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Inflationsschock

DAX trotzt dem globalen KI-Ausverkauf 15.10.2026, 13:19 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Während in Seoul der Kospi 200 fast 9 Prozent einbrach und der japanische Nikkei gut 3 Prozent verlor, hält sich der deutsche Leitindex bemerkenswert stabil. Am Morgen notierte der DAX zeitweise kaum verändert bei rund 25.300 Punkten, inzwischen hat er nachgegeben und liegt rund 0,3 Prozent im Minus bei knapp 25.160 Punkten. Unter Anlegern sorgt vor allem der Kontrast für Gesprächsstoff: Der weltweite Ausverkauf bei Technologiewerten kommt in Frankfurt nur gedämpft an.

Teuerung von 3,7 Prozent weckt Zinsangst

Auslöser der Talfahrt ist die US-Inflation: Die Verbraucherpreise stiegen im September mit 3,7 Prozent stärker als erwartet, getrieben auch von höheren Spritpreisen. Damit steht eine Leitzinserhöhung der US-Notenbank schon im Oktober wieder zur Debatte. Der technologielastige Nasdaq 100 rutschte am Mittwoch um gut 2 Prozent ab.

Aus Anlegersicht kommt das nicht überraschend: Die Fed habe ihren Handlungsbedarf lange angedeutet, wer zwischen den Zeilen lese, müsse mit weiteren Schritten rechnen. Für Verwirrung sorgt dagegen die Reaktion am Anleihemarkt. Dass die Renditen trotz der heißen Inflationsdaten nicht steigen, sondern eher sinken, wird als Flucht in vermeintlich sichere Häfen gedeutet – tatsächlich legte der Bund-Future am Morgen zu. Die Stimmung bleibt verunsichert.

CoreWeave-Schulden befeuern die KI-Sorgen

Zur Zinsfurcht gesellen sich Zweifel an der Finanzierung des KI-Booms. Die Aktie des Rechenzentrumsbetreibers CoreWeave war in New York wegen wachsender Sorgen über die Schuldenlast eingebrochen, hierzulande verliert sie weitere gut 5 Prozent auf rund 55,70 Euro – im Wochenverlauf summiert sich das Minus auf fast 30 Prozent. Selbst der Rekordgewinn von TSMC, der besser als erwartet ausfiel, half wenig: Die Aktie des Chipriesen gibt rund 3 Prozent nach. Marktbeobachter sprechen bereits von einem erneuten Schub an KI-Sorgen.

Ob daraus eine größere Korrektur wird, bleibt unter Aktionären umstritten. Auf der einen Seite steht die Erwartung, dass Geld derzeit auf breiter Front aus dem Markt gezogen werde, weil mit einem kleinen Crash gerechnet werde. Dem halten Skeptiker der Crash-These die Geschäftszahlen entgegen:

Hängt alles von den Earnings ab. Ich vermute, dass wir eine Wertverschiebung von KMUs weltweit hin zu den großen Unternehmen sehen.

Die Ergebnisse von ASML und TSMC seien schließlich weiterhin stark ausgefallen, lautet das Argument. Die Diskussion schwankt damit zwischen Korrekturangst und dem Vertrauen in die Bilanzen der Branchenriesen.

Infineon und Siemens Energy ziehen den Leitindex nach unten

Glimpflich kommt der DAX davon, weil er nur wenige Technologiewerte enthält – diese trifft es dafür hart. Infineon verlor zur Mittagszeit gut 7 Prozent, Siemens Energy als bisheriger KI-Profiteur liegt aktuell knapp 6 Prozent im Minus bei gut 127 Euro. Breiter fällt die Schwäche in den Nebenwerte-Indizes aus: Der MDAX hat sein Minus auf rund 0,7 Prozent ausgeweitet, der SDAX gibt fast 1,8 Prozent ab.

Mehrere Anleger sehen den DAX ebenso wie den Dow Jones im Vergleich zu Nasdaq und Asien erstaunlich standfest. Auffällig sei vor allem die Zweiteilung: Einzelne Werte würden regelrecht abgestraft, während andere den Index mühsam stützten. Der Grundton ist eher gelassen als panisch.

21-Tage-Linie erneut unterschritten

Charttechnisch ist der DAX wieder unter die gleitende 21-Tage-Linie gefallen, die den kurzfristigen Trend beschreibt und bei knapp 25.300 Punkten verläuft. Charttechnisch orientierte Anleger richten den Blick auf den Bereich um 25.100 bis 25.060 Punkte, der als nächste Unterstützung gesehen wird; auch der Bereich um 25.170 Punkte gilt aus ihrer Sicht als harte Hürde nach oben.

Für die weitere Richtung dürften die US-Daten am Nachmittag entscheidend sein: Um 14:30 Uhr stehen Arbeitsmarktzahlen, Erzeugerpreise und Einzelhandelsumsätze an. Auf Aktionärsseite wird damit gerechnet, dass Nasdaq und S&P 500 ihre Korrektur fortsetzen könnten – offen bleibt, ob dann auch der Dow Jones in den KI-Abverkauf hineingezogen würde. Die Stimmung bleibt vorsichtig.

Bn-Redaktion/sb
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