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Vergesellschaftung

Vonovia atmet nach Sondierungspause auf 14.10.2026, 13:58 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Vonovia 16,59 EUR ±0,00 % Baader Bank
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Der Koalitionspoker an der Spree hellt die Stimmung bei Wohnungsaktien auf. Nachdem SPD und Grüne am Dienstagabend die Sondierungen mit der Linken unterbrochen haben, kletterte die Aktie von Vonovia am Mittwochvormittag zeitweise bis auf 17,07 Euro. Zuletzt notierte das Papier mit 16,84 Euro noch rund 1,3 Prozent im Plus – ein Teil der frühen Gewinne ist damit wieder abgeschmolzen. Unter Aktionären wird die Pause in Berlin vor allem als Dämpfer für die Pläne zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne gelesen.

Rot-Grün-Rot gerät ins Stocken

Die Linke war bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September stärkste Kraft geworden und sieht in ihrem Mandat ausdrücklich auch den Auftrag, große Wohnungskonzerne zu vergesellschaften. Auslöser der Unterbrechung ist der Streit um die neu gewählte Linken-Abgeordnete Vanessa Emde, die trotz Kritik an ihrer Haltung zum Existenzrecht Israels in die Fraktion aufgenommen wurde. SPD und Grüne wollen nun prüfen, ob die vor den Gesprächen getroffene Vereinbarung zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen noch trägt. Grünen-Chef Felix Banaszak machte am Mittwoch deutlich, dass Emdes Verbleib außerhalb der Fraktion aus seiner Sicht eine Grundlage für die Sondierungen gewesen sei. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte SPD und Grüne zuvor aufgefordert, die Gespräche mit der Linken zu beenden.

Aus Anlegersicht ist der Ausgang damit offener als noch vor wenigen Tagen. Nach den Äußerungen der Grünen am Morgen dürfte es mit einem rot-grün-roten Bündnis wohl nichts mehr werden; die Chancen, dass die Koalition doch noch zustande kommt, werden auf rund 30 Prozent taxiert. Zur Vorsicht wird dennoch gemahnt: Stelle die CDU in möglichen Gesprächen zu hohe Forderungen, könnte die Linke für SPD und Grüne schnell wieder attraktiv werden. Das Verhalten der Union wird zugleich als Verhandlungstaktik gedeutet – sie warte ab, bis SPD und Grüne der Linken abgesagt hätten, um dann ohne Alternative am Tisch zu sitzen. Die Stimmung bleibt abwartend, mit leichter Zuversicht.

Linke lässt Treffen mit Vonovia-Chef platzen

Zusätzlich angeheizt wurde das Verhältnis zwischen Linkspartei und Wohnungskonzern bereits am Dienstag: Die Linke sagte ein geplantes Gespräch über die Berliner Wohnungspolitik mit Vonovia-Vorstandschef Luka Mucic kurzfristig ab. Die Partei begründete dies damit, dass Vonovia die zuvor vereinbarte Teilnahme eines Journalisten abgelehnt habe. Der Konzern erklärte dagegen, einer journalistischen Begleitung nie zugestimmt zu haben. Beide Seiten zeigten sich grundsätzlich weiter gesprächsbereit.

Auf Aktionärsseite wird die Absage als deutliches Signal verstanden, wie wenig Annäherung derzeit möglich sei. Wer den Berliner Wohnungsmarkt verändern wolle, komme an den großen Vermietern nicht vorbei, heißt es; zunächst müsse man verstehen, wie der Markt aufgebaut sei, und dann im Austausch bleiben – ein konstruktiverer Ansatz als die Konfrontation. Der Tenor zu diesem Punkt fällt eher ernüchtert aus.

Wohnungswerte ziehen breit an

Vonovia steht mit dem Kursplus nicht allein. TAG Immobilien gewann zuletzt rund 3,1 Prozent auf 10,59 Euro, LEG Immobilien legte um etwa 2,2 Prozent auf 46,19 Euro zu. Die Vonovia-Tochter Deutsche Wohnen, deren Name eng mit der Berliner Enteignungsdebatte verbunden ist, verbesserte sich um 1,1 Prozent auf 15,39 Euro. Die Erholung setzt allerdings auf niedrigem Niveau an: Vor einem Jahr kostete die Vonovia-Aktie noch rund 27,60 Euro, in der vergangenen Woche fiel sie zeitweise bis auf 16,19 Euro.

Wie belastbar der Anstieg ist, wird unterschiedlich gesehen. Wer auf die Nachrichtenlage schaut, sieht fundamentale Gründe: Im Kurs sei zuletzt mehr Vergesellschaftungsrisiko eingepreist gewesen, als realistisch zu erwarten sei, und die Lage habe sich in den vergangenen zwei Tagen spürbar gebessert. Charttechnisch orientierte Anleger sehen zudem den seit Mitte August laufenden Abwärtstrend gebrochen. Skeptiker halten das Plus dagegen für eine rein technische Gegenbewegung, die angesichts des tiefen Kursrutschs wenig aussage.

Ist ja alles nur technisch.. bis lang... Bei -40% sind solche 1.7% Bewegungen absolut irrelevant bislang

Tatsächlich liegt das Papier auf Jahressicht noch knapp 40 Prozent im Minus. Dass die Aktie nach dem Tageshoch um 17 Euro wieder etwas nachgab, wird von Anlegerseite mit einer Hürde in diesem Bereich erklärt. Die Stimmung schwankt damit zwischen vorsichtiger Erleichterung und der Sorge, dass die Erholung verpufft.

Hohe Mieten bleiben politischer Zündstoff

Am grundsätzlichen Druck auf die Branche ändert die Berliner Hängepartie wenig. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des DGB hält rund jeder dritte Mieter in deutschen Großstädten die eigene Miete für zu hoch, unter den Unter-30-Jährigen sind es 44 Prozent. Gewerkschaften und Mieterbund fordern unter anderem eine schärfere Ahndung von Verstößen gegen die Mietpreisbremse und einen bundesweiten Mietenstopp. Am Donnerstag beraten sie mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig über die Lage.

Unter Anlegern wird die Debatte um die Wohnkosten allerdings breiter gefasst. Hohe Heizkostennachzahlungen träfen Mieter auch bei städtischen Wohnungsgesellschaften, wird eingewandt; vor allem teure Fernwärme treibe die Nebenkosten, unabhängig davon, ob ein privater oder kommunaler Vermieter dahinterstehe. Ob die Berliner Pläne zur Vergesellschaftung damit vom Tisch sind, dürfte sich erst zeigen, wenn SPD und Grüne über die Fortsetzung der Sondierungen entschieden haben. Bis dahin bleibt der Blick der Aktionäre auf das Abgeordnetenhaus gerichtet.

Bn-Redaktion/sb
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