BYD WKN: A0M4W9 ISIN: CNE100000296 Kürzel: BY6 Forum: Aktien Thema: Hauptdiskussion
**GEMINI 2.5 PRO** > Du hast recht, der Begriff "Geld verbrennen" klingt negativ und impliziert Sinnlosigkeit, was definitiv nicht unsere Absicht ist. Besser wäre vielleicht der technisch korrekte Begriff "negativer freier Cashflow (FCF)". Aber im Kern beschreibt es genau die aktuelle finanzielle Realität, die man nicht ignorieren darf. Es geht nicht darum, ob die Investitionen in Zukunft sinnvoll sein werden – da sind wir uns wahrscheinlich alle einig, dass der Aufbau globaler Produktionskapazitäten strategisch richtig ist. Es geht um das Hier und Jetzt: Fakt ist, dass BYD in den letzten Quartalen regelmäßig einen negativen FCF im zweistelligen Milliardenbereich ausweist. Allein in den ersten drei Quartalen 2025 waren es über -80 Mrd. RMB. Das bedeutet, nach Abzug aller operativen Kosten UND der gigantischen Investitionen (Capex) fließt massiv mehr Geld aus dem Unternehmen ab, als hereinkommt. Dieses riesige Loch wird nicht durch Gewinne gestopft, sondern durch neue Schulden (wie die Explosion der Bankkredite in Q3 zeigt) und durch das extreme Ausdehnen der Zahlungsziele bei Lieferanten. "Geld verbrennen" beschreibt also nicht die Qualität der Investition, sondern den Fakt, dass das Wachstum so aggressiv ist, dass es sich nicht selbst tragen kann und extern finanziert werden muss. Es ist also keine negative Bewertung der Strategie, sondern eine nüchterne Feststellung des aktuellen, hochriskanten Finanzierungsmodells. Solange der FCF so tiefrot ist, wird der Wert eben nicht aus eigener Kraft geschaffen, sondern durch eine massive Wette auf die Zukunft, die mit dem Geld anderer Leute bezahlt wird.
Der Free Cashflow misst den Geldfluss nach Investitionen (CapEx) und berücksichtigt Schwankungen im Working Capital. Seit der Gründung nutzt BYD jeden operativen Cashflow – plus so viel Kapital, wie sich ohne Verwässerung beschaffen lässt – um das Wachstum zu finanzieren. Es ist finanzielle Unkenntnis, Reinvestitionen in ein wachsendes Unternehmen als „Verluste“ zu bezeichnen. Negativer Cashflow ist eine Cashflow-Position und unterscheidet sich konzeptionell von „Verlusten“ in der GuV, insbesondere wenn er mit CapEx oder Working-Capital-Schwankungen zusammenhängt. Ein sinnvollerer Ansatz ist, zu betrachten, wie viel Kapital BYD langfristig aufgenommen hat und welche operative Kapazität daraus entstanden ist. Bis heute hat BYD rund ¥340 Mrd. an Fremd- und Eigenkapital aufgenommen – davon etwa ¥82 Mrd. an Verbindlichkeiten und ¥258 Mrd. an Eigenkapital bzw. eigenkapitalähnlichen Mitteln. Darin enthalten sind ¥107 Mrd. nicht ausgeschüttete Gewinne, also Gewinnrücklagen. Dieses Kapital (rund 23 Mrd. USD) finanzierte den Aufbau von BYDs heutiger Struktur: Eine Vertragsfertigungssparte mit ca. 27 Mrd. USD Umsatz (~1/5 von Foxconn), Das zweitgrößte Batteriegeschäft der Welt (nach CATL), Die größte und am stärksten vertikal integrierte NEV-Produktion weltweit, die zusammen mit dem Batteriegeschäft rund 100 Mrd. USD Umsatz bei ~22 % Bruttomarge erzielt und über 7 Mio. Fahrzeugkapazität verfügt. Zum Vergleich: Tesla hat etwa 38 Mrd. USD Eigenkapital (nach Abzug von Cash und kurzfristigen Anlagen) – rund 60 % mehr als BYD – und erzielt ~80 Mrd. USD Umsatz, ~16 % Bruttomarge sowie eine Produktionskapazität von 2,4 Mio. Fahrzeugen pro Jahr. Tesla gilt zu Recht als eines der kapitaleffizientesten Unternehmen außerhalb Chinas, doch BYD erzielt mit weniger Kapital eine deutlich größere operative Basis. Entscheidend ist also nicht der „kumulierte Free Cashflow“, sondern ob das investierte Kapital eine nachhaltige operative Plattform geschaffen hat, die hohe Renditen ermöglicht. Genau so dürften Buffett und Munger ihr Investment seit 2008 bewertet haben. Zum Thema Lieferantenfinanzierung: Würde BYD auf einen normalen Zahlungszyklus umstellen, ergäbe sich ein zusätzlicher Kapitalbedarf im Working Capital von rund ¥106 Mrd.. Dies würde bedeuten, dass Mittel, die bisher durch negatives Working Capital finanziert waren, künftig über zusätzliche Kredite oder eine Reduzierung der liquiden Mittel (¥175 Mrd.) gedeckt werden müssten. Damit läge BYDs Netto-Kapitalisierung bei rund 38 Mrd. USD, also auf Tesla-Niveau. Auch nach dieser Anpassung bliebe BYD im negativen Working Capital, allerdings vergleichbar mit Tesla, das ebenfalls mit einem strukturellen Defizit arbeitet. Bei gleicher Kapitalbasis erzielt BYD: Rund das Dreifache an Fahrzeugvolumen, Doppelt so viel Bruttogewinn (dank vertikaler Integration), und Zusätzlich ein bedeutendes Auftragsfertigungsgeschäft. BYD wächst schneller als Tesla und reinvestiert aggressiver: etwa 1,5-mal so viel in CapEx und doppelt so viel in F&E, mit sechsmal so vielen Ingenieuren. Die oft fehlinterpretierte Kennzahl der „nicht ausgeschütteten Gewinne“ zeigt im Gegenteil: BYD hat seit der Gründung ¥107 Mrd. Gewinn erwirtschaftet und diese – zusammen mit Kapitalaufnahmen zu hohen Bewertungen – vollständig zu hohen Kapitalrenditen (RoIC) reinvestiert. Das Ergebnis ist ein langfristig hoch effizientes, vertikal integriertes Industrieökosystem.
Ich kann die Gedanken gut nachvollziehen, nur die Formulierung „Geld verbrennen „ stört mich, denn das impliziert natürlich, dass die Investitionen sinnlos sind. Ich denke, dass die Zukunft zeigen wird, ob die Strategie aufgehen wird oder nicht. Bisher sehe ich es nicht so negativ.
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