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Nike mit Zahlen

Anleger jubeln, aber China bremst weiter 01.07.2026, 16:35 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Nike Store
© Symbolbild von Mathias Reding auf Unsplash
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Nike (B) 37,63 EUR +8,42 % Lang & Schwarz

Gewinnsprung mit Schönheitsfehler

CEO Elliott Hill war angetreten, um Nike wieder näher an die Branchenspitze zu führen. Knapp zwei Jahre nach seinem Amtsantritt zeigt sich jedoch: Der Weg zurück zu alter Stärke bleibt lang. Die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal liefern dafür reichlich Anschauungsmaterial. Zwar sehen die Ergebnisse auf den ersten Blick besser aus als erwartet, doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass Nike operativ weiter mit erheblichen Baustellen kämpft.

Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 20 Cent und damit über den Analystenschätzungen von 13 Cent. Auch der Quartalsumsatz von rund 11 Milliarden Dollar erfüllte die Erwartungen. Doch der Gewinnsprung ist nur eingeschränkt aussagekräftig. Ein Zollrückerstattungseffekt von knapp einer Milliarde Dollar hat das Ergebnis deutlich aufgehellt. Ohne diesen Sondereffekt wäre die Profitabilität wesentlich schwächer ausgefallen.

Damit bleibt die zentrale Frage offen: Wie viel Fortschritt steckt wirklich in der Sanierung des Sportartikelriesen? Hill selbst beschrieb die Entwicklung als „weiterhin uneinheitlich“. Genau dieses Bild spiegeln die Quartalszahlen wider. Einige Bereiche stabilisieren sich, andere bleiben klar unter Druck.

China bremst den Neustart aus

Besonders problematisch bleibt das China-Geschäft. In Greater China gingen die Erlöse im Berichtsquartal währungsbereinigt um 17 Prozent zurück. Im Vorquartal hatte das Minus noch 10 Prozent betragen. Nike hatte intern zwar sogar mit einem Rückgang von 20 Prozent gerechnet, doch die etwas bessere Entwicklung gegenüber der eigenen Prognose ändert wenig am strukturellen Problem.

Lokale Wettbewerber wie Anta und Li Ning gewinnen weiter Marktanteile. Gleichzeitig sind die Lagerbestände im chinesischen Handel noch immer zu hoch. Für Nike ist das keine Randnotiz: Greater China steht für rund 15 Prozent des Jahresumsatzes. Eine anhaltende Schwäche in dieser Region belastet daher nicht nur die Stimmung, sondern auch die Perspektiven für Umsatz und Marge.

Ein deutlich freundlicheres Signal kam aus Nordamerika. Der wichtigste Markt des Konzerns legte im Quartal um 3 Prozent zu. Dazu trug der Wiederaufbau der Wholesale-Beziehungen bei, die unter Hills Vorgänger stark reduziert worden waren. Nike versucht damit, verlorene Reichweite im Handel zurückzugewinnen, ohne gleichzeitig zu stark auf Rabatte und kurzfristige Verkaufsimpulse zu setzen.

Analysten sehen die Wende erst später

Der Ausblick bleibt vorsichtig. Für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 stellt das Management weitere Umsatzrückgänge im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Diese Entwicklung ist teilweise gewollt, weil Nike Promotionen zurückfährt und Verkäufe mit niedriger Qualität reduziert. Kurzfristig belastet das die Erlöse, langfristig soll es die Marke wieder stärken.

Zusätzlicher Druck kommt von Tarifen, die weiter als Kostenfaktor wirken. Hinzu kommt ein weltweit zurückhaltender Verbraucher. In diesem Umfeld reicht ein einzelnes besseres Quartal nicht aus, um von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen. Auch Analysten bleiben trotz grundsätzlich positiver Einschätzungen vorsichtig. Bernstein SocGen senkte das Kursziel nach den Zahlen von 80 Dollar auf 72 Dollar, bestätigte aber die Einstufung mit Outperform. Guggenheim reduzierte das Ziel auf 60 Dollar und hält ebenfalls an einer positiven Bewertung fest. Der eigentliche Wendepunkt wird von Marktbeobachtern erst im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 erwartet. Dann soll das laufende Transformationsprogramm auslaufen, während eine stärkere Produktpipeline in Bereichen wie Running, Basketball und Lifestyle greifen könnte.

Der nächste wichtige Termin ist der Investorentag im November. Dort will das Management erstmals einen mittelfristigen Wachstumsplan vorstellen. Erst ab dem Geschäftsjahr 2028 rechnen Analysten wieder mit einem echten Normalzustand, in dem Nike Umsatzwachstum und Margenverbesserung gleichzeitig erreichen kann.

Bn-Redaktion/aw
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