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Drohnen statt Panzer

Rheinmetall gerät in den Sog von Renk 01.10.2026, 13:06 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Rheinmetall 961,95 EUR +0,61 % Lang & Schwarz
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Die Bank of America sortiert Europas Rüstungswerte neu. Leidtragender ist vor allem der Panzergetriebe-Hersteller Renk, dem die Bank das Kaufvotum entzog – und der Abwärtsdruck erfasst auch Rheinmetall, das mit Panzern und Militärfahrzeugen im selben Lager der Landsysteme verankert ist. Die Aktie gibt bis zum Mittag um 0,4 Prozent auf 952,10 Euro nach, nachdem sie im Tagestief bis auf 940,30 Euro gefallen war; im Wochenverlauf summiert sich das Minus auf rund 7 Prozent.

Renk kassiert die Abstufung

Die US-Bank stufte Renk von „Buy“ auf „Neutral“ ab und senkte das Kursziel von 62,50 auf 42,50 Euro – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung. Begründet wird das Urteil damit, dass die Getriebeproduktion auf dem aktuellen Niveau auf Dauer nicht zu halten sei; das begrenze das langfristige Bewertungspotenzial. Die Aktie hatte schon zum Handelsstart knapp 2 Prozent eingebüßt und das Minus seither auf 2,3 Prozent ausgeweitet. Mit 36,82 Euro notiert sie so tief wie seit April 2025 nicht mehr.

Hinter dem Urteil steht ein grundsätzlicher Wandel: Beständigkeit zähle mehr als schieres Wachstum, Rückenwind sieht die Bank vor allem bei Luftwaffe, Aufklärung, Gefechtsnetzwerken und elektronischer Kriegsführung. Dazu passt die Sorge, dass Anbieter mit Fokus auf gepanzerte Landfahrzeuge den Anforderungen einer von Drohnen veränderten Kriegsführung weniger gerecht werden könnten. Zu den Favoriten der Bank zählt Hensoldt; das Kursziel wurde auf 94 Euro angehoben. Die Aktie gewinnt 1,6 Prozent auf 77,34 Euro.

Aus Anlegersicht wird die Parallele zu Renk genau registriert: Der Getriebehersteller sei zuletzt noch deutlich stärker gefallen als Rheinmetall. Auf Unverständnis stößt der Abstand zwischen Kurs und Analystenzielen, die weit über dem aktuellen Niveau lägen, während die Aktie immer weiter nachgebe. Der Ton bleibt spöttisch und skeptisch.

Mehr als die Hälfte des Werts verloren

Vor einem Jahr kostete die Rheinmetall-Aktie noch knapp 1.980 Euro, inzwischen hat sie mehr als die Hälfte ihres Werts eingebüßt und notiert nur wenig über ihrem Jahrestief. Schwer wog im Juni das Aus für die Fregatte F126: Das Verteidigungsministerium stoppte das Projekt wegen erheblicher Verzögerungen und drohender Mehrkosten und setzt stattdessen auf Schiffe von TKMS – ein Rückschlag für die Ambitionen im Marineschiffbau.

Unter Aktionären überwiegt die Einschätzung, dass die Probleme tiefer reichen als ein einzelner Auftrag. In den Rekordkursen sei das Wachstum bis 2030 bereits eingepreist gewesen, in Deutschland laufe aber vieles langsamer als erhofft. Zudem habe der Kursrückgang nicht erst mit dem endgültigen Fregatten-Aus eingesetzt, sondern schon, als die Regierung Alternativen prüfte. Charttechnisch orientierte Anleger sprechen von einem intakten Abwärtstrend, den wohl nur eine bedeutende Meldung beenden könne. Kurs-Optimisten halten dagegen, dass der übergeordnete Aufwärtstrend seit 2022 nicht gebrochen sei. Die Stimmung bleibt gedrückt.

Papperger kauft erneut zu

Ein Gegenakzent kommt vom Konzernchef selbst. Armin Papperger erwarb am 29. September 525 Rheinmetall-Aktien zu durchschnittlich 950,38 Euro. Bereits nach dem Fregatten-Aus im Juni hatte er Aktien für rund 3 Millionen Euro gekauft. Auf Aktionärsseite werden die Zukäufe aufmerksam verfolgt, überzeugen aber nicht jeden: Auch der Kauf im Sommer habe den Abwärtstrend nicht beendet, wird erinnert.

Dass die Aktie trotz der anhaltenden Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten kaum Rückenwind bekommt, deuten Anleger als Zeichen einer Umschichtung: Kapital fließe derzeit eher in Anleihen und KI-Werte als in Rüstung.

Mittlerweile ist Rheinmetall trotz Ukraine und Iran so sexy wie Tiefkühlpommes, alle rennen zu Anleihen, Anthropic und co.

Als nächster Prüfstein gelten die Zahlen zum dritten Quartal am 5. November. Unter Anlegern heißt es, diesmal dürfe es kein Haar in der Suppe geben, und ein weiterer abgesagter Auftrag würde den Kurs zum jetzigen Zeitpunkt empfindlich treffen. Die Anleger-Stimmung schwankt damit zwischen Ernüchterung über den langen Abwärtstrend und der Hoffnung, dass der nächste Zahlenbericht für Klarheit sorgt.

Bn-Redaktion/sb
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