Wirtschafts- & Börsenlexikon Börsen- und Finanzbegriffe von A bis Z

4418 Begriffe
Begriff Thema
Fondsverwaltung Eine professionelle Tätigkeit, bei der ein Kapitalverwaltungsgesellschaft das Vermögen eines Investmentfonds nach festgelegten Anlagerichtlinien verwaltet, investiert, überwacht und administrative sowie regulatorische Pflichten erfüllt
Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) Eine professionelle, aufsichtsrechtlich regulierte Gesellschaft, die das Vermögen von Investmentfonds organisiert, die Anlagestrategie umsetzt, das Portfolio verwaltet und alle gesetzlichen Pflichten gegenüber Anlegern sowie Behörden wahrnimmt
Performancegebühren Eine erfolgsabhängige Vergütung für die Fondsverwaltung, die nur dann anfällt, wenn die Wertentwicklung des Fonds eine vorher festgelegte Benchmark oder Hürde übertrifft und dadurch die Interessen von Anlegern und Verwalter angleicht
Performancegebührenmodelle Eine Vergütungsstruktur für Fondsmanager, bei der ein variabler Anteil der Vergütung nur bei Übertreffen einer festgelegten Renditehürde oder Benchmark anfällt, oft mit High-Water-Mark-Mechanismus, um langfristige Interessengleichheit zu fördern
High-Water-Mark-Prinzip Eine Regelung bei erfolgsabhängigen Vergütungen, wonach eine Performancegebühr nur dann gezahlt wird, wenn der Fonds einen neuen Höchststand erreicht und frühere Verluste vollständig ausgeglichen wurden
Hurdle-Rate-Modelle Eine Vergütungsstruktur bei Performancegebühren, bei der eine Erfolgsvergütung erst dann anfällt, wenn die Fondsrendite eine vorher festgelegte Mindestrendite (Hurdle Rate) übersteigt, um Anreize mit Anlegerinteressen besser abzustimmen
Transaktionskosten Eine Gesamtheit aller Kosten, die bei Kauf, Verkauf oder Umschichtung von Wertpapieren innerhalb eines Fonds entstehen, einschließlich Courtage, Spreads, Stempelgebühren und sonstiger Börsenentgelte, die die Fondsperformance belasten
Courtage Eine Provision oder Gebühr, die ein Broker oder eine Börse beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren berechnet, meist als Prozentsatz des Kurswerts oder als fester Betrag pro Stück oder Order
Stempelgebühren Eine Gebühr, die bei bestimmten Wertpapiertransaktionen (insbesondere Aktienkäufen) von staatlicher Seite erhoben wird, meist als prozentualer Anteil des Transaktionsvolumens, und die zu den Transaktionskosten eines Fonds zählt
Börsenentgelte Eine Gebühr, die von Börsen oder Handelsplätzen für die Ausführung von Wertpapierorders erhoben wird, meist als prozentualer Anteil oder fester Betrag pro Transaktion, und zu den Transaktionskosten eines Fonds zählt
Spreads Eine Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis eines Wertpapiers oder einer Währung am Markt, die als indirekte Transaktionskosten gilt und die Rendite eines Fonds durch Käufe und Verkäufe mindert
Spezial-AIF Eine spezielle Form des Alternativen Investmentfonds, die sich an professionelle und semiprofessionelle Anleger richtet, mit flexibleren Anlageregeln, höheren Risikoprofilen und meist eingeschränkter oder keiner Anteilsrückgabe während der Laufzeit
Alternativer Investmentfonds (AIF) Eine regulierte Anlageform, die in alternative Vermögenswerte wie Immobilien, Private Equity, Hedgefonds-Strategien oder Rohstoffe investiert und sich vorwiegend an professionelle oder semiprofessionelle Anleger richtet
Publikums-AIF Eine Anlageform des Alternativen Investmentfonds, die sich an Privatanleger (Publikum) richtet, unterliegt strengeren regulatorischen Anforderungen hinsichtlich Transparenz, Risikohinweisen und Anlegerschutz als Spezial-AIF und erlaubt meist eine begrenzte Anteilsrückgabe
