Roboter-Boom

Warum der große Durchbruch noch auf sich warten lässt 05.09.2026, 15:37 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Roboter-Boom: Warum der große Durchbruch noch auf sich warten lässt
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Fabriken werden zum wichtigsten Testfeld

Die ersten realen Anwendungen humanoider Roboter entstehen vor allem dort, wo Arbeitsabläufe gut planbar sind. Systeme des chinesischen Herstellers AgiBot werden in Deutschland bereits im Fahrzeugbau, in der Logistik und in der Lebensmittelbranche eingesetzt. Der Distributor Dögel sieht darin erst den Anfang. Geschäftsführer Mathias Dögel erwartet für 2035 eine deutlich breitere Verbreitung der Technik in Unternehmen. Deutschland verfüge durch seine starke Industrie und Erfahrung mit Automatisierung über gute Voraussetzungen, müsse neue Entwicklungen jedoch schneller aus Forschung und Erprobung in marktfähige Lösungen überführen.

Künstliche Intelligenz verändert die Robotik

Ein zentraler Entwicklungsschritt liegt in der zunehmenden Verbindung von Robotik und KI. Auf der IFA zeigen Hersteller Maschinen, die nicht mehr nur vorgegebene Bewegungsfolgen abarbeiten. Sie können ihre Umgebung erfassen, Sprache verarbeiten und ihr Verhalten an wechselnde Situationen anpassen. Xiaomi präsentiert beispielsweise ein Modell, das Bewegungen anhand seiner Wahrnehmung eigenständig auswählt. Auch Tesla arbeitet mit Optimus an einem humanoiden Roboter. Elon Musk hält es für möglich, dass innerhalb der kommenden zehn Jahre rund eine Milliarde solcher Maschinen eingesetzt werden.

Fachleute bleiben beim Tempo vorsichtig

Wie schnell sich die Technologie durchsetzt, ist unter Experten umstritten. Jan Peters von der TU Darmstadt hält innerhalb der nächsten fünf Jahre einen „iPhone-Moment“ der Robotik für denkbar. Tamim Asfour vom Robotics Institute Germany sieht humanoide Roboter ebenfalls als „tatsächlich die Zukunft“, erwartet jedoch keinen raschen Einzug in praktisch alle Lebensbereiche. Besonders außerhalb kontrollierter Umgebungen stoßen die Systeme noch an Grenzen. Selbstständiges, verlässliches Arbeiten über längere Zeit ist bislang deutlich schwieriger als einzelne erfolgreiche Demonstrationen vermuten lassen.

Unitree zieht Anleger massiv an

Parallel zur technologischen Entwicklung wächst das Interesse an Robotik-Unternehmen an der Börse. Besonders deutlich wird das bei Unitree. Der chinesische Hersteller soll mit mehr als 60 Milliarden Yuan, rund 7,7 Milliarden Euro, an den Markt kommen. Die für Privatanleger vorgesehene Tranche war rund 8.300-mal überzeichnet. Die Chance auf eine Zuteilung lag bei lediglich rund 0,018 Prozent. Mit dem Börsengang will Unitree gut sechs Milliarden Yuan, etwa 790 Millionen Euro, einsammeln. Die starke Nachfrage trifft allerdings auf einen Markt, in dem Technologieaktien teils erheblichen Kursschwankungen ausgesetzt sind.

Mehrere Entwicklungen bleiben möglich

Ob humanoide Roboter tatsächlich zum Massenprodukt werden, lässt sich derzeit nicht sicher vorhersagen. Steffen Greiser von der Hochschule Osnabrück rechnet in den kommenden zehn Jahren vor allem mit mehr Anwendungen in Industrie und Logistik. Einen universell einsetzbaren Helfer für private Haushalte sieht er in diesem Zeitraum dagegen nicht. Auch die Studie „Humanoid Robotics 2040“ zeichnet kein eindeutiges Bild. Denkbar sind sowohl eine breite Nutzung im Alltag als auch spezialisierte Anwendungen in Unternehmen oder eine deutlich kleinere Marktnische. Entscheidend dürfte sein, ob die Technik bezahlbar wird, zuverlässig arbeitet, rechtliche Anforderungen erfüllt und von Menschen tatsächlich angenommen wird.

Bn-Redaktion/ar
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