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Baustopp-Angst

Nvidia kämpft gegen den Bärenmarkt 06.11.2026, 10:38 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Baustopp-Angst: Nvidia kämpft gegen den Bärenmarkt
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Nvidia steckt im Bärenmarkt. Die Furcht, dass die Demokraten nach ihrem Sieg bei den US-Zwischenwahlen den Bau neuer Rechenzentren ausbremsen, hat den KI-Chipkonzern am Donnerstag um rund 9 Prozent einbrechen lassen – die Aktie liegt damit gut 20 Prozent unter ihrem Jahreshoch. Am Freitag gelingt im europäischen Handel immerhin eine Gegenbewegung von knapp 2 Prozent, im Wochenverlauf bleibt aber ein Minus von rund 10 Prozent. Unter Aktionären überwiegt der Eindruck, dass der Markt die politische Gefahr überzeichnet.

Texas wird zum Risiko für den KI-Ausbau

Auslöser der Verkaufswelle sind die Ergebnisse der Midterms. In mehreren Bundesstaaten stimmten Wähler für Maßnahmen, die den Ausbau von Rechenzentren bremsen sollen. Besonders schwer wiegt Texas: Dort setzte sich die Demokratin Gina Hinojosa gegen Gouverneur Greg Abbott durch – sie hatte ein sofortiges Moratorium für neue Rechenzentren gefordert. Nach einer Schätzung von Wells Fargo entfallen gut ein Viertel der geplanten Rechenzentrumskapazitäten in den USA auf Texas. Am Donnerstag verloren die Unternehmen im S&P 500 zusammen rund drei Billionen US-Dollar an Börsenwert, der Nasdaq 100 schloss 6,4 Prozent tiefer, der US-Halbleiterindex sogar mehr als 12 Prozent.

Aus Anlegersicht ist das Szenario eines echten Baustopps allerdings wenig realistisch. Regulierung werde kommen, in Texas schlage der Ton aber eher in Richtung einer wirtschaftsfreundlichen Variante um – am Ende dürften vor allem die Genehmigungen zäher werden. Hinzu komme, dass Betreiber bereits ausweichen und alte Büro- und Telekommunikationsgebäude mit guter Netzanbindung umrüsten, die nicht neu genehmigt werden müssen. Auch der Hinweis, dass in den USA viele Beschäftigte über ihre 401(k)-Altersvorsorge selbst an steigenden Kursen hängen, wird angeführt.

Wenn die Demokraten also Rechenzentren im eigenen Land verbieten wollen, winken die Emirate und Saudis schon mit den Geldscheinen. Die Nachfrage nach KI Beschleunigern wird hoch bleiben, völlig egal ob irgendwelche Senatoren ihren Wählern einen Rückwärtsgang bei der lokalen Infrastruktur versprochen haben.

Ob die Rechenzentren dann eben an anderen Standorten entstehen, ändert für Nvidia als Lieferant der Chips wenig – so lässt sich das Argument zusammenfassen. Der Tenor zur politischen Lage bleibt damit eher gelassen als panisch.

Hebelprodukte verschärfen den Ausverkauf

Dass der Kurssturz so heftig ausfiel, liegt nicht allein an der Politik. Schon vor der Wahl hatten Chipwerte über Wochen nachgegeben, zusätzlichen Druck brachte der Absturz bei Intel. In der Anlegerdebatte wird der Donnerstag deshalb als Kaskade gelesen: Nach dem wochenlangen Abwärtstrend seien Hebelprodukte wie gehebelte ETFs aufgelöst und Nachschussforderungen ausgelöst worden – also zu einem großen Teil Zwangsverkäufe. Nachbörslich seien zudem reihenweise Stop-Loss-Marken gerissen worden. Umgekehrt wird darauf verwiesen, dass Leerverkäufer ihre Positionen irgendwann zurückkaufen müssten, was der Aktie Auftrieb geben könnte. Die Stimmung zu diesem Punkt ist nüchtern: Der Einbruch gilt eher als technisch übersteigert denn als Urteil über das Geschäft.

Melius kappt das Kursziel um ein Viertel

Gegenwind kommt allerdings auch von Analystenseite. Melius Research senkte das Kursziel für Nvidia von 420 auf 315 US-Dollar und warnte vor Risiken für den KI-Boom; an seiner Einstufung hält das Haus trotz der Kürzung fest. Dies stellt keine redaktionelle Empfehlung dar. Die Erholung am Freitag fällt bei anderen Chipwerten sogar kräftiger aus: AMD gewinnt 6,8 Prozent, Taiwan Semiconductor 6,5 Prozent und Intel 5,7 Prozent.

Auf Aktionärsseite wird die Gegenbewegung mit spürbarer Zurückhaltung aufgenommen. Nach den Verlusten der vergangenen Wochen sei man bei Anstiegen demütig geworden, entscheidend sei zunächst, dass der Abverkauf stoppt. Offen bleibt, ob sich die Erholung als Bullenfalle oder als Trendwende erweist. Als nächster Prüfstein gelten die Quartalszahlen, die Nvidia am 17. November vorlegen will. Dann dürfte sich zeigen, ob die Nachfrage nach KI-Rechenzentren die politischen Bremsspuren schon in der Prognose erkennen lässt – die Anleger-Stimmung pendelt bis dahin zwischen Erleichterung und Vorsicht.

Bn-Redaktion/sb
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