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Übernahmepoker

NRW stemmt sich gegen BASF-Griff nach Evonik 14.10.2026, 14:26 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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BASF 52,36 EUR +1,77 % TTMzero RT
Evonik Industries 21,05 EUR -2,05 % Lang & Schwarz
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Im Ringen um den Essener Spezialchemiekonzern bezieht Düsseldorf klar Position. Die nordrhein-westfälische Landesregierung lehnt eine Übernahme von Evonik durch BASF ab, während der Ludwigshafener Konzern nach Informationen aus dem Umfeld der Transaktion zu einem höheren Gebot bereit ist. An der Börse bleibt die Evonik-Aktie davon unbeeindruckt: Nach einem Anstieg bis auf 21,84 Euro am Vormittag notiert sie mit 21,44 Euro nahezu unverändert – und damit gut drei Prozent unter den 22,15 Euro je Aktie, die BASF in einem ersten Vorstoß geboten haben soll.

Landtag streitet über Garantien für 11.000 Jobs

Auf Antrag der SPD befasste sich der Landtag am Mittwoch mit dem Vorstoß aus Ludwigshafen. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) machte deutlich, dass die Landesregierung gegen die Übernahme sei. Mehr als 11.000 Beschäftigte arbeiteten in Nordrhein-Westfalen für Evonik; Produktion, Forschung, Verwaltung und die Zentrale sollten im Land bleiben. Die SPD verlangte verbindliche Beschäftigungs- und Standortgarantien und brachte notfalls eine Landesbeteiligung ins Spiel – ein Vorschlag, den Neubaur zurückwies. Die CDU verwies darauf, dass bislang gar kein verbindliches Übernahmeangebot vorliege, die FDP wollte eine Eigenständigkeit von Evonik nicht zur absoluten Bedingung machen.

Auf Aktionärsseite spielt die politische Debatte in den bisherigen Reaktionen keine Rolle. Der Blick richtet sich dort vielmehr auf die Frage, wie viel BASF am Ende zu zahlen bereit sein könnte.

BASF signalisiert Spielraum beim Preis

Aus dem Umfeld der Transaktion hieß es, BASF sei offen für Gespräche über ein höheres Angebot – allerdings erst nach einem Blick in die Bücher. Bestehende Vereinbarungen zur Sicherung von Jobs und Standorten sollen unangetastet bleiben; betriebsbedingte Kündigungen sind bei Evonik in Deutschland bis 2032 ausgeschlossen. Auch die Pläne, das Basischemie-Geschäft Oxeno und den Chemieparkbetreiber Syneqt zu verkaufen, würde BASF demnach prüfen. Das erste Gebot, das Evonik inklusive Schulden mit mehr als 14 Milliarden Euro bewertet hätte, war als zu niedrig abgelehnt worden. Vor den ersten Berichten über die Pläne hatte die Aktie bei gut 18 Euro gelegen. Die Privatbank Berenberg hält eine Offerte von 24 bis 25 Euro für denkbar – eine externe Einschätzung, keine redaktionelle Empfehlung.

Auf Anlegerseite findet genau diese Spanne bereits Widerhall:

So wird es kommen: 24 bis 25 Euro, Übernahme durch BASF!

Belastbar ist eine solche Erwartung bislang nicht. Ein verbindliches Angebot liegt nicht vor, Evonik hatte zuletzt erklärt, derzeit keine Gespräche zu führen – und Anlegermeinungen dieser Art stellen keine Anlageberatung dar. Dass die Aktie trotz der Signale aus Ludwigshafen unter dem ersten Gebot verharrt, dürfte zeigen, dass am Markt ein Scheitern des Vorhabens nicht ausgeschlossen wird.

Chemiebranche rückt unter China-Druck zusammen

Der Übernahmepoker fällt in eine Phase, in der sich in der europäischen Chemiebranche eine Konsolidierung abzeichnet. Wachsende Konkurrenz aus China und hohe Energiepreise setzen den Konzernen zu. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel könnte nun auch über Schutzmaßnahmen gegen Importe chemischer Produkte aus China gesprochen werden; vor allem die Bundesregierung soll darauf drängen. Die US-Bank Jefferies erwartet, dass Aktien möglicher Profiteure gesucht sein dürften – auch das ist keine redaktionelle Empfehlung.

Die Branche legte bereits zu: BASF gewinnt 1,9 Prozent auf 52,40 Euro, Lanxess springt um gut 4 Prozent auf 12,59 Euro, der STOXX Europe 600 Chemicals steigt um 0,7 Prozent. Evonik konnte sein anfängliches Plus von rund einem Prozent dagegen nicht halten. Offen bleibt auch, wie sich die RAG-Stiftung als größte Anteilseignerin positioniert – öffentlich festgelegt hat sie sich bislang nicht. Die Stimmung unter Aktionären bleibt dennoch erwartungsvoll: Zweifel daran, dass BASF nachlegen könnte, werden bislang nicht laut.

Bn-Redaktion/sb
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