ergebnisses. Für 2030 schätzen die Analysten die Auswirkungen auf das Ebit auf etwa zwei Prozent. JP Morgan senkte zudem die Gewinnschätzungen und verwies auf schnellere Veränderungen in der Verteidigungstechnologie, langsamere Auftragsvergaben durch die Bundesregierung sowie vorsichtigere Annahmen zu Umsetzung und Margen. Das Kursziel für Dezember 2027 wurde um zehn Prozent auf 1.350 Euro gesenkt.

Bn-Redaktion/ar
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