Ölpreis-Rätsel

Krieg ja, Rally nein 10.06.2026, 18:19 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Straße von Hormuz
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Öl (Brent) 93,40 USD +2,00 % ARIVA Indikation Rohstoffe

Brent steigt nur leicht

Ein Barrel Brent zur Lieferung im August kostete zuletzt umgerechnet rund 85 Euro und damit knapp ein Prozent mehr als am Vorabend. Der Anstieg fiel überraschend gering aus, obwohl die USA nach dem Abschuss eines Militärhubschraubers iranische Luftabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen nahe der Straße von Hormus bombardierten. Die wichtige Route für Öltransporte aus dem Persischen Golf bleibt durch den Iran-Krieg stark beeinträchtigt.

Trump verschärft den Ton

US-Präsident Donald Trump richtete nach den Angriffen erneut scharfe Worte an Teheran. "Sie haben zu lange gebraucht, um einen für sie großartigen Deal auszuhandeln, jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!", schrieb Trump auf Truth Social. Iran warf Washington wiederum vor, den diplomatischen Prozess durch Verstöße gegen die Waffenruhe beschädigt zu haben. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, sagte: "Der diplomatische Prozess findet nicht im luftleeren Raum statt. Um eine Verhandlung oder einen diplomatischen Prozess voranzubringen, braucht man einen minimalen Raum, um die Arbeit der Diplomatie voranzutreiben."

Warum der Markt ruhig bleibt

Dass Brent nicht stärker steigt, liegt vor allem an der Erwartung, dass eine akute Versorgungskrise bislang ausbleibt. Rekordexporte aus den USA, zusätzliche Mengen aus Abu Dhabi und die Freigabe strategischer Ölreserven federn die Lage ab. Auch die schwächere Nachfrage aus China nimmt Druck vom Markt. Die chinesischen Importe lagen zuletzt bei 6,7 Millionen Barrel pro Tag und damit auf dem niedrigsten Niveau seit rund zehn Jahren.

Charttechnik bleibt kritisch

Technisch wirkt Brent angeschlagen. Der Preis notiert unter wichtigen kurzfristigen Durchschnittslinien der vergangenen 10, 20 und 50 Handelstage. Besonders die 20-Tage-Linie bei umgerechnet rund 90 Euro gilt als zentrale Marke. Fällt Brent unter das Zwischentief von rund 83 Euro und später unter das April-Tief von rund 73 Euro, könnte sich eine echte Abwärtsbewegung entwickeln. Ein Anstieg über rund 90 Euro würde dieses Szenario zunächst entschärfen.

Folgen für Aktien und Anleihen

Für Energieaktien wie Shell, BP, ExxonMobil, Chevron und TotalEnergies bleibt das Umfeld nachrichtengetrieben. Öl-ETFs, Rohstoff-Futures und Energie-ETCs können kurzfristig stark schwanken. Gleichzeitig wirkt der Ölpreis auch auf Anleihen, US-Treasuries, Inflationserwartungen und zinssensitive Aktien wie Immobilienwerte, REITs und Wachstumsaktien. Analyst Saul Kavonic von MST Marquee kommentierte, die Angriffe hätten gezeigt, dass ein Abkommen für ein Ende des Iran-Kriegs weiter "in weiter Ferne liegt". Damit bleibt Öl ein Risiko für Rohstoffmärkte, Aktienmärkte und Zinsen.

Bn-Redaktion/tb
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