Intel überrascht

Fortinet wird wichtiger Kunde 10.08.2026, 13:02 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Intel überrascht: Fortinet wird wichtiger Kunde
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Fortinet-Deal stärkt den Umbau - doch Milliardenverlust belastet

Intel kommt bei der strategischen Neuausrichtung einen wichtigen Schritt voran. Der Halbleiterkonzern hat bestätigt, dass Fortinet als erster großer externer Kunde die Auftragsfertigung unter CEO Lip-Bu Tan nutzen wird. Für Intel ist das ein bedeutender Meilenstein beim Versuch, das Foundry-Geschäft als eigenständige Säule auszubauen und sich stärker als Auftragsfertiger für andere Technologiekonzerne zu positionieren.

Künftig wird Intel den "Security Processor 6" für die FortiGate-Firewalls von Fortinet produzieren. Zum Einsatz kommen dabei der Intel-4-Prozessknoten sowie fortschrittliche Packaging-Technologien. Die Kooperation ist deshalb besonders relevant, weil Intel sein Fertigungsgeschäft stärker für externe Kunden öffnen und damit in einem Markt Fuß fassen will, der bislang von spezialisierten Auftragsfertigern dominiert wird.

An der Börse notierte die Intel-Aktie zuletzt bei 89,27 Euro und damit 1,54 Prozent höher. Seit Jahresbeginn beläuft sich die Kursveränderung auf 184,30 Prozent.

Fortinet wird zum wichtigen Testfall für Intels Foundry-Strategie

Mit Fortinet gewinnt Intel einen namhaften Kunden außerhalb des eigenen Konzerns. Die Vereinbarung könnte für die weitere Entwicklung des Foundry-Geschäfts eine wichtige Referenz darstellen, da sie zeigt, dass externe Unternehmen Intels Fertigungs- und Packaging-Technologien für eigene Produkte einsetzen.

Gleichzeitig befindet sich der Konzern operativ weiterhin mitten in einem tiefgreifenden Umbau. Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 verdeutlichen dabei sowohl Fortschritte als auch erhebliche Belastungen.

Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent auf 16,1 Milliarden US-Dollar. Besonders stark entwickelte sich das Segment Data Center and AI, kurz DCAI. Hier erhöhten sich die Erlöse um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden US-Dollar.

Unter dem Strich wies Intel nach GAAP-Rechnungslegung dennoch einen Nettoverlust von 11,0 Milliarden US-Dollar aus. Maßgeblich dafür war eine nicht zahlungswirksame Belastung von 12,5 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit dem US-amerikanischen CHIPS Act.

Für das dritte Quartal 2026 erwartet das Management einen Umsatz zwischen 15,8 Milliarden und 16,8 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie stellt Intel 0,38 US-Dollar in Aussicht. Zusätzlich gab Google Cloud eine Zusammenarbeit bekannt, mit der die Bereitstellung von Intel-basierten KI-Instanzen beschleunigt werden soll.

Umbau erreicht auch Vertrieb und Belegschaft

Neben der technologischen Transformation verändert Intel auch seine interne Organisation. Das Unternehmen teilte am Freitag mit, dass Dean Jarnac im September die Position des Executive Vice President und Chief Sales Officer übernehmen wird. Jarnac war zuvor für Marvell tätig.

Er folgt auf Greg Ernst, der Intel nach 27 Jahren verlässt. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der das Unternehmen seine Vertriebsstrukturen und seine Marktansprache an die neue strategische Ausrichtung anpasst.

Parallel läuft das angekündigte Sparprogramm weiter. Zum 15. August sollen 103 Stellen an Standorten in der Bay Area wegfallen. Ein großer Teil davon betrifft die Konzernzentrale im kalifornischen Santa Clara.

Auch in Europa muss Intel regulatorische Anforderungen berücksichtigen. Medienberichten zufolge hat der Konzern für ausgewählte Xeon-, Pentium- und Atom-Prozessoren ein Ende der Lebensdauer in den Märkten der Europäischen Union und der EFTA angekündigt. Hintergrund ist demnach die fehlende Konformität mit dem EU Cyber Resilience Act, kurz CRA.

Neue Prozessoren, Linux-Patente und zurückhaltende Analysten

Technologisch arbeitet Intel bereits an kommenden Produktgenerationen. In Fachkreisen kursieren Berichte zur integrierten Grafikeinheit der Plattform "Nova Lake-S". Die Prozessoren sollen demnach über zwölf Xe3P-Kerne verfügen und im ersten Quartal 2027 auf den Markt kommen.

Daneben wurden zuletzt zahlreiche Patente beziehungsweise technische Beiträge für den Linux-Kernel bekannt, die eine verbesserte Unterstützung von HDMI 2.1 für die Plattformen Meteor Lake und Panther Lake ermöglichen sollen.

Auch auf Analystenseite sorgen die jüngsten operativen Fortschritte für Neubewertungen. Rosenblatt Securities erhöhte am 3. August das Kursziel für Intel von 50 auf 65 US-Dollar. Die Einstufung "Sell" wurde jedoch beibehalten. Als Begründung verwies das Analysehaus auf den weiterhin bestehenden Margendruck trotz der zuletzt sichtbaren operativen Verbesserungen.

Darüber hinaus zeigen Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht Veränderungen bei institutionellen Investoren. Die Breakwater Capital Group reduzierte ihre Intel-Position im vergangenen Quartal um rund 35 Prozent.

Damit stehen bei Intel derzeit mehrere Entwicklungen gleichzeitig im Mittelpunkt: der Aufbau eines externen Foundry-Geschäfts, kräftiges Wachstum im Bereich Data Center und AI, hohe bilanzielle Sondereffekte, weitere Kostensenkungen sowie die Vorbereitung neuer Prozessorplattformen. Die Fortinet-Partnerschaft liefert dabei einen konkreten Beleg dafür, dass Intel bei der Öffnung seiner Fertigung für externe Kunden erste größere Fortschritte erzielt.

Bn-Redaktion/aw
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