Diese Milliardenfragen entscheiden über den möglichen Bankendeal
Die Gespräche über eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit erreichen eine neue Phase. Nachdem sich das Bundesfinanzministerium am vergangenen Montag erstmals seit zwei Jahren wieder direkt mit der Führung des Mailänder Bankkonzerns ausgetauscht hat, stehen inzwischen konkrete Rahmenbedingungen einer möglichen Transaktion im Mittelpunkt.
UniCredit hat sich bereits den Zugriff auf bis zu 49,65 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert. Gleichzeitig verfügt der Bund weiterhin über eine Beteiligung von rund 12 bis 13 Prozent und könnte damit bei den weiteren Gesprächen eine wichtige Rolle spielen.
Berlin verbindet einen möglichen Zusammenschluss allerdings mit weitreichenden Forderungen. Frankfurt soll sowohl Unternehmenssitz als auch Standort der Börsennotierung bleiben. Darüber hinaus sollen betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Der Bund verlangt außerdem zwei Sitze im Aufsichtsrat.
An der Börse wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 41,63 Euro und hat im bisherigen Jahresverlauf rund 15 Prozent zugelegt. Neben der operativen Entwicklung des Instituts spielt dabei auch die mögliche Neuordnung der Eigentümerstruktur eine wichtige Rolle. Medienberichten zufolge verdichten sich zudem die Hinweise darauf, dass die Europäische Zentralbank einer solchen Großtransaktion aufsichtsrechtlich grundsätzlich offen gegenüberstehen könnte.
Bei einem Zusammenschluss würde ein europäischer Bankenkonzern mit einer Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro entstehen.
Berlin stellt Bedingungen - und trifft damit den Kern der Fusionspläne
Eine zentrale Frage der kommenden Verhandlungen ist, unter welchen Bedingungen UniCredit ihre Beteiligung weiter ausbauen könnte. Dabei geht es insbesondere darum, ob UniCredit-Chef Andrea Orcel die Forderungen der Bundesregierung mit den wirtschaftlichen Zielen eines Zusammenschlusses vereinbaren kann.
Gerade die Beschäftigungs- und Standortgarantien sind dabei von großer Bedeutung. Die Commerzbank beschäftigt mehr als 40.000 Mitarbeiter. Würden betriebsbedingte Kündigungen umfassend ausgeschlossen und zentrale Funktionen dauerhaft in Frankfurt verbleiben, könnte dies den Spielraum für Kosteneinsparungen bei einer Integration einschränken.
Damit treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. UniCredit verfolgt die Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Bankenkonsolidierung, während die Bundesregierung den Standort Frankfurt, Arbeitsplätze und ihren Einfluss auf die weitere Entwicklung der Commerzbank absichern will. Hinzu kommt die Rolle der europäischen Bankenaufsicht, die eine weitere Anteilsaufstockung regulatorisch beurteilen muss.
Sollte ein Kompromiss gefunden werden und daraus ein strukturiertes Übernahmeangebot entstehen, würde sich anschließend die Frage nach den Bedingungen für die übrigen freien Aktionäre und den Bund stellen. Eine formelle Zustimmung der EZB zur geplanten Anteilsaufstockung wäre dafür ein entscheidender regulatorischer Schritt.
3,2 Milliarden Euro für die Aktionäre: Commerzbank stärkt ihre eigene Position
Unabhängig von den Übernahmegesprächen arbeitet die Commerzbank an ihrer Kapitalrückführung. Vor rund zwei Wochen beschloss das Institut ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Dieses soll spätestens am 10. Februar 2027 abgeschlossen sein.
Das Programm läuft bereits: Zwischen dem 4. und 11. September erwarb die Commerzbank insgesamt 2.240.372 eigene Aktien über den Markt.

Für das Gesamtjahr 2026 strebt das Management eine Gesamtausschüttung von rund 3,2 Milliarden Euro an. Grundlage dafür ist ein angestrebter Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro. Mindestens 50 Prozent des Gewinns sollen als Dividende ausgeschüttet werden, hinzu kommen Aktienrückkäufe.
Diese Zahlen sind auch deshalb relevant, weil sie zeigen, dass sich die aktuelle Situation der Commerzbank nicht ausschließlich auf die Übernahmefrage reduziert. Das Institut verfolgt parallel eigene Ergebnis- und Ausschüttungsziele. Sollte sich der Prozess mit UniCredit länger hinziehen, rückt entsprechend stärker die operative Entwicklung der Frankfurter Bank in den Mittelpunkt.
Mehr als eine Übernahmefrage: Was bei einem Scheitern auf dem Spiel steht
Ein wesentliches Hindernis für einen vollständigen Zusammenschluss bleiben die politischen Forderungen aus Berlin. Sollten Finanzministerium und UniCredit bei Börsennotierung, Unternehmensstrukturen, Standortgarantien und Beschäftigungsschutz keinen gemeinsamen Nenner finden, könnte eine vollständige Übernahme ausbleiben.
In diesem Fall wäre auch eine Konstellation denkbar, in der UniCredit als bedeutender Großaktionär beteiligt bleibt, ohne die Commerzbank vollständig zu integrieren. Eine solche Struktur würde neue Fragen hinsichtlich der strategischen Ausrichtung und der Einflussverteilung aufwerfen.
Für die Commerzbank würde gleichzeitig die eigenständige Geschäftsentwicklung stärker in den Vordergrund rücken. Das Institut müsste seine ambitionierten Gewinnziele insbesondere im operativen Mittelstandsgeschäft ohne mögliche Konsolidierungsvorteile eines Zusammenschlusses erreichen.
In den kommenden Wochen dürften daher vor allem zwei Entwicklungen von Bedeutung sein: die weitere politische Verständigung zwischen Berlin und UniCredit sowie das aufsichtsrechtliche Signal der Europäischen Zentralbank zur geplanten Anteilserhöhung.
Parallel setzt die Commerzbank ihr Aktienrückkaufprogramm bis spätestens Februar 2027 fort. Damit laufen zwei Prozesse gleichzeitig: Während UniCredit und die Bundesregierung über die Rahmenbedingungen einer möglichen Neuordnung verhandeln, verfolgt die Commerzbank ihre eigenen Gewinn- und Ausschüttungsziele weiter. Ob daraus letztlich ein vollständiger Zusammenschluss, eine dauerhaft hohe UniCredit-Beteiligung oder eine andere Eigentümerstruktur entsteht, hängt maßgeblich von den noch offenen politischen und regulatorischen Entscheidungen ab.