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SAP unter Druck

Droht jetzt der nächste Rückschlag? 07.09.2026, 17:28 Uhr Jetzt kommentieren: 0

SAP unter Druck: Droht jetzt der nächste Rückschlag?
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Zeiss stoppt SAP-Großprojekt nach mehr als 200 Millionen Euro

Für Gesprächsstoff sorgt ein Digitalisierungsprojekt beim ASML-Zulieferer Zeiss. Das Unternehmen hat den geplanten vollständigen Neuaufbau seiner SAP-Cloud-Umgebung nach dem sogenannten Greenfield-Ansatz abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Kosten bereits die Marke von 200 Millionen Euro überschritten.

Zeiss setzt nun auf eine Brownfield-Migration. Dabei werden bestehende Systeme nicht vollständig ersetzt, sondern schrittweise an die neue SAP-Umgebung angepasst. Der Fall erinnert an ein früheres Großprojekt von Lidl. Der Handelskonzern hatte eine SAP-Einführung vor einigen Jahren nach Kosten von rund 500 Millionen Euro beendet.

Die Herausforderungen bei der Umstellung auf S/4HANA sind für viele SAP-Kunden von erheblicher Bedeutung. Berichten zufolge überschreiten etwa 60 Prozent aller S/4HANA-Migrationen entweder ihr vorgesehenes Budget oder den geplanten Zeitrahmen. Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck, weil SAP die reguläre Wartung für die ältere Softwaregeneration ECC bis 2027 auslaufen lässt.

Auch bei anderen Unternehmen haben SAP-Einführungen zuletzt Spuren hinterlassen. Bei einem Zulieferer für Bauelemente belasteten negative Effekte aus der Einführung eines SAP-Systems an einem Produktionsstandort das Ergebnis im ersten Halbjahr 2026. UBS-Analystin Leonie Zirn bewertete diese Belastungen allerdings als zeitlich begrenzt.

SAP-Präsident Gilg setzt auf KI statt Verdrängung durch KI

Parallel dazu versucht SAP, Sorgen über mögliche Folgen der generativen künstlichen Intelligenz für klassische Unternehmenssoftware zu entkräften. SAP-Präsident Jan Gilg sieht KI gerade bei sogenannten "mission-critical" Anwendungen nicht als Ersatz etablierter Software, sondern als zusätzlichen Wachstumstreiber.

Die Debatte hatte bereits im vergangenen Jahr erhebliche Auswirkungen auf den Sektor. Im Zuge der als "SaaSpocalypse" bezeichneten Befürchtungen, KI könne klassische Software-as-a-Service-Angebote teilweise verdrängen, war die SAP-Aktie zeitweise um mehr als 20 Prozent gefallen.

SAP arbeitet inzwischen konkret daran, KI tiefer in eigene Geschäftsprozesse und Produkte einzubinden. Dazu gehört eine KI-gestützte Vertriebsorganisation, die Kundensegmentierung anhand von Signaldaten sowie der Einsatz autonomer Agenten für Angebote und Vertragsprozesse.

Ein Praxisbeispiel liefert der Reisetechnologiekonzern Amadeus. Dort soll ein autonom arbeitender KI-Agent rund 40.000 fehlerhafte Transaktionen bereinigt haben. SAP will mit solchen Anwendungen zeigen, dass künstliche Intelligenz bestehende Unternehmenssoftware nicht zwangsläufig ersetzt, sondern deren Automatisierungsgrad erhöhen kann.

Bewertung sinkt deutlich unter den historischen Durchschnitt

Auch die fundamentale Entwicklung bleibt für Börsenbeobachter relevant. Das für 2026 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von SAP liegt aktuell bei rund 26,3. Damit befindet sich die Bewertung deutlich unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 39,3.

Operativ konnte der Konzern im zweiten Quartal 2026 weiter zulegen. Der Umsatz stieg von 9,03 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 9,88 Milliarden Euro. Gleichzeitig erhöhte sich der Gewinn je Aktie von 1,46 Euro auf 1,89 Euro.

Für das Gesamtjahr rechnen Analysten derzeit mit einem Ergebnis je Aktie von 7,10 Euro. Auch bei der Dividende wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 2,50 Euro je Aktie ausgeschüttet, für 2026 liegen die Erwartungen bei 2,66 Euro.

Neue Einblicke in die operative Entwicklung erhalten Anleger mit den nächsten Quartalszahlen. SAP will diese am 21. Oktober veröffentlichen. Dann dürfte insbesondere im Fokus stehen, wie sich das Cloud-Geschäft entwickelt, welche Fortschritte der Konzern bei seinen KI-Anwendungen erzielt und ob das Unternehmen seinen bisherigen Wachstumskurs bestätigen kann.

Bn-Redaktion/aw
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