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Microsoft unter Druck

KI-Streit bedroht Milliardendeal 17.09.2026, 12:33 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Microsoft unter Druck: KI-Streit bedroht Milliardendeal
AI MODIFIED Inhalte teilweise mit KI erstellt.
© Bild von Tawanda Razika auf Pixabay
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Wenn KI über das eigene Bewusstsein sprechen soll

Suleymans Kritik richtet sich insbesondere gegen Anthropics sogenannte "Constitution" aus dem Januar 2026. Dieses Leitbild soll festlegen, nach welchen Werten und Verhaltensgrundsätzen Claude trainiert wird. Anthropic beschreibt darin den moralischen Status seines KI-Modells ausdrücklich als ungewiss und schließt damit zumindest theoretisch nicht aus, dass fortgeschrittene Systeme eines Tages eine Form von Bewusstsein entwickeln könnten.

Für Suleyman birgt dieser Ansatz ein grundsätzliches Problem. Wird ein Modell bereits mit Begriffen wie Schutzbedürftigkeit oder möglichem eigenem Empfinden konfrontiert, könnten spätere Aussagen des Systems über ein vermeintliches Bewusstsein nicht als unabhängiger Beleg dafür gelten. Aus seiner Sicht droht damit ein Zirkelschluss.

Seine weitergehende Sorge betrifft die Kontrollierbarkeit solcher Systeme. Ein KI-Modell, das sich selbst als schutzbedürftig betrachtet, könnte sich theoretisch gegen seine Abschaltung stellen oder entsprechende Forderungen formulieren. Anthropic widerspricht dieser Interpretation. Das Unternehmen erklärt nicht, dass heutige KI-Modelle tatsächlich über Bewusstsein verfügen, sondern lässt die Frage bewusst offen.

Auch Suleymans Annahme, ein bewusstseinsbezogenes Training könne die Kontrolle über KI-Systeme erschweren, ist bislang nicht empirisch belegt. Bereits 2025 hatte er sich auf eine wissenschaftliche Untersuchung gestützt, deren Aussage nach Einschätzung eines Mitautors von Suleyman öffentlich anders interpretiert wurde als von den Forschern beabsichtigt.

Fünf Milliarden Dollar Investment treffen auf 30 Milliarden Dollar Cloud-Geschäft

Besonders brisant wird der Konflikt durch die wirtschaftliche Verflechtung beider Unternehmen. Microsoft sagte Anthropic im November 2025 eine Investition von bis zu fünf Milliarden Dollar zu. Gleichzeitig verpflichtete sich Anthropic zu Cloud-Ausgaben von 30 Milliarden Dollar bei Microsofts Azure-Plattform.

Damit profitiert Microsoft unmittelbar vom Wachstum seines KI-Partners. Anthropic benötigt enorme Rechenkapazitäten für Training und Betrieb seiner Modelle, während Azure als Infrastrukturplattform entsprechende Umsätze erzielt.

Die Beziehung geht jedoch noch weiter. Claude ist auch in Microsoft 365 Copilot integriert und erhält dadurch Zugang zu einem bedeutenden Kreis von Geschäftskunden. Genau diese Zusammenarbeit könnte künftig kleiner werden.

Suleyman kündigte bereits im Juni 2026 an, die Zahlungen an Anthropic reduzieren zu wollen. Langfristig verfolgt Microsoft das Ziel, externe KI-Modelle zunehmend durch eigene Systeme zu ersetzen. Damit erhält der aktuelle Streit eine zusätzliche wirtschaftliche Dimension: Microsoft finanziert und beliefert einen Partner, dessen Technologie der Konzern gleichzeitig weniger stark in den eigenen Produkten einsetzen möchte.

Der Kampf um die Regeln für die nächste KI-Generation

Nur wenige Tage vor Suleymans Essay hatte Microsoft einen eigenen Verhaltenskodex veröffentlicht. Darin schließt der Konzern Rechte oder ein eigenes Wohlergehen von KI-Systemen ausdrücklich aus. Die unterschiedlichen Positionen zeigen, wie weit Microsoft und Anthropic bei grundlegenden Fragen zur zukünftigen Rolle künstlicher Intelligenz auseinanderliegen.

Damit geht es nicht ausschließlich um wissenschaftliche oder ethische Überlegungen. Beide Unternehmen positionieren sich zugleich gegenüber Aufsichtsbehörden, Geschäftskunden und der gesamten KI-Branche. Sollten Regulierer künftig Vorgaben für den Umgang mit möglichen Bewusstseinsmerkmalen künstlicher Systeme entwickeln, könnten heutige Grundsatzentscheidungen erhebliche praktische Folgen bekommen.

Bislang hinterlässt die öffentliche Auseinandersetzung allerdings keine sichtbaren Spuren in der bestehenden Geschäftsbeziehung. Anthropic nutzt weiterhin Azure, während Microsoft von den damit verbundenen Cloud-Umsätzen profitiert.

Für die wirtschaftliche Entwicklung dürfte vor allem entscheidend sein, wie weit Microsoft seine eigenen Modelle in Copilot und anderen Produkten voranbringt. Gelingt eine stärkere Umstellung auf konzerninterne KI-Systeme, könnten externe Modellkosten sinken. Für Anthropic würde gleichzeitig ein wichtiger Vertriebsweg an Bedeutung verlieren. Der Streit über das mögliche Bewusstsein künstlicher Intelligenz ist damit zugleich Teil eines viel größeren Wettbewerbs um Technologie, Infrastruktur und die Kontrolle über zentrale KI-Plattformen.

Bn-Redaktion/aw
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