Thyssenkrupp

IG Metall macht jetzt Druck 02.06.2026, 10:59 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Stahlproduktion
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Gewerkschaft erhöht den Druck auf den Vorstand

Bei Thyssenkrupp gewinnt die Debatte um die Zukunft der Stahlsparte erneut an Dynamik. Nachdem die Gespräche über eine mögliche Partnerschaft mit Jindal Steel International vorerst gescheitert sind, fordert die IG Metall nun offen die vollständige Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe. Gewerkschaftsvize Jürgen Kerner richtet sich dabei direkt an Konzernchef Miguel López und signalisiert Verhandlungsbereitschaft.

In einem Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) erklärte Kerner, die Gewerkschaft sei bereit, gemeinsam mit der Belegschaft den Weg einer eigenständigen Steel Europe zu gestalten. Voraussetzung seien Verhandlungen "auf Augenhöhe". Als günstigen Rahmen nennt der Arbeitnehmervertreter die aktuellen politischen Unterstützungszusagen für die Stahlindustrie, die die Transformation der Branche erleichtern könnten.

Die Forderung nach einer eigenständigen Stahlsparte ist zwar nicht neu, erhält jedoch durch das Ende der Jindal-Gespräche eine neue Bedeutung. Da derzeit keine externe Lösung auf dem Tisch liegt, entsteht für die Gewerkschaft ein größeres Einflussfenster bei der Ausgestaltung der künftigen Konzernstruktur.

HKM-Verkauf reduziert Komplexität im Stahlgeschäft

Parallel zu den strategischen Diskussionen hat Thyssenkrupp einen bereits angekündigten Schritt umgesetzt. Zum 1. Juni wurden die Anteile an der Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) im Duisburger Stadtteil Huckingen an die Salzgitter AG übertragen.

Für Thyssenkrupp Steel Europe bedeutet dieser Schritt eine weitere Straffung des Portfolios. Gleichzeitig bleibt die Versorgung mit wichtigen Vorprodukten gesichert: Liefervereinbarungen für Brammen laufen bis zum Jahr 2028 und schaffen damit Planungssicherheit für die Stahlproduktion.

Die Transaktion passt in die laufenden Bemühungen des Konzerns, Strukturen zu vereinfachen und die einzelnen Geschäftsbereiche klarer voneinander abzugrenzen. Gerade im Hinblick auf mögliche Ausgliederungen oder Teilverselbstständigungen könnte eine geringere Komplexität künftig von Vorteil sein.

Calvion soll Carbon-Capture-Technologien beschleunigen

Neben den Veränderungen im Stahlbereich treibt Thyssenkrupp auch die Entwicklung neuer Technologiegeschäfte voran. Seit Mai ist die neu gegründete Thyssenkrupp Calvion GmbH operativ tätig. Das Unternehmen bündelt verschiedene Technologien aus der Polysius-Sparte und konzentriert sich auf Lösungen zur Dekarbonisierung industrieller Prozesse.

Zum Portfolio gehören unter anderem Oxyfuel-Anwendungen für die Zementindustrie, Direct-Air-Capture-Technologien zur CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre sowie Verfahren für grünen Branntkalk und das Recycling von Phosphogips. Ziel der neuen Gesellschaft ist es, Carbon-Capture-Lösungen schneller zur Marktreife zu führen und Wachstumspotenziale im Bereich klimafreundlicher Industrietechnologien zu erschließen.

Holding-Modell nimmt Gestalt an - Finanzierung bleibt zentrale Frage

Die jüngsten Entwicklungen fügen sich in die von Vorstandschef Miguel López verfolgte Strategie ein, Thyssenkrupp schrittweise zu einer Finanzholding umzubauen. Als Blaupause gilt Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), das im Oktober 2025 verselbstständigt wurde, während der Konzern weiterhin 51 Prozent der Anteile hält.

Ein vergleichbares Modell könnte künftig auch für Steel Europe in Betracht kommen. Allerdings bleibt die Finanzierung der grünen Transformation eine der größten Herausforderungen. Der Umbau der Stahlproduktion hin zu klimafreunden Verfahren erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. Ein abschließend tragfähiges Finanzierungskonzept liegt bislang nicht vor.

Weitere Hinweise auf den künftigen Konzernumbau könnten bereits in Kürze folgen. Am 16. Juni will sich der Aufsichtsrat mit Struktur und Zeitplan der Sparte Materials Services befassen. Zudem werden ab Juli 2026 verschärfte EU-Importregeln für Stahl erwartet. Diese könnten den Wettbewerbsdruck durch günstige Importe reduzieren und europäischen Produzenten bessere strukturelle Rahmenbedingungen verschaffen. Damit fällt eine wichtige industriepolitische Weichenstellung in eine Phase, in der Thyssenkrupp seine Konzernstruktur grundlegend neu ordnet.

Bn-Redaktion/aw
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