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Öl unter 100 Dollar

DAX erobert 25000 Punkte im Eiltempo zurück 02.10.2026, 13:31 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Ein Tag reichte für die Kehrtwende. Nachdem der DAX am Donnerstag erstmals seit Juli unter 25.000 Punkte gefallen war, hat der Leitindex die runde Marke am Freitag im Eiltempo zurückerobert. Am frühen Nachmittag notierte er 1,05 Prozent höher bei 25.237 Punkten, nur knapp unter dem Tageshoch von 25.250 Punkten. Rückenwind kommt vom Ölmarkt, wo die Preise nachgeben, seit in Europa über die Freigabe strategischer Reserven beraten wird. Unter Anlegern ist die Erleichterung spürbar – getraut wird dem Frieden vor dem US-Arbeitsmarktbericht am Nachmittag aber nicht.

Brent rutscht unter 100 Dollar

Noch am Morgen hatte der Ölpreis weiter zugelegt, nachdem Berichte über die Entsendung eines dritten US-Flugzeugträgers neue Spannungen erwarten ließen. Inzwischen hat sich das Bild gedreht: Die Nordseesorte Brent verbilligt sich um 2,3 Prozent auf 99,86 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI gibt sogar 4,2 Prozent auf 89,31 Dollar nach. Noch deutlicher als Brent reagiert Diesel mit einem Minus von rund 3,9 Prozent.

Dahinter steht ein Streit um Notreserven. Die US-Regierung drängt Deutschland und Frankreich, strategische Dieselvorräte freizugeben – nach US-Vorstellungen sollen 120 Millionen Barrel innerhalb von sechs Monaten auf den Markt kommen. Andernfalls droht Washington mit einem Exportstopp für US-Diesel nach Europa. Die EU-Kommission hält eine Freigabe für möglich und stimmt sich dazu mit der Internationalen Energieagentur ab, die Entscheidung liegt allerdings bei den einzelnen Staaten. Deutschland wurde nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bislang nicht offiziell um eine Freigabe gebeten. Seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran hat sich Brent um 25 bis 30 Dollar verteuert.

Aus Anlegersicht ist der Ölpreis derzeit der wichtigste Taktgeber für den Leitindex. Solange Öl billiger werde, habe der DAX Luft nach oben, lautet ein wiederkehrendes Argument; der steile Anstieg um die Mittagszeit wird direkt mit den Meldungen über eine mögliche Dieselfreigabe der EU in Verbindung gebracht. Zögen die Europäer tatsächlich mit, könne das den Preis noch weiter drücken. Ob die Entlastung bei den Verbrauchern dauerhaft ankommt, wird dagegen bezweifelt. An der Zapfsäule fallen die Beobachtungen unterschiedlich aus – von spürbar günstigeren Preisen als Ende September ist ebenso die Rede wie von einem nur kurzen Effekt.

An der Tankstelle war gestern kurz was zu merken ... allerdings nur bis 12 Uhr. Danach ging es wieder Richtung der alten Preise. Das kann so alles nichts werden.

Hinzu kommt der Einwand, eine Einigung zwischen Washington und Teheran sei nicht in Sicht – über das Wochenende könnten neue Spannungen den Ölpreis wieder anschieben. Die Stimmung zum Ölthema bleibt damit vorsichtig: Erleichterung ja, Entwarnung nein.

Jobbericht soll Zinskurs der Fed klären

Verdrängt, aber nicht verschwunden sind die Zins- und Inflationssorgen. Aus der Eurozone kam am Vormittag ein erwartungsgemäß kräftiger Anstieg der Verbraucherpreise, um 14.30 Uhr deutscher Zeit folgt der US-Arbeitsmarktbericht für September. Erwartet wird ein Stellenplus von rund 98.000 nach 162.000 im August, die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,1 Prozent verharren. Ein robustes Signal könnte das Szenario länger anhaltend hoher Zinsen untermauern und den Druck auf Risikoanlagen erhöhen, heißt es am Markt. Die US-Notenbank hatte die Zinsen im September angehoben und diskutiert über weitere Schritte vor ihrer Sitzung Ende Oktober.

Am Anleihemarkt hat sich die Lage nach dem jüngsten Ausverkauf etwas beruhigt. Der traf vor allem französische Staatsanleihen: Ihr Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen erreichte ein Niveau, wie es seit der Euro-Schuldenkrise 2012 nicht mehr zu sehen war.

Auf Anlegerseite richtet sich der Blick deshalb neben dem Ölpreis vor allem auf die Renditen – solange beide nicht anzögen, sei die Lage für Aktien nicht bedrohlich. Skeptiker halten dagegen: Der Index stecke bereits in einer größeren Korrektur, die heutige Erholung sei in diesem Bild nur eine Gegenbewegung, und die geopolitischen Spannungen lieferten dafür den passenden Rahmen. Der Ton vor dem Datentermin bleibt abwartend.

KI-Werte stemmen den Leitindex

Getragen wird die Erholung auch von Aktien mit KI-Fantasie: Infineon, Siemens Energy und Hochtief führten die DAX-Gewinnerliste bis zum Mittag an. Der europäische Technologiesektor erreichte ein Hoch seit Juni, in den USA bewegt sich der Nasdaq 100 in der Nähe seines Rekordhochs und notiert aktuell 0,7 Prozent im Plus. Der MDAX kommt dagegen nicht ganz mit: Am Vormittag lag er noch 0,8 Prozent vorn, inzwischen ist das Plus auf 0,5 Prozent geschrumpft. Auf Wochensicht hat der DAX sein Minus auf knapp ein Prozent eingegrenzt.

Unter Aktionären sorgt der Schwung für eine klare Lesart: Gegen den Markt zu wetten, lohne sich an diesem Tag kaum, die Käuferseite habe das Heft in der Hand, wie mehrere Anleger anmerken. Zugleich wird auf die Hürde beim Vortageshoch um 25.230 Punkte verwiesen, an der der Index am Vormittag wiederholt gescheitert sei. Die schnellen Ausschläge in beide Richtungen machen den Handel zudem schwer berechenbar. Die Stimmung bleibt damit freundlich, aber nervös – bis der Jobbericht neue Klarheit bringt.

Bn-Redaktion/sb
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