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US-Inflationsschock

Siemens Energy rutscht in den KI-Strudel 15.10.2026, 13:13 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Siemens Energy 128,43 EUR -4,82 % Lang & Schwarz
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Zwei Handelstage, zwei herbe Rückschläge: Siemens Energy gerät in den weltweiten Ausverkauf von Aktien mit KI-Bezug. Nach einem Minus von mehr als 5 Prozent am Mittwoch rutschte das Papier am Donnerstag bis auf 124,48 Euro ab, zuletzt hat es den Verlust auf knapp 6 Prozent bei gut 127 Euro eingegrenzt. Der DAX gibt dagegen nur rund 0,3 Prozent nach. Unter Aktionären sorgt vor allem das Tempo des Rückgangs für Fassungslosigkeit.

US-Teuerung von 3,7 Prozent schürt Zinsangst

Auslöser der Verkaufswelle sind überraschend hohe Inflationsdaten aus den USA. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent zum Vorjahr und damit stärker als erwartet. An den Märkten wächst seither die Furcht vor weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank – und die trifft vor allem stark finanzierungsabhängige Technologiewerte. Was am Mittwoch an der Nasdaq begann, setzte sich in Asien fort und erfasste am Donnerstag auch Europa. Im DAX ist Infineon mit einem Abschlag von gut 7 Prozent größter Verlierer.

Aus Anlegersicht ist die Ursache damit klar umrissen: Siemens Energy werde im KI-Abverkauf schlicht mitgerissen, die Verbraucherpreise spielten dabei eine gewichtige Rolle. Mehrere Aktionäre betonen, dass der Druck nicht vom Unternehmen selbst ausgehe. Die Stimmung zu diesem Punkt ist eher nüchtern als panisch.

Rechenzentrums-Boom wird zur Achillesferse

Der Konzern hat als Lieferant von Energietechnik erheblich vom Bau neuer Rechenzentren profitiert. Genau dieser Ausbau gerät jetzt in die Kritik: Beim US-Finanzdienstleister D.A. Davidson wird bezweifelt, dass sich teuer fremdfinanzierte Rechenzentren abseits der großen Cloud-Konzerne am Ende rechnen. Die Commerzbank verweist ebenfalls auf wachsende Sorgen über den schuldenfinanzierten Ausbau der KI-Infrastruktur. Wie heikel das Thema ist, zeigt CoreWeave: Der KI-Cloud-Anbieter brach am Mittwoch um 15,5 Prozent ein und verliert heute weitere knapp 6 Prozent.

Auf Aktionärsseite stößt die Übertragung dieser Sorgen auf Siemens Energy auf deutlichen Widerspruch. Ein häufig vorgebrachtes Argument lautet, dass sich aus dem Kursrutsch weder eine schwächere Auftragslage noch eine veränderte Prognose ablesen lasse – das Unternehmen sei operativ kerngesund. Zweifel an KI-Investitionen kämen zudem alle paar Monate auf und seien kurz darauf wieder vergessen.

Dieser Abverkauf ist aber schon krass. Aber ja es ist halt aktuell dieses Spiel zwischen starken Earnings und der Panik das diese Margen in paar Jahren wieder zusammenbrechen. Das wird halt alles jetzt schon eingespeist

Skeptiker halten dagegen, dass die Aktie inzwischen fast vollständig am KI-Thema hänge – als würde Strom nur noch für Rechenzentren gebraucht. Kaufe niemand mehr den Rücksetzer, sondern erst den Rücksetzer des Rücksetzers, könne sich die Korrektur hinziehen. Die Lage bleibt damit gespalten zwischen Vertrauen in das Geschäft und Misstrauen gegenüber der Bewertung.

Aktie fällt auf Niveau vom Jahresanfang

Mit dem Tagestief notierte die Aktie so niedrig wie zuletzt Anfang des Jahres, binnen einer Woche summiert sich das Minus auf rund 11 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch leicht im Plus.

Unter Anlegern hat der schnelle Rutsch zahlreiche Stop-Loss-Marken und Knock-out-Schwellen gerissen, wie mehrere Aktionäre berichten. Dass damit ein Großteil der gehebelten Long-Positionen aus dem Markt gespült sei und der Weg nach oben frei werde, wird zwar als Hoffnung formuliert, stößt aber prompt auf die Gegenfrage nach dem Anlass für eine Erholung. Hinzu kommt der Hinweis, dass die Aktie schon früher binnen weniger Tage zweistellig eingebrochen sei – nach dem steilen Lauf der vergangenen Jahre sei ein größerer Dämpfer absehbar gewesen, nur nicht der Zeitpunkt. Chartsignale gelten dabei als widersprüchlich: Eine mögliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation deute auf weitere Verluste, ein Elliott-Wellen-Szenario auf eine Wende. Nachrichten schlügen in solchen Phasen ohnehin jede Charttechnik. Viele Aktionäre wollen deshalb zunächst die Eröffnung der US-Börsen abwarten. Der Ton bleibt vorsichtig, bis sich ein Boden abzeichnet.

Bn-Redaktion/sb
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