Zielzeitfonds Eine Anlageform mit festgelegter Laufzeit, bei der das Fondsvermögen so gesteuert wird, dass es zum vereinbarten Endtermin einen bestimmten Zielwert oder eine definierte Rendite erreichen soll, oft mit abnehmendem Risiko gegen Laufzeitende
Zweitmarkt Eine Plattform oder ein Handelsmechanismus außerhalb der regulären Börse, auf dem bestehende Anteile an geschlossenen Fonds, insbesondere Immobilienfonds, zwischen Anlegern gehandelt werden, oft zu Kursen unter oder über dem Nettoinventarwert
Zweitmarktfonds Eine Anlageform, bei der ein Fonds gezielt Anteile an bestehenden geschlossenen Fonds (insbesondere Immobilienfonds) über Zweitmärkte erwirbt, um Anlegern liquide Beteiligungsmöglichkeiten an bereits investierten Vermögenswerten zu bieten
Fonds-Boutique Eine kleine, unabhängige Kapitalverwaltungsgesellschaft mit schlanken Strukturen, die sich auf spezialisierte Anlagestrategien konzentriert, hohe Flexibilität bietet und oft von erfahrenen Fondsmanagern gegründet wird, um persönlichere und fokussiertere Anlageansätze umzusetzen
Fonds-Supermarkt Eine Online- oder stationäre Plattform, die Investmentfonds zahlreicher Anbieter gebündelt anbietet, Anlegern Vergleichs-, Analyse- und Handelsmöglichkeiten bietet und häufig reduzierte oder keine Ausgabeaufschläge erhebt
Fondsmarkt Eine Gesamtheit aller organisierten Handels- und Vertriebsstrukturen für Investmentfonds, auf denen Anteile ausgegeben, gehandelt, zurückgenommen und zwischen Anlegern sowie Emittenten vermittelt werden
Fondsadministration Eine organisatorische und administrative Tätigkeit, bei der Buchhaltung, Bewertung des Vermögens, Berechnung des Nettoinventarwerts, Erstellung von Berichten, Ausschüttungsabwicklung sowie Erfüllung regulatorischer und steuerlicher Pflichten für einen Investmentfonds übernommen werden
OGAW-Fonds Eine regulierte Anlageform für offene Investmentfonds (Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren), die strenge EU-Vorgaben zu Diversifikation, Liquidität, Transparenz und Anlegerschutz einhält und den grenzüberschreitenden Vertrieb in der EU erleichtert
UCITS-Richtlinie Eine europäische Rechtsvorschrift, die einheitliche Standards für offene Investmentfonds (OGAW) schafft, strenge Regeln zu Diversifikation, Liquidität, Risikomanagement, Transparenz und Anlegerschutz festlegt und den grenzüberschreitenden Vertrieb innerhalb der EU ermöglicht
UCITS-Fonds Eine regulierte Anlageform für offene Investmentfonds gemäß EU-Recht (UCITS-Richtlinie), die strenge Vorgaben zu Diversifikation, Liquidität, Risikomanagement, Transparenz und Anlegerschutz erfüllt und den grenzüberschreitenden Vertrieb in der gesamten EU erleichtert
Kapitalallokation Eine systematische Verteilung von Kapital auf verschiedene Anlageklassen, Regionen, Sektoren oder einzelne Wertpapiere innerhalb eines Portfolios oder Fonds, um Renditeziele bei definierter Risikotoleranz optimal zu erreichen
Forfaiteur Eine Person oder Institution (meist ein Kreditinstitut), die Forderungen von Unternehmen ankauft, sofort liquide Mittel zahlt und dabei das volle Ausfall- und Delkredererisiko übernimmt
Forfaitierungsprozess Eine Abfolge von Schritten, bei der ein Unternehmen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an einen Forfaitier verkauft, dieser die Forderungen prüft, den Kaufpreis sofort auszahlt und das volle Ausfallrisiko übernimmt, wodurch der Verkäufer sofort Liquidität erhält
Außenhandelsfinanzierung Eine Finanzierungsform, die Unternehmen bei grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsgeschäften unterstützt, indem Banken oder Spezialinstitute Lieferanten- oder Abnehmerkredite, Dokumentenakkreditive, Forfaitierungen oder Exportkreditgarantien bereitstellen, um Zahlungs- und Länderrisiken abzusichern und Liquidität zu schaffen
