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BioNTech senkt Prognose

Wie schlimm wird es noch? 04.08.2026, 15:07 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Impfung
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BioNTech rutscht tiefer ins Minus

Die weltweit nachlassende Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen hat BioNTech im ersten Halbjahr 2026 einen Milliardenverlust beschert. Auch das zweite Geschäftsquartal endete für den Mainzer Impfstoffhersteller mit deutlich roten Zahlen. Der Verlust je Aktie weitete sich von 1,60 Euro im Vorjahreszeitraum auf 3,24 Euro aus. Damit schnitt das Unternehmen erheblich schwächer ab als von Analysten erwartet. Diese hatten im Durchschnitt mit einem Ergebnis je Aktie von minus 2,08 Euro gerechnet.

Auch auf der Umsatzseite blieb BioNTech hinter den Markterwartungen zurück. Die Erlöse beliefen sich den Angaben zufolge auf 105,6 Millionen US-Dollar, nachdem im entsprechenden Vorjahresquartal 260,8 Millionen Euro erzielt worden waren. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Rückgang auf 155,71 Millionen Euro gerechnet. Die vorgelegten Zahlen zeigen damit, wie stark das einstige Covid-19-Geschäft inzwischen an Bedeutung verloren hat.

Impfstoffvorräte drücken auf die Jahresprognose

Ein zusätzlicher Belastungsfaktor ist die Situation auf dem deutschen Markt. Dort können während der Impfsaison 2026 noch bestehende Impfstoffbestände eingesetzt werden. Das reduziert den Bedarf an neuen Lieferungen und wirkt sich unmittelbar auf die erwarteten Erlöse von BioNTech aus.

Das Unternehmen hat deshalb seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich gesenkt. Statt der noch im März in Aussicht gestellten 2 bis 2,3 Milliarden Euro rechnet BioNTech nun nur noch mit Einnahmen zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro. Die neue Spanne liegt damit vollständig unter der bisherigen Erwartung.

Parallel dazu passt der Konzern seine geplanten Ausgaben für Forschung und Entwicklung an. Für das Gesamtjahr werden nun Aufwendungen zwischen 2 und 2,3 Milliarden Euro erwartet. Zuvor hatte BioNTech dafür noch 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro eingeplant. Das Unternehmen erklärte, bei der Entwicklung neuer Produkte stärker priorisieren zu wollen, und sprach zugleich von einer verstärkten Kostendisziplin.

Die Sparmaßnahmen betreffen auch das internationale Standortnetz. Bereits im Mai hatte BioNTech angekündigt, die Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 zu schließen. Der Betrieb in Singapur soll voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt werden.

Onkologie-Pipeline soll das nächste Wachstumsfeld öffnen

Trotz der schwachen Geschäftszahlen sieht sich BioNTech bei der Entwicklung neuer Medikamente weiterhin auf Kurs. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Onkologie. Unternehmenschef Ugur Sahin erklärte, die Pipeline in diesem Bereich sei deutlich vorangebracht worden.

Zu den wichtigsten Hoffnungsträgern zählt der Wirkstoffkandidat Pumitamig, der zuvor unter der Bezeichnung BNT327 geführt wurde. Für das Präparat laufen späte klinische Studien unter anderem bei Lungen- und Brustkrebs. Darüber hinaus arbeitet BioNTech an Immuntherapien auf mRNA-Basis sowie an sogenannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten.

Bei diesen Medikamenten werden Wirkstoffe einer Chemotherapie mit Antikörpern verbunden. Dadurch sollen die Substanzen gezielter zu Krebszellen transportiert werden. BioNTech versucht damit, seine technologische Plattform über das Covid-19-Geschäft hinaus für neue Behandlungsansätze zu nutzen.

Die hohen Forschungsaufwendungen zeigen allerdings, dass der Umbau mit erheblichen Kosten verbunden ist. Während die Einnahmen aus dem Impfstoffgeschäft zurückgehen, investiert das Unternehmen weiterhin Milliardenbeträge in klinische Studien und neue Produktkandidaten.

Sahin übergibt die Führung an Guido Oelkers

Zusätzlich zu den finanziellen und strategischen Veränderungen steht BioNTech vor einem Wechsel an der Unternehmensspitze. Mitgründer Ugur Sahin soll spätestens Anfang Februar des kommenden Jahres von Guido Oelkers abgelöst werden. Der Manager kommt vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum, kurz Sobi, das er seit 2017 geführt hat.

Für BioNTech bedeutet der Wechsel einen tiefen Einschnitt. Sahin prägte die Entwicklung des Unternehmens maßgeblich und wurde insbesondere während der Corona-Pandemie zum Gesicht des Mainzer Impfstoffherstellers. Er betonte, Oelkers werde gemeinsam mit dem Vorstand die „Erfolgsgeschichte von BioNTech weiterschreiben“.

Sahin will sich künftig zusammen mit seiner Frau und BioNTech-Mitgründerin Özlem Türeci der Gründung eines neuen Unternehmens widmen. Beide beabsichtigen jedoch, Anteilseigner von BioNTech zu bleiben.

An der Börse wurden die jüngsten Entwicklungen zunächst mit Kursverlusten aufgenommen. Die BioNTech-Aktie notierte im vorbörslichen Handel an der US-Technologiebörse NASDAQ zeitweise 3,52 Prozent schwächer bei 89,00 US-Dollar.

Bn-Redaktion/aw
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