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Engpass bis 2028

ASML kommt mit KI-Nachfrage nicht hinterher 14.10.2026, 13:44 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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ASML Holding 1.527,70 EUR -0,44 % TTMzero RT
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Einige Kunden würden am liebsten schon Maschinen für 2029 und 2030 bei ASML bestellen. Die Quartalszahlen des niederländischen Chipausrüsters zeigen: Die Nachfrage nach Anlagen für KI-Chips wächst weiter – mitten in einem weltweiten Ausverkauf bei Halbleiterwerten. An der Börse verpuffte der Schwung allerdings rasch. Am Vormittag hatte die Aktie in Amsterdam noch gut drei Prozent gewonnen, zuletzt notierte sie mit rund 1.525 Euro wieder leicht im Minus. Unter Aktionären überwiegt dennoch die Begeisterung über das Quartal.

Gewinn klettert auf knapp fünf Milliarden Euro

Im dritten Quartal stieg der Umsatz von 9,3 Milliarden Euro im Vorquartal auf knapp 11,7 Milliarden Euro. Die Bruttomarge verbesserte sich um 3,5 Prozentpunkte auf 57,5 Prozent, unter dem Strich verdiente ASML knapp fünf Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Management nun 44 bis 45 Milliarden Euro Umsatz bei einer Bruttomarge von rund 56 Prozent an, im Schlussquartal allein 14,2 bis 15,2 Milliarden Euro.

Noch mehr Gewicht hat die Aussage zur Kapazität: Das für 2027 und 2028 geplante Angebot werde die Nachfrage nicht vollständig decken, erklärte Konzernchef Christophe Fouquet. ASML prüfe deshalb, die Kapazität für 2028 über die bereits angekündigte Steigerung von 30 Prozent hinaus auszubauen. Aus Anlegersicht ist genau das der Kern der Meldung: Dass die Nachfrage der kommenden beiden Jahre schon jetzt nicht vollständig bedient werden könne und erste Bestellungen bis ins Jahr 2029 reichten, gilt als stärkstes Signal des Tages. Für Staunen sorgt zudem die Marge – fast fünf Milliarden Euro Nettogewinn in nur drei Monaten seien beeindruckend. Der Ton ist euphorisch.

Jefferies hält das Kapazitätsplus für eingepreist

Das Analysehaus Jefferies beließ die Aktie auf „Hold“ mit einem Kursziel von 1.650 Euro: Das Quartal entspreche weitgehend den Erwartungen, die Kapazitätssteigerung sei positiv, aber bereits erwartet worden. Zudem dürften die Bewertungskennzahlen von ASML und der Branche zyklisch weiter sinken. JPMorgan sah die Zahlen dagegen über den Erwartungen und hob neben der starken Bruttomarge den Ausblick auf das vierte Quartal hervor. Diese Einschätzungen stellen keine redaktionelle Empfehlung dar.

Auf Aktionärsseite stößt vor allem das Eingepreist-Argument auf Widerspruch. Etwas niedrigere Bewertungskennzahlen fielen angesichts dieser Nachfrage kaum ins Gewicht, lautet der Einwand. Grundsätzlicher fällt die Kritik am wiederkehrenden Muster der Marktkommentare aus:

Vor den Zahlen heißt es, jetzt müsse bewiesen werden, wie tragfähig der KI-Boom wirklich sei und nach den Mega-Zahlen, die auch noch die bereits abstrus hohen Erwartungen toppen, dann, dass das aber auch alles schon eingepreist war und nun Gewinnmitnahmen einsetzten.

Der Unmut richtet sich damit weniger gegen das Unternehmen als gegen die Erwartungsspirale rund um den Sektor. Die Stimmung pendelt zwischen Anerkennung für die Zahlen und Gereiztheit über deren Aufnahme am Markt.

Chip-Ausverkauf erfasst die ganze Branche

Den Rahmen setzt eine schwache Woche für Halbleiterwerte weltweit. Zweifel an der Rentabilität milliardenschwerer KI-Investitionen, eine Warnung des Broadcom-Chefs vor zu hohen KI-Erwartungen und Fortschritte des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT lösten einen Ausverkauf aus. Samsung Electronics hat im Wochenverlauf rund 10 Prozent abgegeben, Intel knapp 10 Prozent und TSMC rund 8 Prozent. ASML selbst büßte binnen einer Woche gut 6 Prozent ein, auf Jahressicht steht dagegen ein Plus von gut 75 Prozent.

Charttechnisch hat der Zahlentag wenig verändert: Seit Anfang Juni bewegt sich die Aktie seitwärts zwischen gut 1.300 und rund 1.700 Euro. Mehrere Anleger deuten den Rücksetzer als bekanntes Muster: Seit Tagen werde auf gute Nachrichten verkauft, gerade weil die Zahlen so stark ausgefallen seien. Erwartet wird, dass sich der Kurs bis zur kommenden Woche wieder stabilisieren könne – nach einem Vormittag, der nichts für schwache Nerven gewesen sei. Trotz der Schwankungen bleibt die Grundstimmung zuversichtlich.

Den nächsten Gradmesser für die Branche könnte TSMC liefern, das am Donnerstag Zahlen vorlegt.

Bn-Redaktion/sb
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