Forderungsverkäufer Eine Partei, meist ein Unternehmen, die offene Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an einen Käufer (z. B. Forfaitier oder Factoring-Gesellschaft) verkauft, um sofort Liquidität zu erhalten und das Ausfallrisiko abzugeben
Liquiditätsmanagement Eine systematische Planung, Steuerung und Optimierung der Zahlungsmittelbestände eines Unternehmens, um jederzeit Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten, Liquiditätsengpässe zu vermeiden und überschüssige Mittel renditebringend anzulegen
Factoring-Gesellschaft Eine spezialisierte Finanzdienstleistungsgesellschaft, die offene Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von Unternehmen ankauft, sofort einen Großteil des Rechnungsbetrags auszahlt und das Forderungsmanagement sowie meist auch das Ausfallrisiko übernimmt
Liquiditätsquellen Eine Quelle oder Möglichkeit, aus der ein Unternehmen kurzfristig Zahlungsmittel oder liquide Mittel beziehen kann, wie z. B. vorhandene Bankguthaben, Forderungseinzug, Kreditlinien, Forderungsverkauf oder kurzfristige Finanzierungen
Liquiditätsverwendung Eine geplante oder tatsächliche Verwendung verfügbarer Zahlungsmittel eines Unternehmens, etwa für die Begleichung von Verbindlichkeiten, Investitionen, Rückzahlung von Krediten, Dividendenausschüttungen oder die Anlage überschüssiger Mittel
Finanzintermediäre Eine Institution oder Person, die zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern vermittelt, indem sie Finanzmittel aufnimmt, bündelt, transformiert und weiterleitet, um Transaktionskosten zu senken und Risiken zu managen
Fristentransformation Eine Transformation der Laufzeiten, bei der Finanzintermediäre kurzfristige Einlagen oder Verbindlichkeiten aufnehmen und diese in längerfristige Kredite oder Anlagen umwandeln, um Zinsdifferenzen zu erzielen, dabei jedoch ein Zins- und Liquiditätsrisiko eingehen
Losgrößentransformation Eine Transformation der Losgrößen, bei der Finanzintermediäre kleine Einlagen oder Sparbeträge vieler Kapitalgeber bündeln und daraus größere, einheitliche Kredit- oder Anlagebeträge für einzelne Kapitalnehmer bilden, um eine effiziente Kapitalvermittlung zu ermöglichen
Betragstransformation Eine Transformation der Beträge, bei der Finanzintermediäre kleine Einlagen vieler Sparer bündeln und daraus größere Kredit- oder Anlagebeträge für einzelne Kreditnehmer bilden, um eine effiziente Kapitalallokation zu ermöglichen
Risikotransformation Eine Transformation von Risiken, bei der Finanzintermediäre durch Diversifikation, Streuung und professionelles Management unterschiedliche Risikoarten (z. B. Kredit-, Liquiditäts- oder Zinsrisiken) von Kapitalgebern aufnehmen und in geringer wahrgenommener Form an Kapitalnehmer weitergeben
Variable Notierung Eine börsentägliche Kursfeststellung an einer Wertpapierbörse, bei der nur zu bestimmten festgelegten Zeitpunkten (z. B. mehrmals täglich) ein einheitlicher Kurs ermittelt wird, indem alle vorliegenden Kauf- und Verkaufsaufträge gesammelt und zu einem Ausgleichskurs zusammengeführt werden
Round Lot Eine standardisierte Handelseinheit an der Börse, die einer festgelegten Mindeststückzahl oder einem Vielfachen davon entspricht (meist 100 Stück bei Aktien), um eine effiziente und geordnete Orderausführung zu gewährleisten
Minderheitenanteile Eine Position im Konzernabschluss, die den Anteil am Eigenkapital und am Ergebnis von Tochtergesellschaften darstellt, der nicht dem Mutterunternehmen gehört, sondern anderen Gesellschaftern zusteht
Future Spread Trading Eine Trading-Strategie, bei der gleichzeitig Long- und Short-Positionen in eng verwandten Terminkontrakten (z. B. unterschiedliche Laufzeiten oder eng korrelierte Basiswerte) eingegangen werden, um vom erwarteten Spread-Verlauf zu profitieren, während das absolute Marktrisiko minimiert wird