Jetzt entscheidet diese eine Kennzahl
Nvidia hat zuletzt gleich mehrere Großereignisse geliefert. Die milliardenschwere Übernahme von Hugging Face und die jüngsten Quartalszahlen haben den Markt bereits beschäftigt. Für die weitere Entwicklung des KI-Konzerns rückt nun jedoch eine andere Frage in den Vordergrund: Kann Nvidia seine außergewöhnlich hohe Profitabilität verteidigen, während gleichzeitig immer mehr Kapital in Beteiligungen, Übernahmen und strategische Partnerschaften fließt?
Allein Ende August wurde bekannt, dass Nvidia rund 3,5 Milliarden Dollar in MediaTek investiert. Ziel ist es, das eigene KI-Ökosystem weiter auszubauen und die Position entlang der technologischen Wertschöpfungskette zu stärken. Kurz zuvor sorgte zudem ein 35 Milliarden Dollar schwerer Rechnerdeal von Anthropic mit einem von Nvidia unterstützten Start-up für Aufmerksamkeit.
Nvidia selbst ist bei diesem Geschäft nicht Vertragspartei. Dennoch verdeutlicht die Entwicklung, wie stark sich die Rolle des Unternehmens verändert. Der Konzern ist längst nicht mehr nur Lieferant leistungsfähiger KI-Chips, sondern zunehmend auch Investor und strategischer Kapitalgeber innerhalb der globalen KI-Infrastruktur.
74 Prozent werden zur entscheidenden Marke für Nvidias Profitabilität
Im Mittelpunkt steht derzeit die Bruttomarge. Für das laufende Quartal hat das Management rund 74 Prozent in Aussicht gestellt, wobei die Spanne um 50 Basispunkte nach oben oder unten abweichen kann.
Gleichzeitig hat Nvidia selbst darauf hingewiesen, dass steigende Speicherpreise die Margen im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres belasten könnten. Diese Aussage besitzt besonderes Gewicht, weil sie dem bislang außergewöhnlich starken Wachstum erstmals ein konkretes Kostenrisiko gegenüberstellt.
An Dynamik mangelt es dem Geschäft weiterhin nicht. Im zweiten Fiskalquartal sprang der Umsatz um 106 Prozent auf 96,22 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellt Nvidia Erlöse von rund 108 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer möglichen Abweichung von 2 Prozent nach oben oder unten.
Damit wird zunehmend entscheidend, ob Nvidia nicht nur weiter hohe Wachstumsraten erreicht, sondern diese auch mit seiner bisherigen Profitabilität verbinden kann. Genau diese Kombination aus stark steigenden Umsätzen und außergewöhnlich hohen Margen war in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Bestandteil der finanziellen Entwicklung des Konzerns.
Hugging Face, MediaTek und Anthropic: Nvidia baut sein KI-Netzwerk massiv aus
Die geplante Übernahme von Hugging Face könnte Nvidia strategisch noch stärker in die Software- und Modellwelt der KI-Entwickler integrieren. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Halbjahr 2027 angestrebt, steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der notwendigen regulatorischen Genehmigungen.
Mit Hugging Face würde Nvidia seine Position jenseits des klassischen Hardwaregeschäfts weiter ausbauen. Die Plattform spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung, Bereitstellung und Nutzung von KI-Modellen. Damit könnte sich der Konzern langfristig breiter innerhalb der KI-Wertschöpfungskette aufstellen.
Auch die Beteiligung an MediaTek passt in dieses Bild. Hinzu kommen indirekte Verbindungen zu großen Infrastrukturprojekten wie dem 35 Milliarden Dollar schweren Rechnerdeal von Anthropic mit einem von Nvidia unterstützten Unternehmen.
Diese Strategie kann zusätzliche Nachfrage innerhalb des eigenen Ökosystems schaffen, erhöht aber gleichzeitig den Kapitalbedarf. Je mehr Nvidia in Beteiligungen, Übernahmen und strategische Projekte investiert, desto komplexer wird auch die Kapitalallokation des Konzerns.
JPMorgan bestätigte nach einem virtuellen Gespräch mit der Investor-Relations-Abteilung am 2. September sein Overweight-Rating und beließ das Kursziel bei 320 Dollar. Damit zählt das Institut weiterhin zu den optimistischeren Stimmen gegenüber dem Halbleiterkonzern.
Speicherpreise könnten zum unangenehmen Belastungstest werden
Das größte kurzfristige operative Risiko hat Nvidia selbst benannt: steigende Kosten für Speicherkomponenten. Sollten sich diese stärker als bisher erwartet verteuern, könnte die Bruttomarge unter Druck geraten.
Für Nvidia wäre das besonders relevant, weil der Konzern seine hohe Bewertung nicht allein mit starkem Umsatzwachstum, sondern auch mit außergewöhnlicher Profitabilität untermauert. Eine schwächere Margenentwicklung könnte daher stärker beachtet werden als bei Unternehmen mit ohnehin niedrigeren Renditen.
Daneben wächst die Bedeutung der zahlreichen Kapitalbindungen. Beteiligungen wie jene an MediaTek und milliardenschwere Übernahmen wie Hugging Face erweitern zwar das strategische Fundament, beanspruchen jedoch gleichzeitig finanzielle Mittel. Kapital, das in solche Projekte fließt, steht zunächst nicht für andere Verwendungen wie Aktienrückkäufe oder Dividenden zur Verfügung.

Zusätzliche Unsicherheit besteht beim regulatorischen Prozess rund um Hugging Face. Bis zum geplanten Abschluss im ersten Halbjahr 2027 können Genehmigungsverfahren in verschiedenen Ländern zu Verzögerungen oder zusätzlichen Auflagen führen.
Damit verschiebt sich der Blick bei Nvidia zunehmend von der Frage, ob die Nachfrage nach KI-Hardware hoch bleibt, hin zur Qualität dieses Wachstums. Der nächste zentrale Prüfstein wird das dritte Fiskalquartal mit der erwarteten Umsatzgröße von rund 108 Milliarden Dollar und insbesondere der Entwicklung der Bruttomarge rund um die kommunizierten 74 Prozent.
Parallel bleibt der Fortgang der Hugging-Face-Übernahme relevant. Einen kleineren festen Termin im Aktionärskalender gibt es ebenfalls: Nvidia zahlt eine Dividende von 0,25 Dollar je Aktie. Die Ausschüttung erfolgt am 1. Oktober an jene Anteilseigner, die zum Stichtag 10. September registriert sind.