SILBERPREIS WKN: CG3AB1 ISIN: XD0002746952 Forum: Rohstoffe Thema: Hauptdiskussion
Die globalen Märkte erleben einen schweren geopolitischen Schock, da der Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Gefahr birgt, sich zu einem regionalen Krieg auszuweiten. Die US-amerikanischen und israelischen Operationen gegen den Iran, die iranischen Vergeltungsmaßnahmen und die Schließung der Straße von Hormus schürten die Angst vor einem massiven Versorgungsengpass, der die Weltwirtschaft durch die Energieversorgung erschüttern könnte. In diesem Umfeld stieg der Goldpreis zunächst reflexartig als sicherer Hafen auf 5.400 US-Dollar pro Unze. Unmittelbar danach fiel der Goldpreis jedoch um 5,37 % und der Silberpreis um mehr als 10 % – auf den ersten Blick ein Paradoxon. Das deutlichste Anzeichen für diesen Einbruch war der historische Abfluss von 2,91 Milliarden US-Dollar aus Gold-ETFs innerhalb einer Periode. Es wurde betont, dass dies der größte Abfluss seit November 2016 war. Der Hauptgrund für die Verkäufe liegt darin, dass der Krieg starke Verluste bei Risikoanlagen wie Aktien und Kryptowährungen auslöste und eine Kette von Nachschussforderungen für institutionelle Anleger zur Folge hatte. Der Krieg verursachte hohe unrealisierte Verluste in den Portfolios. Deshalb waren Fonds gezwungen, die liquidesten Vermögenswerte, die zu diesem Zeitpunkt noch im Plus lagen – also Gold –, zu verkaufen, um Verluste auszugleichen und Schulden zu tilgen. Dieser Mechanismus wurde als Flucht in die Liquidität beschrieben, und der Goldverkauf wurde nicht als Verlust des Vertrauens in seinen Wert, sondern als erzwungener Liquiditätsbedarf erklärt. Gleichzeitig wurde der stärkere US-Dollar zu einem sicheren Hafen, was den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzte. Beim Anstieg der ETF-Abflüsse spielten autorisierte Marktteilnehmer eine weitere entscheidende Rolle: Wenn der Marktpreis unter den Nettoinventarwert (NAV) fiel, konnten sie ETF-Anteile kaufen, diese in physisches Gold tauschen und anschließend am Spotmarkt verkaufen. Diese Struktur ähnelt den Gold-ETF-Abflüssen nach November 2016, als die Anleiherenditen sprunghaft anstiegen. Ein weiterer wichtiger Grund war der starke Anstieg der Öl- und Gaspreise, der die Erwartungen an Zinssenkungen der Fed zunichtemachte und die Stagflation befürchtete. Der Markt begann einzupreisen, dass die Fed aufgrund des Energieschocks Zinssenkungen verzögern und gegebenenfalls sogar wieder anheben könnte. Dies trieb die Anleiherenditen in die Höhe und erhöhte die Opportunitätskosten des Goldbesitzes, was institutionelle Anleger dazu veranlasste, von Gold in kurzfristige Staatsanleihen und Bargeld umzuschichten. Zudem begannen erfahrene Anleger, sich gegen den Krieg abzusichern – nicht mit Gold, sondern direkt durch Investitionen in Ölverträge und Energieaktien, die von der Krise profitieren konnten. Die starken Kursanstiege von Unternehmen wie Battalion Oil und Venture Global wurden als Spiegelbild dieser strategischen Rotation am Aktienmarkt interpretiert. Gleichzeitig hatte Gold seit Jahresbeginn bereits sehr starke Zuflüsse verzeichnet, war daher überhitzt, und die Kriegsberichterstattung löste einen „Buy the rumor, sell the news“-Effekt aus. Darüber hinaus wird argumentiert, dass einige Länder Reservegold verkaufen könnten, um Verteidigungsausgaben zu finanzieren, und dass die physische Nachfrage in Märkten wie Indien aufgrund von Währungsschocks nachlassen könnte, was die Preise zusätzlich belastete. Fazit: Gold hat seine Funktion als sicherer Hafen nicht verloren. Der Preisverfall ist darauf zurückzuführen, dass in einem fremdfinanzierten Finanzsystem in geopolitischen Krisensituationen die erste Reaktion oft die erzwungene Geldschöpfung ist.
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